So geschehen auch am 15. September im Festsaal Kreuzberg, als neben den italienischen Ufomammut und Morkobot die Jungs von Ruins of Wyrd den Abend eröffneten und somit für bekannte Gesichter im Publikum sorgten.
Auffallend an dem Trio aus Dresden war, dass sie sich live noch einmal deutlich von den auf ihrer myspace-Seite zu hörenden Aufnahmen unterschieden. Stark kyussinspiriert spielten sie sich wacker durch ihr Set, was ganz nett und sehr im Bereich des Stonerrocks verhaftet war, aber nicht unbedingt aha-Momente bereithielt. Aber irgendwann gab es dann einen Punkt, an dem Klänge aufhorchen ließen, die stark in Richtung Postrock gingen. Mögen die etwa die Red Sparows? Stark waren dann auch die instrumentellen Parts, bei denen sich der Gesang zurückhielt und der Fokus auf dem Schlagzeug lag. Auf das kurze Set von gut 30 Minuten folgten dann Morkobot.
Bereits die Anordnung der Instrumente war sehr bezeichnend für das, was nun folgen sollte. Denn die Mitte der Bühne wurde von Effektgeräten in Beschlag genommen, während sich der menschliche Teil der Band um den Technikthron herum gruppierte. Dabei waren die zum Gesamterlebnis Morkobot dazugehörigen Videoprojektionen, für welche das Künstlerkollektiv Malleus verantwortlich ist, die visuelle Umsetzung von dem, was die drei Italiener dort mit ihren Instrumenten veranstalteten. Das Publikum wurde zugeballert mit Bilderfluten voller Strudel und verschwommener, rätselaufgebender Zeichenfolgen. Bestens passend zu den schweren, von Taktwechseln und Dissonanzen durchzogenen, chaotischen Klängen von Morkobot, die Noiseelemente mit Psychedelic, Postmetal und Heavy Rock durch den Fleischwolf drehen, um das Ganze dann anschließend mit einer Prise Sci-Fi-artigen Sounds aus anderen Sphären zu würzen. Es hat bestens gemundet. Auch wenn sich meine Geschmacksknospen zunächst an diesen Chaossound gewöhnen mussten.
Und dann betraten Ufomammut die Bretter des Festsaals. Die 1999 gegründete Band kann auf bisher sechs Alben zurück blicken, doch ihr im letzten Jahr erschienenes Werk Eve ließ die Musikpresse aufhorchen. Dabei fielen auch gern mal waghalsige Prognosen, wie die, dass dieses Album zur Legende in der Doom-/ Sludgesparte werden könne. Auf einer gemeinsamen kleinen Tour im Juli konnten Ufomammut dann die Sludge-Masterminds von Neurosis offenbar so sehr von sich überzeugen, dass vor einigen Tagen der Wechsel von Supernatural Cat Records hin zu Neurot Records bekannt gegeben wurde. Sicherlich wird dies eine neue Ära für die Band bedeuten, die zuvor viel in DIY-Manier selbst organisieren konnte.
An diesem Abend im Festsaal nahmen die atmosphärischen, dröhnenden und experimentierfreudigen Töne von Ufomammut gefangen, sofern man sich darauf einließ. Denn ihre Musik braucht Zeit.
Auch ihre Songstrukturen sind so weit entfernt vom Alltagsgeschehen wie ihre Platte Eve, die aus nur einem langen, sich langsam entwickelnden Song von 45 Minuten besteht.Die Projektionen, die ebenfalls auf die Kappe von Malleus gehen, zeigten Bilder der menschlichen Anatomie, von Aufnahmen der Iris bis hin zu einer Kamerafahrt durch die Gedärme wurde psychedelischer Biologieunterricht betrieben. Wie nett. Allerdings war die beständige Erinnerung an die eigene Körperhaftigkeit durch die Projektionen durchaus passend, denn Ufomammut live sind eine physische Erfahrung, die über das bloße Hören hinaus geht. Zu dröhnend ist der Bass, zu schwer wiegen die Riffs, als dass man sich mithilfe der durch die Halle wabernden, atmosphärischen Klänge ein Gefühl der Schwerelosigkeit vorgaukeln und sich in diesem verlieren könnte. Und wenn dies doch gelang, so war dies nur von kurzer Dauer, denn die ohrenbetäubend verstärkten Instrumente holten einen schnell auf den vibrierenden Kreuzberger Boden zurück.
Gespielt wurde eine Mischung aus ihren bisherigen Platten, so boten Ufomammut neben dem nahezu komplett gespieltem Eve auch ältere Songs wie Blind, Stigma oder Odio dar, welche von der Audienz begeistert aufgenommen wurden, sofern sich das am synchronen Kopfnicken messen lässt. Viele Worte machten die Italiener allerdings nicht und auch die Forderungen nach einer Zugabe wurden nicht erfüllt. Was in dem Fall aber nicht enttäuschend war, denn nach ihrem zentnerschweren, epischen Set war es dann auch genug der Zeitlupenriffs. Es kommt auf die richtige Dosis an, wenn man an dieser Band dauerhaft Gefallen finden will.