Gemütlich war es in den Räumen des Berliner Comet Clubs. Die überschaubare Besucherzahl war bei meinem Eintreffen entspannt plaudernd vor der Bühne verstreut, manche lauschten gnädig der namenlosen Vorgruppe aus Berliner Straßenmusikern, die gepflegten Schulbandcharme verbreitete und selig ihre James Blunt-Gedächtnissongs zum Besten gab. Andere fläzten sich nebenan in die Sessel und rauchten. Als ich mich so umsah, dachte ich, dass es so wahrscheinlich auf Treffen der Grünen Jugend aussehen musste. Da fiel es auch nicht schwer, sich von der gelösten Stimmung auffangen zu lassen, mit einem Bier in der Hand den Auftritt von Woods zu erwarten und seinen kognitiven Apparat auf die passende Frequenz des New Yorker Folk-Ensembles einzutunen, deren Musik einem überspannten Gemüt auch kaum die Hand zu reichen vermag. Aber dieses Konzert hätte wohl auch die Lage in Fukushima beruhigt.
Woods traten als Trio auf und ohne Schlagzeug, das auf der kleinen Bühne ohnehin wenig Platz gefunden hätte. Sänger und Akustikgitarrist Jeremy Earl entsprach ziemlich erwartungsgemäß dem stereotypen Bildnis des etwas verschrobenen und introvertierten, aber seltsam modebewussten Einsiedlerbarden. Versteckt hinter Mütze, Hornbrille und Vollbart verharrte er über die Dauer des Konzertes in beinverschränkter Haltung auf seinem Stuhle, erging sich in behutsamem Gitarrenspiel und sang seine kleinen Lieder. Mit dem Publikum wechselte er vielleicht drei Worte.
Natürlich muss ein Musiker kein Kabarettist sein, aber die bestehende Distanz zwischen Band und Crowd stahl dem Abend ein wenig die Intimität, auch angesichts der transportierten Wärme und Leutseligkeit der Musik von Woods nebst der räucherstäbchengeschwängerten Athmosphäre. Aber das ist nur mein Empfinden. Flankiert wurde Earl von einem E-Gitarristen und einem technischen Assistenten, der mithilfe von allerlei Gerätschaften und einem alten Sony Kassettendeck das Spiel der Anderen mit einer wabernden Klangkulisse umhüllte.
Die Songs, die die Band an diesem Abend vortrug, deckten den Großteil des Albenkatalogs ab, klangen mal folkig, dann wieder nach Surfrock. Immer wieder mündeten sie in improvisierte Psychedelikscharmützel, die aber nie wirklich ausuferten, sondern unter dem steten Eindruck vertrauter Folkheimeligkeit lediglich das Gefühl vermittelten, sein Blick hätte sich zu lang im Kaminfeuer verloren. Toll waren vor allem: Suffering Season und Death Rattles von der aktuellen Platte At Echo Lake sowie schließlich das ältere Be Still. Gegen Ende des Sets gab Earls Gitarre den Geist auf, aber glücklicherweise war schnell Ersatz gefunden, bis dann irgendwann das letzte Räucherstäbchen herunter gebrannt war und das Konzert nach etwa 70 tiefenentspannten Minuten zu Ende ging. Und wie so oft war der Heimweg von jenem Zwiespalt begleitet, der da entsteht, wo postkonzertale Glückseligkeit auf das Bedauern über das Ausbleiben des verdienten Erfolgs der geliebten Band trifft.