"It's over, we have no more songs", mit dieser Lüge beenden die Engländer Good Shoes den Abend. Das ist in Ordnung, denn zuvor gab es eine Stunde lang großartige Gitarrenmusik zum Tanzen im Kellerklub in Stuttgart, der vor kurzem sein 3-jähriges Bestehen feierte.
Und davor auch - The Stud eröffnen den Abend. Für Sie ist das hier ein Heimspiel, dementsprechend gewillt sind auch die gekommen Fans um sich dem Sixties-Rock hinzugeben. Der Drummer prügelt sein Set von Anfang bis Ende durch, die Gitarren tänzeln nebenher, der Bass grooved mit und der auffordernde Gesang dringt durch - die Menge ist Ohr, ein Teil des Kellerklubs schon jetzt am Tanzen. Nicht verwunderlich also, das hier sogar die Vorband, die mit englischen Ansagen zwar verwirrt, aber sich somit stilecht präsentiert, zur Zugabe gerufen wird.
Es folgen Good Shoes aus Morden in London, die als eine Quintessenz aus allerlei britischen Bands und den ungestümen Strokes gelten könnten. Präsentiert wird das zweite, nüchtern betitelte Album "No Hope, No Future", die Songs vom ersten Streich "Think Before You Speak" fehlen aber natürlich nicht. So werden besonders die alten Perlen "All In My Head", "Morden" und "Nazanin" abgefeiert. Schnörkerlloser Indie.
Dabei fällt zwar auf, dass bei den Songs des neuen Albums einen Gang zurückgeschalten wird, es sich aber noch genügend Momente darauf tummeln, die das Feiern zulassen. Man nehme die Paradebeispiele "Under Control", das nach vorne drückt und "Then She Walks By" mit einem beeindruckenden, einnehmenden Gitarrenspiel. Ausruhen geht anders. "No Hope, No Future" bietet also wie schon "Think Before You Speak" eine großartige Mischung aus tanzbaren Riffs, einer präzisen Rhythmusgruppe und einem schmeichelnden, akzentreichen Gesang. Das ist Indie, schnörkellos und präzise.
Gitarrist Stephen Leach kniedelt sich durch das ganze Set, meist sehr darin bemüht und vertieft, eine feine Gitarrenmelodie nach der anderen rauszuhauen. Es gelingt. Faszinierend steht man daneben und ertappt sich beim mitwippen. Sänger Rhys Jones feiert dagegen den Abend, bedankt sich für die vielen Gekommenen und fordert immer wieder zum Tanzen auf. Die Menge kommt dem nicht nach, so geht Rhys Jones einfach immer wieder selbst in die Menge und bringt sie letzten Endes doch zur Bewegung.
Auch zum Abschluss, als er bei der einzigen Zugabe von der kleinen Bühne in die Menge hüpft, um sich auf Händen tragen zu lassen, nur um anschließend mit samt der Band abrupt von der Bühne zu veschwinden. Die Good Shoes sind fertig, der Kellerklub niedergetanzt - auf zur nächsten Stadt.