Es regnet in Strömen. Die Besucher, bewaffnet mit Getränk und bunten Regenschirmen, sind versammelt auf dem malerischen Marktplatz von Tübingen. Leider sind es noch viel zu wenige. Vielleicht schreckt sie noch der Regen ab.
Der Blick wandert über den Marktplatz. In den ringsum stehenden Häusern sitzen die Zuhörer in den geöffneten Fenstern und haben sich die Manegenplätze im Trockenen gesichert.
Das Festival eröffnet Olli Schulz. Musikalisch kreativ und mit viel Charme zaubert der Hamburger Songwriter ein Lachen auf die bereits grinsenden Gesichter bzw. fühlt auf den Zahn. Unter anderen mit 'Bettmensch' und seinem Hit 'Solange einsam'. Anekdoten zu jedem Song unterstreichen seine Botschaft, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen
"Tübingen ich muss euch sagen, ich mag euch – egal was alle anderen erzählen… Filmst du mich da mit deinem IPhone wie ein wildes Tier?!" um nicht noch ein paar zu nennen.
Der Höhepunkt ist womöglich der Spagat mit Gitarrensolo rücklings gespielt als Ode an Jimmy Hendrix.
Wenn jemand das Publikum bei diesem Wetter zum Lachen bringen konnte, dann war das Olli.

Vom Witz zu 'Melancholie', so eröffnet Gisbert zu Knyphausen seinen Auftritt.
Mit seiner treuen, alten Gitarre und begleitet von Jens Fricke steht er da. Erzählt den versammelten Zuhörern von Herzschmerz und dem Lauf der Dinge in klaren und sehr lyrischen Worten. Die Songauswahl war eine Mischung seiner alten und neuen Platte. „Man ist das Wetter scheiße, ist ja abartig“ murmelt er kurz ins Mikrophon und stimmt 'Sommertag' an. Beim letzten Song reißt eine Saite, ohne dem Sound einen Abbruch zu geben. Nach lautstarker Aufforderung für eine Zugabe, kommt er mit einem Lächeln zurück und verabschiedet sich kurz.

Von der Dramatik zu sonnigem Countryroad-Songwritertum. Lloyd Cole betritt die Bildfläche. Langsam dämmert es, es hat aufgehört zu regnen. Der englischsprachige Singer-/Songwriter spielt sanfte Balladen und eingängige Melodien und unterstreicht perfekt diese Stimmung.
"we don’t talk … so we drink spanish wine ... we feel fine.

Ezio dagegen rocken ausgelassen den Marktplatz. Ruhige und schnellere Songs wechseln sich ab und viele bewegen sich dazu im Rhythmus. Boogas Gitarrenspiel erinnert mich entfernt an Santana, was hier auch als Kompliment gemeint sein soll. Hingegen greift Ezio zwischenzeitlich zur Mundharmonika, die den letzten Schliff zum perfekten Roadsong gibt. Mitten aus dem Leben gegriffene Lyrics und eine schöne Performance von den Engländern.



Die Umbaupause zu Nada Surf überbrückt Olli Schulz nochmals auf der Bühne als Entertainer, in dem er einen ausgedehnten Witz erzählt.
Dann betritt der Headliner die Bühne. Dichtes Gedränge und Spannung.
Das Set wird zusätzlich mit live Trompete und Akkordeon unterstützt. Altbekannte Hits wie 'All Is Love', 'Blonde On Blonde' und 'What Is Your Secret?' werden von den gut gelaunten Jungs zum Besten gegeben.
Man könnte fast an eine Jamsession denken, welche die Amerikaner hier performen. Sie genießen sichtlich das Zusammenspiel auf der Bühne und den Blick über die romantische Kulisse.
Und Tübingen lauscht.

Danach riefen die kleinen Gassen Tübingens dazu auf, noch die lokalen Bands an diesem Abend zu sehen und diesen somit ausklingen zu lassen. Schwierig sich zwischen den vielen jungen Künstlern zu entscheiden.
Dies hätte noch gut einen zweiten Festivaltag in Anspruch nehmen können.
Ich mache einen Abstecher zu Hannes Orange ins Epplehaus, der mit viel Herzblut seine kleine Auswahl an Songs u.a. mit 'Weiss', 'Herr Müller', 'Wohlstandskind' und 'Roter Mund' an der staubigen Gitarre und den Drums vorträgt.
Kurz danach verschwindet er wieder hinter die Plattenteller, um mit einem Mix aus brandneuen und altbekannten Hits das Epplehaus in einen Dancefloor zu verwandeln. Das lassen sich selbst Nada Surf nicht entgehen. Yeah!
Fazit: Ein gelungenes Festival mit Ambition zu Größerem!