Tropische Ausmaße nahm das Zwölfzehn am 28 Juli an. Die Horrorpunker The Creepshow waren zu Gast und es war alles andere als gruselig. Eher bezaubernd. Oder auch Nass. Aber The Wetshow würde ja eher nach Quatsch klingen als nach handfesten Psychobilly.
Dieser Sommer ist wirklich grausig. Regen, Sonne und Sturm gaben sich ein kleines Tänzchen und schwupp-di-wupp hatte man ein tropisches Allerlei da draußen. Die Befürchtung lag nahe das es ein wenig heiß werden könnte im Zwölfzehn. Um kurz nach halb10 wollte ich mir dann mal ein Bild machen. Unter den Sonnendächern vor dem Club suchten gut 60 Leute Schutz vor dem Wetter um noch eine Runde zu paffen, während innen gerade die Koffin Kats ihr letztes Lied spielten. Moment mal… sollten die nicht um 21.30 Uhr erst anfangen? Tolle Wurst, aber nichts mehr dran zu rütteln. Neben 100% Luftfeuchtigkeit und ca. 41 Grad Raumtemperatur traf mich erst mal der Schlag wie verdammt voll es doch war im Zwölfzehn. Es ist immer wieder ein Rätsel das das Zwöfzehn entweder leer oder brechendvoll ist. Wie hier noch die anderen Leute reinpassen sollten, konnte ich mir nicht vorstellen. Egal, erst mal nackig gemacht und ab in den Pit zu The Creepshow.
Das die 4 Kanadier Spaß an ihrer Musik haben sah man schon beim Soundcheck. Keyboarder „The Reverend McGinty“ wollte erst gar keine Monitorboxen haben, Sängerin Sarah und ihr neuer Schlagzeuger jammten irgendwelche blödsinnigen Werbejingles und „Sickboy“ mit dem Kontrabass war ein wenig in sich gekehrt. Von 0 auf 100 ging es dann mit ihrem Intro The Sermon III los und die guten und gerne 250 Pschobilly Fans drehten durch. Innerhalb von 4,8 Sekunden war man (also ich) pitschenass. Wohl dem, der kurze Hosen trug. Keine 2 Lieder später rief Sarah Blackwood die Clothes Off Time aus. Die Herren sollten sich doch ein wenig entkleiden. Und wo wir gerade bei dem Thema Sarah Blackwood sind: Ja sie heißt wirklich so! Erstaunlich wie viel Power diese kleine Person doch hatte. Der gute Reverend schwitzte schon am ähm... also in der Gegend da unten zwischen den Beinen… während Sarah da noch nicht ein Schweißtropfen vergossen hat. Stimmlich war sie auch bestens drauf, damit alle Lieder mit einem glasklaren Gesang durch die Boxen schossen. Erstaunlicherweise hatte auch the new guy an den Kesseln, ziemlich was auf dem Kasten. Brutal exakte Spielweise.
The Creepshow schmissen ihre Tanzlieder ins Feuer und die Fans dankten ihnen es mit Jubel und Klatschen. Neben persönlichen Lieblingen wie Keep Dreaming und They All Fall Down wurde es mit Sleep Tight auch ein wenig romantisch, da lies Frontfrau auch mal ihre Kontrahenten links liegen und setzte sich zu ihren Fans runter. Das sich über 100 Leute gemeinsam hinsetzten erstaune mich sehr. Als dann aus dem Sitz heraus der nächste Pogo-Pit eröffnet wurde war ich überzeugt: diese Rockabilly Typen sind ein hammerhartes Partypublikum. Auch sonst wurde der Auftritt nie langweilig. Da flog in der Euphorie auch schon mal die Blackwood´sche Gitarre auf den Boden. Diese Gitarrengurte sind aber auch blöd.
Mit einem Querschnitt aus allen drei Alben und über 20 Liedern war die Show dann auch zu Ende, ohne sich aber noch mit 3 Zugaben zu verabschieden. Stuttgarter sind halt Nimmersatte. Schade das es wohl auf lange Zeit die letzte Europatour war.
