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The Builders And The Butchers im Schocken

von Markus Kollman

Was haben Maraike Amado, ein Eisbär in der Wilhelma und The Builders And The Butchers gemeinsam? Nach 900 Wörtern wisst ihr mehr.

Wie in Deutschland üblich wird zuerst einmal über das Wetter gemeckert. So auch hier. Arschkalt war es am 14ten Dezember als The Builders And The Butchers ihre Lieder im Schocken vorgestellt haben. Glatt und windig noch dazu. Kein Mensch würde bei diesem Wetter auf die Straßen, wenn nicht unbedingt notwendig. Nun kennt unsere Band aber das Szenario, stammen sie doch ursprünglich aus Alaska und so dürften sie sich über das Schneetreiben gefreut haben wie die Eisbären in der Wilhelma über die ersten Schneeflocken. Das ist vielleicht eine Erklärung warum The Builders And The Butchers zur Höchstform aufgelaufen sind, die kleine Beatbox im Schocken zum Kochen brachten und am Ende sogar noch eine Horde Fans umarmten, weil auch ihnen es so gut gefallen hat.

Aber der Reihe nach. Wollen wir mit der Vorband anfangen. Steaming Satelittes hießen sie und kein Mensch kannte sie. Das sollte sich nach dieser kleinen Vorstellung allerdings geändert haben. Denn bei einer Vorband ist bekanntlich nicht selten das Publikum lauter als die Protagonisten. Nicht so hier. Am besten kann man es sich so vorstellen: Wir schreiben das Jahr 2015; die Kings of Leon haben ihr 8tes Album auf den Markt geschmissen, dass erstaunlicherweise einmal mehr besser als der Vorgänger ist und spielen 10 Konzerte hintereinander in London in der eigens für sie errichteten KOL-Hall. Die 100 Millionen Zuschauer am Fernseher und die 100.000 in der Halle sind begeistert. Nach der Show im Backstageraum schauen sich die Followills an und wissen, dass sie alles erreicht haben. Sie wollen noch einmal in einem verschwitztem kleinen Raum auftreten, sie wollen die Leute noch einmal mit ihrer Musik und nicht mit ihrem Bekanntheitsstatus begeistern. Und so gehen sie zu Maraike Amado und die lässt sie durch ihre Zauberkugel in das Jahr 2010 zurückbringen. In das Schocken genauer gesagt. Und so stehen sie nun da als Vorband, den Look verändert, den Namen verändert,  allerdings mit dem gleichen Songverständnis und einer gesteigerten Spiellust. Kein Mensch kennt sie, aber das ändert sich in der halben Stunde. Selbstverständlich sind die 4 Jungs von Steaming Satelittes keine Kings of Leon – Zombies sondern kommen aus Salzburg und haben eine Show gespielt, die den Abend schon mehr als lohnenswert machte. Allerdings sind sie stilistisch sehr nah dran an den oben genannten und die Aufmerksamkeit hätten sie auch allemal verdient. Im April 2011 kommt ihre erste Platte raus. Wir dürfen sehr gespannt sein. Das müssen die Jungs aus Alaska erst mal überbieten.

Nach einer angenehm kurzen Umbaupause, die die Band selbst in die Hand nimmt und bei der man sich fragt warum manche Musiker zum einstellen ihrer Instrumente hundertmal länger brauchen, stehen  sie in dem kleinen schwarz gestrichenen Raum auf der Bühne und fangen ohne großer Worte an zu spielen. Man muss dem Veranstalter danken, dass sie die Band von der großen Bühne oben, wie es eigentlich gedacht war, runter in den Keller verfrachtete. Genau da gehören sie eigentlich hin. Gut, die Discolights auf der Tanzfläche und an den Wänden sind eher nicht der Musik entsprechend, aber stören tun sie nicht, denn die Blicke sind alle auf der Band gehaftet. Sie werden sozusagen angesaugt und bleiben an ihnen kleben. An den beiden Drummern, die erst im dritten Lied richtig aufdrehen dürfen. Dann allerdings richtig. Die 3 Toms verwandeln sich in Opfer ihrer harten permanenten Schläge; 4 Knüppel prasseln gleichzeitig auf sie ein und man frägt sich warum Bands nicht viel öfter zwei Drummer einsetzen. Zum ersten Mal bekommt man das, auf das man sich den ganzen Abend gefreut hat. Ungezügelte Spielfreude mit Hang zum Ausraster. Allerdings wird das Publikum nicht im Regen stehen gelassen, sondern man lenkt sie ihn Bahnen und nimmt sie mit.

Ebenfalls bleiben die Blicke lange an ihrem Seiteninstrumentkünstler haften. Tut mir sehr Leid für das dämliche Wort, aber wie soll ich sonst jemand beschreiben, der Banjo, Mandoline und ein mir völlig unbekanntes zitterartiges Instrument spielt sonst beschreiben? Da steht er also, in mächtiger Gestalt, nicht selten an einen Bären erinnernd. Es ist fast eine Farce, dass dieser große Bursche so kleine Instrumente spielt. Sieht man dann allerdings wie seine Finger über das Griffbrett rasen, versteht man und ist beeindruckt. Auch er driftet an geeigneter Stelle in die wilde Verspieltheit ab und sinkt in seine eigene Musikwelt. Das kann man sehr gut an seiner Kapuze erkennen. Je weiter diese in sein Gesicht runterrutscht, desto mehr befindet er sich in seiner Improvisationswelt. Dass dies nicht zu selten passiert muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen.

Und zuletzt natürlich der Frontsänger, der seine Akustikgitarre so hoch trägt, dass man ständig an Johnny Cash erinnert wird. Er lebt die Songs und haucht ihnen dadurch erst diesen Wiedererkennungswert ein. Eigentlich hat sein Gesicht nie seine ursprüngliche Form, sondern jedes Wort wird mit einem unterschiedlichem Gesichtsausdruck revidiert.

Und so tobt die Menge dann. Poger und genüssliche Augenschließer stehen und tanzen nebeneinander. Man lässt sich zum bescheuerten Mitklatschen überreden und fühlt sich noch nicht mal blöd dabei. Man möchte einfach dazugehören, zu diesen zotteligen Männern auf der Bühne. Und diese wissen natürlich mit so etwas umzugehen und spielen die Wunschlieder des Publikums.

Und so hat sich der kalte Gang ins Schocken also doch gelohnt. Zumal sich The Builders And The Butchers als Heizungen herausgestellt haben. Gemeckert wird wieder ein anderes Mal. Vielleicht wenn sie im Hochsommer in einem heißen Loch ohne Fenster spielen. Aber dann haben sie wahrscheinlich Schnee aus ihrer Heimat dabei und alle sind wieder glücklich. Einfach sympathische Kerle mit herausragender Musik. Was will man mehr.