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Slohmo Bad Vibes

von Lukas Steimle

„Nimm doch mal die Kopfhörer ab!“ – „Kann nich..“ – „Wieso?“ – „Ich hör die neue Shlohmo..“ – „Wer isn das?“ – „Der amerikanische Buddha der glitchy Beats, die legale Variante des High- und Eins-Werdens.“

Warum hören wir Musik?

Ja, was ist der Grund? Ich meine damit nicht in einer kleinen Runde mit Freunden oder im Club, nicht als Hintergrundbeschallung und auch nicht die neue Shakira. Nein, warum hören wir alleine aktiv Musik? Wollen wir unsere Stimmung einfangen, die Atmosphäre musikalisch untermalen? Der Soundtrack fürs eigene Leben sozusagen. Oder wollen wir eine andere Stimmung erzeugen, sei es Melancholie, Freude oder (Aus-)Gelassenheit? Sind wir auf der Suche nach Inspiration und neuen Weisheiten? Ist es einfach nur die Hoffnung verstanden zu werden, jemanden zu finden, der das Gleiche fühlt und es in einen Song verpackt hat, dem man zuhört und dem man im Stillen verständnisvoll und begeistert zunickt? Oder wollen wir schlichtweg in eine andere Welt entführt werden?

Scheiße, wie krieg ich denn jetzt die Kurve. Worauf ich hinauswill: Shlohmo ist mit Bad Vibes etwas unheimlich großartiges gelungen, etwas das ohne eine einzige Textzeile so viel von dem was Musik ausmacht in sich vereint. Der Schlüssel, um das Tor zu diesen bildgewaltigen Traumwelten zu öffnen, ist ein bisschen ernsthafte Aufmerksamkeit und ein gutes Paar Kopfhörer.

Ich hör schon die Stimmen: „Jetzt kommt der schon wieder mit so ‘nem ruhigen Kram! Das ist doch nichtssagende Loungemusik, die langweilig vor sich hinplätschert!“. Nicht, dass Bad Vibes nicht als Hintergrundgedudel funktionieren würde, nein, ich wär verdammt nochmal froh, würde ich Shlohmo jemals aus einem öffentlichen Lautsprecher im Fahrstuhl oder beim Einkaufswagen schieben hören. Aber das Ding kann deutlich mehr.

Eine Bassdrum, die dem Herzschlag gleicht. Ein mal pulsierender, mal dröhnender Bass. Sphärische Soundscapes, die unter facettenreichem Beatbeschuss knarren, blubbern, gluckern und zwitschern. Gitarrenmelodien, die mitunter Godspeed’schen Fingern entsprungen sein könnten. Eine Stimme, die nur ein Vokale-Summen benötigt, um dir alle Probleme aus dem Kopf zu fegen, während das Gehirn in irgendeiner seichten Brühe im Takt wabbelt und eine Mischung aus totaler Entspanntheit und unglaublicher Euphorie den Körper durchströmt.

Das orientalisch anmutende Big Feelings gibt den Rhythmus vor, den die ineinander übergehenden Sommerhit-Alternativen Places und Anywhere But Here gerne aufnehmen. Das fröhlich übers Wasser tänzelnde Just Us wird langsam von einem heranstapfenden Bassmonster verschlungen. Sink katapultiert einen in eine Tauchkugel, die langsam durch die bunte maritime Unterwasserwelt gleitet und all die verborgene Schönheit preisgibt. Vulkanartig bricht Your stupid Face aus und die glucksende, liebevolle Melodie meines geheimen Favoriten Seriously tätschelt sanft den eigenen Kopf. Wäre ich Arofonsky hätte Trapped In A Burning House die pillenkranke Frau in Requiem For A Dream beim Durchdrehen begleitet. Düsterrocker packt ein, so erzeugt man klangliche Atmosphäre, ihr Flaschen!

Klar, die Songstrukturen ähneln sich, aber das Wort monoton sollte niemandem, der auch nur annährend aufmerksam zuhört in den Sinn kommen.  Verschiedenste Instrumente, Effekte  und Aufnahmen wollen entdeckt werden – Kleinigkeiten, wie ein Schnipsen, ein Klirren oder leise prasselnder Regen. Und am Ende findet sich alles in vollendetem Einklang und Harmonie wieder. Oftmals kaum wahrnehmbare Übergänge spiegeln den Albumsfluss wider und erinnern an den wundervollen Titel des furchtbaren Coelho-Buches Sei wie ein Fluß, der still die Nacht durchströmt. Springt in diesen Fluß, lasst euch treiben. Menschen dieser Welt, hört Bad Vibes!

Lieder

  1. Big Feelings
  2. Places
  3. Anywhere But Here
  4. It Was Whatever
  5. Parties
  6. Just Us
  7. Sink
  8. I Can’t See You I’m Dead
  9. Trapped In A Burning House
  10. Get Out
  11. Your Stupid Face
  12. Seriously
  13. Same Time

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