Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 
The Dirty Waters und High Brian im Ice Cafe Adria
bericht bilder
 
 

The Dirty Waters und High Brian im Ice Cafe Adria

Die Einweihungsshow im Ice Café Adria.

Nachdem ich vor Kurzem erst wieder von einem viermonatigem Auslandsaufenthalt zurück in Stuttgart bin und erst mal mit dem verkehrten Kulturschock klarkommen musste, war es mal wieder Zeit für guten Psych Rock.

Ich hör hier immer wieder den Spruch "hier hat sich gar nichts verändert", während man selbst viele Veränderungen durchläuft, wenn man mal ein paar Monate nur mit sich beschäftigt ist und seine Komfortzone verlässt. Das stimmt aber auch nur teilweise, denn Stuttgart ist in der Zwischenzeit um einen (Live-)Club reicher geworden: das Ice Café Adria hat am 1. Februar seine Pforten geöffnet. Es handelt sich hierbei aber nicht, wie zu erwarten, um den netten Italiener um die Ecke, sondern um einen gemütlichen, zweistöckigen Club mit Wohnzimmeratmosphäre und kurioser Innenausstattung. Unter anderem hängt dort ein Leuchtschild in Form einer riesigen Eiswaffel, das übrigens zufällig gefunden und so zum Namensgeber des Clubs wurde. Auch ziert ein Hammerhai die Bar im unteren Stock.
Zu finden ist das Ice Café Adria bei der U-Bahn-Station Rathaus, in einem Eckhaus bei den Treppen zur Unterführung.

Musikalische Darbietung gab es von The Dirty Waters aus Stuttgart und High Brian aus Graz unter dem Titel "Fiebertraum Vol. 2".

High Brian machten den Anfang. Die vier Jungs stellten vor allem ihre zweite Platte "Brian Air" vor. An Selbstironie mangelt es offenbar nicht (ihr erstes Album heißt "Hi Brian"). Als Support Act machten sie dem stetig wachsendem Publikum alle Ehre, zu ihrem krautigen Psych Rock, der mich teilweise an frühe Tame Impala Songs erinnert hat, wurden schon einige Tanzbeine und -arme geschwungen. Auch die Bandmitglieder hatten's nicht so mit der Bühnenbegrenzung und traten hier und da auch mal mit in die Menge. Die Interaktion mit dem Publikum war von vornherein locker und freundlich, auch untermauert durch das Fehlen der Schuhe beim Frontmann. Publikum und Band haben sich auf jeden Fall beidseitig befeuert und befeiert, was zu einer ausgelassenen und wunderbaren Stimmung beitrug. Der Jubel war auch völlig gerechtfertigt, denn es wurde ein so breites Soundspektrum bedient, von treibenden Bässen, Reverb- und allerlei anderen Effekten, singender Leadgitarre und Rhythmenwechseln war alles dabei. Atmosphärisch und dynamisch treibender Psych Rock, lässt nichts zu wünschen übrig!

Gönnt Euch "The Sun and I". Dann wisst ihr, wovon ich spreche.

Mit The Dirty Waters ging es dann auch genauso schweißtreibend weiter, denn mittlerweile ist die Menge größer und der kleine Raum vor der Bühne gänzlich eingenommen worden. Der Sound erinnert an Progressive Rock der späten 60er und 70er Jahre aber ist durchaus divers. Eingeleitet wurde ihre Session nämlich mit einem Jam an den Congas, unterstützt durch Gastmusiker Yago Brasil an der Querflöte, was zu einem exotischen und tranceartigen Sound geartet ist. Melancholische Klänge wurden unterwandert von immer schneller treibenden Rhythmen. Charakterlich mindestens genau so gechillt wie ihre Vorgänger, wollten uns die Dirty Waters immer wieder zum ausrasten animieren. Nachdem sie sich erst mal mit ruhigeren Songs rangetastet haben, wurde dann nach dem dritten "habt ihr Lust zu toben" dann auch wirklich eingeheizt. Fast wäre der ein Stehtisch vollbepackt mit Glasflaschen umgekippt oder das Drumset zusammengefallen, aber im Endeffekt ist nichts und niemand ist zu Schaden gekommen. Im Gegenteil. Liebesbekenntnisse in Form von "du bist so geil"-Rufen und eine allgemein gegenseitige Wertschätzung erfüllte den Raum. So solls sein!

Für ihr erstes Album könnt ihr die Jungs auch noch unterstützen, und zwar über ihre Crowdfunding Kampagne. Kann man schon mal machen, denn die Jungs haben die gestrige Show schließlich auch für Umme zur Verfügung gestellt.

Wer sie noch nicht kennt, kann sich hier inspirieren lassen:

Text:
Mary Hinzmann
Geschrieben am
02. April 2019