Kulturpegel

 
Konzertberichte in Wort und Bild
 
 

Das Paradies im Merlin

Der Schimmer eines Irgendwann. Das Schlimmste, was uns passieren kann.

Was wie eine Drohung klingt, ist ein großes Versprechen: Das Merlin Kulturzentrum lädt uns am Nikolaustag zu einem Abend im totalen Glück ein. Das Paradies kommt am 6. Dezember nach Stuttgart. Scheint, als wären wir dieses Jahr artig gewesen.

Florian Sievers ist Das Paradies ist deutscher Indie-Songwriter-Pop, der eine tiefgründige Wort- und zugleich leichtfüßige Klangwelt schafft. Gerade diese Mischung aus Leichtigkeit und dazu Texten, die zum Nachdenken anregen – Feelgood-Musik in schlau sozusagen – ist es, die beeindruckt und seine Lieder besonders macht.
Mit seinen bildkräftigen Zeilen kreiert er Metaphern, die so einfach daher kommen und ganz nebenbei von großer Dichtkunst zeugen.
„Eine weiche Stelle zwischen Licht und Schatten. Ein schöner Turm schwingt sich zwischen den Zeilen auf. Du füllst dein Nicken ab in Flaschen und schüttelst. Deine Lieblingsfarbe ist ein Verlauf.“ (Ein schönes Unentschieden).

Manch einer mag Florian Sievers bereits als die eine Hälfte des Duos Talking To Turtles kennen. Mit der EP „Goldene Zukunft“, aus der in diesem Jahr ein gleichnamiges Album wurde, wagt er sich 2017 solo auch an Lieder in deutscher Sprache heran und schafft damit eine wahre Hommage an diese. Seine Lieder sind poetisch lässig und eher positiv verträumt als melancholisch. „Ich rauche, rauche, rauche, nur wenn ich schlafe nicht. Keine Sucht, nur eine Weise, auf die meine Zeit zerbricht.“ (Die Giraffe streckt sich). Ein großartiges Plädoyer für Entspannung und Geduld.

Seine Strophen sind kluge Gegenwartsbeobachtungen in Poesie gebracht, wie bei „Wir dürfen alles und wollen wenig und wenn wir wollen, trauen wir dem Dürfen nicht. Wir dürfen alles und trauen uns eh nicht und wenn wir uns trauen, trauen wir dem Wollen nicht.“ (Dürfen die das).

Das Paradies ist eingängiger Deutschpop – nur eben eine Schippe besser.
Lassen wir uns das Merlin am 6.12. (abermals) zu einem Ort der Seligkeit und Freude machen.

Text:
Jelka Ottens
Geschrieben am
26. November 2018