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Foto: Thomas Blas
SEMF 2011 in der Messe Stuttgart

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SEMF 2011 in der Messe Stuttgart

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SEMF 2011 in der Messe Stuttgart

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SEMF 2011 in der Messe Stuttgart

SEMF 2011 Messe Stuttgart

von Markus Bur am Orde

Einmal viel Elektrobeats, mit großen Namen, cooler Messelocation, bassvibrierenden Beinen zum mitnehmen bitte...ach ja und mit viel SEMF oben drauf!

Irgendwie zu viel, zu groß und zu überdimensioniert stand in dem Vorbericht zum SEMF 2011 in der Messe Stuttgart und ich ahnte nicht im Geringsten welches Potential dieser Satz beinhaltete. Allerdings kann das gesamte geschriebene in den nächsten Zeilen nur unter einer bestimmten Prämisse betrachtet werden: ich dachte, und da war ich sicher nicht der Einzige, dass bei diesen Ankündigungen etwas ganz großes auf einen wartet. Ein Elektro-Disney-Land. Ein offener Mund, den man erst am nächsten Morgen wieder zu bekommen kann, weil so unendlich viel passiert ist. Ein, sich an den Ansprüchen messendes, Musikspektakel, dass für Ewigkeit in Erinnerung bleiben sollte. Wie ein zäher Kaugummi im Gehirn und wenn mal wieder Untanzbares in der Disco läuft, löst sich das klebende Etwas und es kommt der Gedanke zum Vorschein: ach, wäre doch nur jedes Wochenende SEMF. Das alles konnte jedoch nicht eingehalten werden und viel schlimmer, es ist das passiert, was nie hätte passieren dürfen. Das SEMF verwandelte sich in eine Großraumdisco, diese Tempel der konsumorientierten Musikmassenabfertigung. Zugegebermaßen ohne Liveacts, wenn nicht gerade D – G Promis durch die hintersten Dörfer ziehen. Denn diese hochkarätigen Größen der  Elektroszene hätten alles retten können. Doch gehen wir es von vorne an.

Nach einer gewissen Warterei, draußen im stürmischen Dezember, kam man im Eingangsbereich der Messehalle an und war direkt überfordert mit der Gesamtsituation. Wo soll man als erstes hingehen. Dieser Gedanke schoss einem allerdings nicht wegen dem Überangebot an Attraktionen durch den Kopf, sondern eher wegen den fehlenden und alles roch zu sehr nach Messeempfang als nach Musikspektakel. Doch nachdem man sich zu Recht gefunden hatte und man Festivalbesucher befragte, wo denn die verschiedenen Floors seien, hatte man einen gewissen Überblick. Etwaige Schilder, das sind diese Blechdinger mit Buchstaben versehen, hätten geholfen. Auch ein übersichtliches Programmheft. Doch Messehinweise wie Halle 1 oder 20 von 32 Seiten Werbung in einem Heft, dass sich Festival Booklet nennen darf, halfen nicht viel weiter und so war suchen angesagt. Als erstes wurde die Chill-out-Ecke gefunden und angesteuert. Echtrasen mit riesigen Sitzkissen und Hängematten wurden angeboten und auch im Laufe des Abends dankenderweise immer mehr angenommen. Eine unglaublich angenehme und lohnenswerte Idee, die gerade in dem Kontext und mit Palmen so toll funktionierte, doch nur weil man über dieser Wiese mit 2 Beamern einen , im Vergleich zur restlichen Decke, Briefmarkengroßen Himmel an die Messedecke warf, darf man sich noch lange nicht Open Air nennen. Die Idee ist natürlich grandios, doch mit diesem kleinen Himmelausguck, kann keine Atmosphäre geschaffen werden.

Noch gemütlich im tatsächlich auch echt riechenden Gras gewälzt fällt einem plötzlich auf, dass doch schon längst Uffie hätte anfangen müssen. Hat sie auch, doch der Ton und die Menschenmasse machen ihr einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Der Ton weil er nicht tut und die Menschenmasse weil sie nicht da ist. Etwa 50 Leute haben sich vor der Bühne mehr aus Langeweile als aus Interesse eingefunden und die bemitleidenswerte Uffie musste dann auch zugeben: that sucks! Doch wäre sie nicht bei Ed Banger, wüsste sie nicht wie man Party macht und so läd sie alle Tanzenden, unter den großen Augen der Securities, auf die Bühne ein mit ihr zu Feiern. Was dann auch kurzerhand funktioniert, doch rätselhafterweise will sich nicht mehr daraus entwickeln. Was zum einen am Eingreifen der Sicherheitsleute liegt, aber auch am fehlenden Interesse der Bühneneinnehmer, die einmalige Situation wahr zu nehmen und durchzudrehen. Mit dem grandiosen Tthhee Ppaarrttyy von Justice hätte alles so schön werden können. Doch der zu früh angesetzte Termin und die Gleichgültigkeit machten die Chance zum Schlamassel und Uffie war wohl selten glücklicher die Bühne zu verlassen.

Anna Gemina waren sichtlich glücklich ihre Musik einer breiten Masse zu präsentieren, auch wenn es nur im Raucherzelt war und der Großteil der Anwesenden mehr den Blick auf einen Glimmstengel als auf die Musik gerichtet hatte. Doch die Hingabe und die ungewohnten Klänge abseits dem großen Hallen-Bumm-Bumm konnten einige Tänzer aus dem Nebel auf die Tanzfläche befördern und durch die dichte Atmosphäre zwischen Künstler und Tanzendem entstand rückblickend zum einzigen Mal an diesem Abend etwas besonderes und unvorhergesehenes. Man hätte sich mehr solche Momente gewünscht.

Zurück auf der großen Bühne machten Laserkraft 3D den Schritt vom One-Hit-Wonder zur ernst zu nehmenden Größe. Ihre Bühnenperformance vom verrückten Keyboardspieler, ihre treibenden nach vorne preschenden Beats und die berühmten Smileys machten sie zum erfrischendsten  Act des ganzen Abends und mit ihren jungen Jahren heimsten sie dadurch zu Recht mit den größten Applaus ein.

Und irgendwie war es das dann auch schon von musikalischer Seite aus. Zwar konnte Markus Kavka mit seiner Version von James Blake nochmals Atmosphäre in die Halle zaubern, doch über mehr Schönheiten lässt sich nicht berichten. Auch weil Modeselektor alle Vorfreude auf die Headliner zerstörte und danach, leider auch nicht bei den eigentlich so großartigen Moonbootica, wieder eine ausgelassene Stimmung entstand.

Allerdings ließ die Location dies auch nicht zu. Wie schon anfangs erwähnt wurde mit viel geworben und dadurch hatte man ein Bild im Kopf welches sich zum Luftschloss entwickelte. Natürlich war die Stimmung gut, doch diese lässt sich dem unbedingten Willen zum Feiern und dem bezahltem Eintritt gutschreiben. Aber genau anders herum sollten solche Veranstaltungen funktionieren und leider wurde das angestrebte Ziel einen historischen Stuttgarter Partymoment zu kreieren weit verfehlt. Zu sehr war das sterile Messeambiente allgegenwärtig, zu groß die Mainstage ausgelegt, zu hoch die Erwartungen. So konnten keine überraschenden Momente erzeugt werden, erzwingen kann man sie schon gar nicht. Und so war trotz tollem Line-Up und gut gemeinter Idee zu keinem Zeitpunkt das Besondere, welches man erwartete hatte, zu spüren.