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The Chuck Norris Experiment im White Trash Berlin

von Sarah Neuhaus

Am 8. April spielten The Chuck Norris Experiment zwei Sets in der lauschig-gemütlichen Kitsch-Bar White Trash. Unter dem Motto Thank Fuck, it’s Friday lud der Veranstalter zu einem bunt-verrückten Abend, der neben dem Konzert der schwedischen Punkrockband The Chuck Norris Experiment ein hochkarätiges DJ-Sets inklusive Ganzkörpershoweinlagen zu bieten hatte.

2004 gegründet, haben The Chuck Norris Experiment mittlerweile sieben Alben herausgebracht, darunter vier Studioalben. Auf ihrer letzten im Studio aufgenommenen Platte Dead Central  (2010) setzen sie ihre Tradition des Kick-Ass-Rock fort und präsentieren raue Punk-Rock-Hymnen, in denen hier und da auch einige poppige Einsprengsel zu finden sind. Überraschungen findet der Hörer hier nicht, sondern die Band bleibt ihrer musikalischen Tradition treu. Momentan arbeiten die fünf Schweden nebenbei noch an einem Split-Album mit dem Stoner-Prügelknaben Nick Oliveri, bekannt durch sein Bassspiel bei KYUSS, Queens of the Stone Age und Mondo Generator.

 

Die Konzertlocation, das im Prenzlauer Berg gelegene White Trash, ist sowohl Bar, Restaurant als auch Tattoostudio. Das Publikum ist trinkfreudig und laut, die berliner Prominenz gibt sich hier die Klinke in die Hand, man kennt sich und es herrscht eine lauschig-vertraute Atmosphäre. Vor dem Auftritt der fünf Schweden konnte man der sich schminkenden Band im Männerklo begegnen, denn einen Backstagebereich benötigten die Musiker anscheinend nicht. Vielleicht war dieser aber auch für die Bengel von Samavayo reserviert, die durch das am gleichen Abend stattfindende Konzert in den Kellerräumen für einen kreischenden Mädchenmob vorm Eingang des Trashs sorgten. Egal, nicht weiter wichtig.

 

The Chuck Norris Experiment, die in ihrem Party-Punk-Rock irgendwo zwischen Danko Jones, The D4 und Gluecifer einzuordnen sind, spielten ihr erstes Set im gut gefüllten Restaurant, das vor lauter Chinalampions,  Barocktapete, goldenen Buddhas und Totenkopffigürchen nur so überquillt. Durch das vorher sorgfältig aufgetragene Make Up, bestehend aus einem schwarzen Balken um die Augenpartie, kombiniert mit den schwarz-orangen Showoutfits, war die Verwandlung zu einer backenbärtigen Ausgabe der Panzerknackerbande vollzogen. Die Band wurde vom Publikum ausgelassen begrüßt, hatte der Auftritt einer Burlesque-Tänzerin die Menge zuvor angeheizt.

 

Durch das treibende Schlagzeug und das Gitarrengeschredder, begleitet von gröhlendem Gesang voller Woohous und Yeahs , wurde die White Trash-Gemeinde von der Band schnell zum Tanzen gebracht. Mit Songs wie Saturday Night, Bullshit City, Psycho Man und Radio Sheriff präsentierten The Chuck Norris Experiment ihren partytauglichen Spaßrock.

 

 Der Sänger Chuck Ransom poste ordentlich in Rockstarmanier  ‘rum und griff sich pro gespieltem Titel gefühlte zehn Mal beherzt in den Schritt. Sein rauer Gesang erinnerte dabei gelegentlich an eine jüngere Ausgabe von Angus Young. Zwischendurch flirtete er mit dem Publikum und kreischte und jaulte teilweise mehr herum, als dass er wirklich sang.

Gegen Ende des ersten Sets ramponierte dann noch der Leadgitarristen Chuck Daniels sein Instrument und stieg mit neuer Gitarre während des nächsten Songs wieder ein. Allerdings nicht, ohne diese vorher kurz gestimmt zu haben. So gar nicht punkrocklike.

Das Publikum quittierte diesen kleinen Zwischenfall mit lautem Gejohle, die Band hatte sich bereits in die auftatowierten Herzen der White Trash-Besucher gespielt.

 

Wie bei so vielen Punkrockbands gilt auch bei dieser Kombo: The Chuck Norris Experiment sind eher Live- als Studioband. Das neueste Album  Dead Central  klingt aus der heimischen Stereoanlage zwar ganz nett, im Vergleich mit anderen Punkrockgrößen à la Turbonegro , Gluecifer oder den Hellacopters spielen The Chuck Norris Experiment aber eine Liga tiefer. Denn durch die häufigen Wiederholungen in den Songstrukturen beginnen die Platten der fünf Schweden schnell zu langweilen.

 

Live ist das allerdings gar kein Problem, denn durch das einstudierte Gepose auf der Bühne werden die Songs unterhaltsam präsentiert und die Gesamtperformance trainiert die Lachmuskeln. Die Band selbst scheint sich dessen auch durchaus bewusst zu sein. Sänger Ransom kommentierte seine Rampensau-Attitüde damit, dass die im Raum verteilten Monitore, welche das Bühnenbild auch in die hintersten Ecken übertrugen, ihn zu Höchstleistungen antreiben würden.

In der anderthalbstündigen Pause zwischen den beiden Sets versorgte das crazy DJ-Action-Duo  Inge Johannson  (Bassist der schwedischen International Noisy Conspiracy) und Mr. Psycho Jones das Publikum mit ihrem gelungen Mix aus Trash, Punk, Rock’n‘Roll und Popklassikern. Mr. Psycho Jones fiel vor allem durch seinen hautengen Ganzkörper-Catsuit auf, den er stilecht mit einem roten Superheldencape kombinierte.  Die Krawall-DJs verliehen den gespielten Songs ihre ganz eigene Note, indem sie Refrains schief ins Mikro trällerten, mit Tamburin, Kuhglocken, Ratsche und Cabasa Lieder begleiteten, oder mit Plastikknochen aufs DJ-Pult hämmerten. Dies allerdings ohne die mittlerweile ausgelutschte Bad Taste-Attitüde zu übertreiben. Denn tatsächlich hatte das, was die beiden Spaßvögel dort veranstalten, irgendwie Stil.

Schließlich tanzten Band, Publikum und eine der Burlesquetänzerin ausgelassen zu den Klängen der DJs, immer wieder angeheizt von den Showeinlagen des Psycho-Jones, der mit wehendem Cape auf Tischen und Treppengeländern tanzend herumkraxelte. Ein euphorischer Hippie-Opa bot zwischendurch „Space-Kekse“ aus seiner mitgebrachten TUPPER-Dose an, die ihm aber aus unerfindlichen Gründen kaum jemand abnehmen wollte.

Das Konzert von The Chuck Norris Experiment im Rahmen der Thank Fuck, it´s Friday-Reihe  gipfelte in einer riesengroßen Party. Ein gelungener, spaßiger Abend, an dem schließlich alle tatowierten und gepiercten Lederjackenträger Freunde geworden waren.