von Lukas Steimle
Überpünktlich betritt Josiah Wolf um 21 Uhr die Bühne der Schorndorfer Manufaktur. Die meisten potentiellen Zuhörer sind zu diesem Zeitpunkt noch mit Zigarette und Bier unter freiem Himmel am plaudern und so füllt sich der Konzertsaal erst nach den ersten Gitarrenklängen richtig. Josiah Wolf - ja, der Name ist kein Zufall, es handelt sich hier um den später Schlagzeug spielenden, älteren Bruder von Why? Sänger Yoni Wolf - spielt angenehme, leicht melancholische Singer/Songwriter Musik. Bei gelegentlichem Fußeinsatz scheppert die metallbehangene Drum den stimmigen Rhytmus dazu. Passend zum über der Bühne hängenden Plakat der Manufaktur ("we are ugly, but we have the music") wurde dementsprechend auch gleich noch Chelsea Hotel von Leonard Cohen gecovert, toll!
Beinahe ohne Pause kamen im Anschluss I Might Be Wrong auf die Bühne, um ihren durchdachten und teilweise düsteren Indie-Pop zum Besten zu geben. Die fünf sympathischen Berliner sorgten dabei zwischen den Strophen immer wieder mit percussion-, synthie- und gitarrenlastigen Instrumentalteilen für die passende Atmosphäre.
Kommen wir aber zur Hauptattraktion des Abends: Why?
Nach und nach kamen die fünf Kalifornier um Yoni Wolf in ihrem gewohnt locker-verplanten Stil auf die Bühne getrottet und nur wenige Momente später ertönten die ersten Klänge von These Few Presidents. Nun, was hat sich im Vergleich zu den letzten Auftritten in Deutschland verändert? Auf den ersten Blick nicht viel. Yoni hat ein paar neue, amüsante Tanzschritte gelernt. Ansonsten liegt die Veränderung hauptsächlich darin, dass es der Band gelingt, noch besser miteinander zu harmonieren, weshalb es sich auch als schwierig erweist, Einzelnes an diesem Abend besonders hervorzuheben. Denn Grund zur Kritik gab es nicht wirklich. Eine gut aufgelegte Band voller Spielfreude und Kreativität, eine tolle Mischung aus Stücken aller bisheriger Alben und ein abermals großartiger Klang in der Manufaktur machen deutlich, welch musikalisches Potenzial hinter diesen Herren steckt.
Sei es Yonis Stimme, die irgendwo ihren ganz eigenen Raum zwischen experimentellem Hiphop und Indie gefunden hat (ebenso wie die Musik selbst), interessant eingesetzte Background Vocals und tolle Klaviermelodien, oder das vielseitige Gitarrenspiel kombiniert mit einem akzentuierten, treibenden Schlagzeug.
Als die dritte Zugabe The Hollows und ein tosender Applaus verstummen, gehen die Lichter sehr gemächlich wieder an und es bleibt nur noch zu sagen, dass Why? es geschafft haben, die stimmigen Melodien ihrer Platten dem Hörer Live noch intensiver und eindrucksvoller um die Ohren zu hauen.