von Dominique Steidel
Dienstagabend, die kalte Woche um den 26. Januar hat gerade erst so richtig angefangen… Zeit um so richtig abzurocken?! Na aber hallo! Daughtry und Nickelback gaben sich in der SAP Arena in Mannheim die Ehre. Die riesige Eishockeyhalle könnte mit ihren unzähligen Essensständen beinahe ein halbes Dorf sein, aber wer will kann schließlich überall rocken, ob in einem kleinen Club oder eben in einer "etwas" größeren Location.
Nachdem sich die Halle Minute um Minute immer mehr füllt - die ersten Reihen sind natürlich schon Stunden vorher belegt - geht es mit schwäbisch anmutender Pünktlichkeit auch schon kräftig zur Sache. Daughtry spielen so gut wie jeden ihrer Radioohrwürmer, aber auch einige nicht so bekannte Stücke, dafür umso klangreichere Schmankerl. Besonders die Mädels sind natürlich von dem Bizeps, des Blicke auf sich vereinnahmenden Sängers angetan. Anstelle der Trainingsbank sollte dieser allerdings die Ausdauer seiner durchaus reizvollen Stimme ausbauen. Ein bisschen mehr Bewegung auf der Bühne wäre auch nicht schlecht, der überaus geschmackvoll gekleidete Drummer - halbnackt mit BHs und enger Leggins - bringt jedoch allein schon genug Stimmung in die langsam gut gefühlte Arena. Daughtry liefern ein an sich rundes Aufwärmprogramm für den Hauptact des Abends ab und verabschieden sich mit ordentlich Druck von der großteils verhüllten Bühne.
Zwischendurch tauchen Bilder der Vier aus Jugend und früher Bandgeschichte auf. Momente die einen selbst in die Vergangenheit zurück versetzen, gerade die Mannheimer werden mit einigen Bildern ihrer Heimatstadt erfreut.
Die dreißig Minuten Umbaupause sind tatsächlich von Nöten, denn womit Nickelback in diesem Jahr bei ihren Shows aufwarten ist in der Tat beeindruckend. Gleich zu Beginn machen die Jungs aus Kanada dass Motto für den jungen Abend "Burn It To The Ground" deutlich. Die eindrucksvolle Bühnentechnik kommt natürlich gleich am Anfang imposant zur Geltung. Flammen schießen hinter den Musikern meterhoch empor, Funken regnen entlang der gesamten Bühne von der Decke. An dieser hängen auch die fremdartigen Scheinwerferkonstruktionen, neun ufoähnliche Objekte die über die halbe Bühnen schweben und die Halle in ein stimmungsgeladenes Farbenmeer verwandeln. Die große Bilderleinwand und die unzähligen Strahler und Strobes an der Rückwand tun ihr Übriges zu dieser unfassbaren Rockshow. Abwechselnd geben Nickelback Klassiker und Stücke ihres noch aktuellen Albums Dark Horse zum Besten. Immer mit Gänsehaut auf den Armen bekommt man jedoch leicht das Gefühl, dass diese Jungs sich zwischen den harten, rockigen Hammersongs auch etwas den softeren Konzertbesuchern widmen wollen. Typischerweise sind How You Remind Me und Gotta Be Somebody zu hören. Bei If Everyone Cared wird eine beeindruckende Bilderschau auf der Leinwand hinter der Band gezeigt, sie ermutigt aktiv zu werden und sich für die Menschlichkeit einzusetzen. Bei dem sentimentalen Photograph wird schnell deutlich, wie es zu dieser Liedidee kam. Ein Foto von Chad mit einem eben so spaßigen Zeitgenossen - noch mit Locken und einige Jährchen jünger - wird immer wieder auf der Leinwand gezeigt.
Neben starken Stücken wie Because Of You und Animals
mit dazugehöriger Bühnenshow der ersten Liga lassen sich Nickelback auch zu einem publikumsnahen Auftritt verleiten. Dazu wandern die Vier (!) auf dem Bühnensteg in das kleine Rund in der Hallenmitte. Einige Münder reisen auf, als auf diesem Steg plötzlich der Boden anfängt sich zu drehen und ein auf der Unterseite angebrachtes Schlagzeug kommt zum Vorschein. Mitten im Publikum wird - ganz klar - Rockstar mit der ganzen Arena gesungen.
Der Schlagzeuger spielt nicht nur an dieser Stelle eine besondere Rolle. Nach einigen Stücken in Vollbesetzung gehören dem "jüngsten" Bandmitglied gute zehn Minuten um sein gesamtes Können und ergiebige Ausdauer zu beweisen. Bei der ganzen Solotrommlerei bewegt sich die Schlagzeugplattform zunächst Richtung Publikum und später meterweit empor. Auf einem für viele sicher schon schwindelerregenden Höhenniveau fängt die ganze Konstruktion auch noch an, sich zu drehen. Dabei bekommen die Zuhörer Schlagfertigkeiten höchster Güte zu Ohren. Viele Stilwechsel, aber eine durchgehend immense Kraft machen diese Minuten enorm energiegeladen. Chad wird sich später über den Gesichtsausdruck seines Schlagzeugers lustig machen, er würde aussehen als hätte er gerade an einem anderen Ort seinen Spaß...
Weitere Späße des Abends gehen auf Kosten des Publikums in der ersten Reihe, wobei das Geburtstagskind Alex mit seinen jungen elf Jahren noch am Besten wegkommt. Chad gesteht, dass er die deutschen Frauen liebt, zeigt Respekt vor dem Bier aus germanischen Landen und bietet Ryan für acht Bucks
den Abend an. Dieser wundert sich schon gar nicht mehr, dass er immer billiger wird. Ein Abend, an dem also jeder auf seine Kosten kommt.
Für die sanften Klavierklänge haben sich Nickelback übrigens ein Multitalent namens Timmy ins Boot geholt. Der Junge kann sowohl jeglichen Hit der letzten Jahrzehnte von Led Zeppelin über Bon Jovi zum Besten geben, bringt aber auch die Klänge der weißen und schwarzen Tasten auf den Punkt. Auch er muss sich einiges von Chad gefallen lassen - der lässt es sich nicht nehmen bei den gewünschten Stücken mitzusingen - der Junge an den Tasten und der zwölfseitigen Akustikgitarre bekommt dafür aber auch seine "Timmy, Timmy"-Anfeuerungsrufe vom Publikum.
Wie er begonnen hat, endet der hitzige Abend mit mächtig Flammen, Lichtershow und mächtig was auf die Ohren. Eine Bühnenshow, die man sich als Fan von straightem Rock nicht entgehen lassen sollte.