Meine Vermutung über den Verlauf des Abends: Es wird lustig und tanzfreudig.
Zweites wird nach einem ersten Blick in das scheinbar leere Franz.k eigentlich schon wieder voreilig verworfen. Doch man soll ja bekanntlich nicht zu schnell die Hoffnung aufgeben.
Barfuss, mit Hemd, Hut und Bier betreten die fünf Brüder des Santa Macairo Orkestars die Bühne und müssen ihr Publikum erst mal zusammenrufen. Das ist nämlich leider nicht so zahlreich und hat sich an die Bar und auf die Sofas verdrückt. Nachdem einer den Anfang gemacht hat, wagen sich aber doch die meisten vor die Bühne und das Franz.k wirkt gleich viel voller. Jetzt sieht es hier auch nach Konzert aus.
Während der ersten zwei Lieder sind wohl alle erst mal mit schauen und staunen beschäftigt. Jeder Fleck der kleinen Bühne im Franz.k ist belagert mit Geige, Zugposaune, Keyboard, Schlagzeug, Klarinette, Tuba, Kontrabass und noch mindestens fünf weiteren Instrumenten, von denen ich nicht mal alle Namen weiss. Die Pauke hat keinen Platz mehr gefunden, jetzt steht sie eben neben der Bühne. Ein Megaphon ist auch dabei, und fünf verrückte Franzosen, die ständig in Bewegung sind. Versteht sich aber von selbst, wenn jeder mindestes zwei verschiedene Instrumente spielt: Il faut changer les instruments! Pauke auf die Bühne, wieder runter, Kontrabass hier, Mundharmonika da, mal ist der eine Bruder am Keyboard, mal der muss der andere aushelfen. Zwischendrin wird getanzt, gehüpft und rumgealbert.
Genauso ist auch die Musik des Santa Macairo Orkestars: Ein organisiertes Durcheinander, der Sound irgendwo angesiedelt zwischen buntem Balkanpop, alternativen Folk- und Fanfarenklängen und einer Mischung aus Ska und Reggae. Die Stimmen gehen ein wenig unter bei den ganzen Instrumenten, oft erkennt man nicht ob in englischer oder französischer Sprache gesungen wird. Gesang ist das, zumindest beim Konzert, sowieso selten, eher eine Mischung aus sprechen, ins Megaphon schreien und schmettern.
Die Franzosen machen den Anfang, doch es dauert nicht lange bis der Reverend Krug sich zu ihnen gesellt. Der Bassist der deutschen Band Mardi Gras bb. passt irgendwie nicht ins Bild, welches die quirligen, lustigen und temperamentvollen Brüder auf der Bühne darbieten. Groß, mit Anzug und Hut wirkt er sehr ernst und seriös, doch als er sich das Sousaphon umlegt, bekommt das ganze eine Komik, die wieder ins Gesamtkonzept passt.
Sirtaki heisst das Stichwort des Abends. Zu diesem wird nämlich irgendwann aufgefordert. Nachdem die ersten Berührungsängste abgelegt wurden und das Santa Macairo Orkestar auf der Bühne die ersten Schritte und Sprünge des griechischen Tanzes vorgeführt hat, übt sich das ganze Franz.k im Sirtaki und nun endlich scheint der Knoten geplatzt zu sein. Es wird jetzt ausgelassen getanzt. Teilweise auch weitergesirtakelt. Die Stimmung wird immer lockerer und die Leute lassen sich anstecken von der Spielfreude und der Unbefangenheit, mit der die Franzosen die Bühne beherrschen. Doch das fällt nicht allen so leicht. Nebenan versucht ein Mädchen immer wieder ihren Freund zu mehr als nur-mit-dem-Oberkörper-wippen zu bewegen. Aber ich kann ihn gut verstehen: Es gehört schon Mut dazu, so übermütig und beschwingt zu tanzen, wenn keine Masse von Menschen vorhanden ist, in der man untergehen und verschwinden kann.
Doch den meisten scheint das zum Glück egal zu sein: Sie genießen die Musik und lassen sich gehen. Das ist beileibe nicht immer schön anzuschauen, aber macht ja nichts. Alle sind begeistert, haben ihren Spass und meine Vorahnung wird doch noch bestätigt. So soll´s sein.