Adrian Orange. Wer soll das sein? Zugegeben, dieser Name wird, ebenso wie sein ehemaliges Pseudonym "Thanksgiving", höchstens denjenigen etwas sagen, die sich bereits etwas intensiver mit der amerikanischen lo-fi Indie/Folk Szene beschäftigt haben. Umso bedauerlicher, da der aus Portland, Oregon stammende, inzwischen 23-Jährige, seine Musik mit einer beeindruckenden Kreativität und Ehrlichkeit praktiziert.
Waren seine ersten Alben von 2003 bis 2006 noch sehr ruhige, experimentelle, lyrisch introspektive, beeindruckende, aber instrumental wenig ausufernde Werke, vergleichbar mit den Anfängen von Phil Elverum (Mount Eerie) oder auch Will Oldham (Bonnie "Prince" Billy), so schlägt Adrian Orange mit seinem 2007 erschienen Album "Adrian Orange & Her Band" eine neue Stilrichtung ein, ohne dabei seine Indie-Herkunft zu vernachlässigen. Mit an Bord hat er eine 17-köpfige Band, die neben den "Standard-Instrumenten" Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier mit einer Vielzahl von Blasinstrumenten (Trompete, Horn, Saxophon, Posaune etc.), einer Orgel, sowie unzähligen Perkussioninstrumenten ausgestattet ist und zudem in mehreren Stücken als Hintergrund-Chor auftritt und dabei an frühere Soul/Funk-Stücke erinnert. Hinzu kommen der oben genannte Phil Elverum, sowie Calvin Johnson und Nicolaas Zwart als Aufnahme- und Technikverantwortliche. Klingt alles nach einem riesigen Projekt für einen 21-Jährigen.
Der dabei entstandene Sound ist nur schwer zu beschreiben. Wie bereits erwähnt ist Adrian Orange seinen Wurzeln treu geblieben und so klingt das Ganze nach einer ungewohnten Kombination aus Indie-Folk und bläserlastigen, gestutzten Afrobeat Arrangements (amerikanische Funkrhytmen mit afrikanischer Perkussion). Das Ganze wirkt dabei aber wesentlich flotter und spaßbringender als man es von seinen früheren Alben erwarten würde. Man merkt den Musikern die Freude an, die sie beim Aufnehmen und Schreiben der Songs hatten. Die stilistischen Einflüsse reichen dabei, variierend von Stück zu Stück, von Dub, Reggea, unterschiedlichen Jazz-Richtungen und Latin bis hin zu osteuropäischen Klängen und finden ihren Höhepunkt oft in anhaltenden Instrumental-Parts, wobei kein Instrument zu kurz kommt, sei es die an die Doors erinnernde Orgel in "Then We Play" oder das dreckig-schräge Saxophon Soli in dem wunderbar funkigen Stück "Give To Love What's Love's".
Über all dem schwebt die gewohnt eigenwillige Stimme von Adrian Orange, welche öfters mal Ton- und Taktgefühl vermissen lässt oder auch mal kurzzeitig kreischend oder schreiend daherkommt. Was Anfangs unpassend und beinahe verstörend wirkt, entwickelt sich nach einer kleinen Eingewöhnungsphase aber als große Stärke des Albums. Oft sind es die eher schrägen, auf den ersten Blick vielleicht seltsamen Momente, die einem letztendlich positiv im Gedächtnis bleiben und einen so das Album nicht vergessen lassen. Lyrisch bleibt Adrian Orange dabei stilistisch gewohnt ungewöhnlich, egal ob selbstreflektierend, kritisch fragend oder ratschlägegebend. Dabei dreht sich lyrisch alles um das große Thema Liebe, sei es zu Mitmenschen ("Give To Love What's Love's"), zur Welt ("Unconvincing Serenade" - "We don't give a fuck about that compulsive destruction of all our most adventurous ideas"), zu etwas spirituellem ("A Flower's Mine") oder natürlich die Liebe zu einer Person ("Interdependance Dance" - "I walked away, yeah my heart followed my feet with each step a new mind making"). Auch wenn die Texte, wegen der instrumentlastigen Inszenierung, nicht wirklich im Vordergrund stehen, kommt es einem doch hin und wieder so vor, als ob Text und Stimmung des Songs in manchen Momenten nicht wirklich zusammenpassen.
Wirklich vergleichbar mit früheren Stücken ist letztendlich nur der Album-abschließende Titel "Keep Your Money", begleitet nur von einer akustischen Gitarre, sowie der einzige ruhig-nachdenkliche Titel des Albums "Fire Dream". Das ist aber auch nicht weiter schlimm, da Adrian Orange mit diesem 10 Lieder (etwa 47 Minuten) starkem Album ein großer persönlicher Schritt und mit Hilfe seiner harmonierenden, gute Laune verbreitenden Band ein erfrischend anderes, sehr zu empfehlendes Hörerlebnis gelungen ist, dem man zumindest eine ausgiebige Chance geben sollte. Man darf gespannt sein was dieser noch junge Musiker in Zukunft für Ideen hat.
Adrian Orange wurde 1986 in Portland, Oregon geboren. Mit 9 fing er an Gitarre zu spielen und entdeckte seine Liebe zu Jams. Bereits im Alter von 15 ging er von der Schule ab, um sich hauptberuflich der Musik zu widmen. Seitdem hat er 10 Alben und mehrere Eps unter dem Namen "Thanksgiving", sowie "Adrian Orange" herausgebracht und ist Mitgründer des Labels Marriage Records. Gerüchten zu Folge arbeitet er momentan an einem experimentellen Electronic/Hip-Hop Album, zu dem es bisher nur wenig Informationen gibt.
Reinhören: You're My Home
Live: Question Love Answer
Kaufen/Label: Marriage Records