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Foto: Thomas Blas / Michaela Bur am Orde
Retro Stefson im Schocken

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Retro Stefson im Schocken

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Retro Stefson im Schocken

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Retro Stefson im Schocken

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Retro Stefson im Schocken

Retro Stefson Pop.notPop Schocken

von Markus Bur am Orde

22:30 Uhr

Schocken

Man hat das Pop.notPop-Erlebnis des Jahres 2010 noch kaum vergessen, da stehen auch schon wieder die nächsten Isländer beim Schocken auf der Bühne. Kaum zu vergleichen mit FM Belfast und doch genauso energiegeladen. Wie oft wurde ich gefragt: Was machen denn die für Musik? Und jedes Mal wusste man nicht so Recht, was man antworten sollte. Wie kann man eine Band beschreiben, die in jedem Genre zu Hause ist und dieses auch noch perfekt beherrscht? Ich machte mir es einfach und meinte: Die machen alles außer Hip-Hop. Und selbst das kann man nach gestrigem Abend auch nicht mehr sagen. Somit lautet hier die allgemeine und offizielle Feststellung: Retro Stefson machen, dürfen und am wichtigsten können jede Musikrichtung.

Anfangs sieht das alles noch nicht ganz danach aus. Verunsichert durch die technischen Schwierigkeiten fliegen immer einmal wieder irritierte Blicke dem Mitmusiker zu und man kann die Schüchternheit förmlich spüren. Am Ende des Konzerts klettert der Bassist an den Geländern entlang, dass man sich ständig fragt wo er denn jetzt schon wieder gelandet ist, und spielt wohl als erster Musiker ein Lied auf der Galerie. Wäre das mit der Schüchternheit also geklärt. Und was ist mit dem Publikum, das am Anfang des Konzerts zwar brav mittanzt, aber dies wohl auch nur tut, weil die Beine schließlich irgendwo hin müssen. Am Ende des Konzerts rennen alle in einer  Wall of Death aufeinander zu und wollen hüpfen, tanzen und umrennen zugleich. Wäre das mit der Zurückhaltung auch geklärt. Was ist also in der Zwischenzeit geschehen. Wie konnte sich also ein normales Konzert, und ich traue mich es ja schon fast nicht mehr zu schreiben, mal wieder in einem enden, dass für viele das Beste des Jahres gewesen sein dürfte. Der ganz große Schlüssel des Erfolges steht am linken Bühnenrand und heißt Haraldur Stefánsson. Wie viele Bands können schon einen Entertainer ihr eigen nennen? Und weil er sonst nicht viel zu tun hat außer ab und zu auf seine Kuhglocke draufzuhauen, heizt er eben die Menge an, sucht den schönsten Tänzer im Publikum, gibt vor, dass sich alle hinsetzen sollen und startet mal eben eine Polonaise durch den Schocken. Dass die Musik diesem wilden Treiben in nichts nach steht, wurde schon anfangs erläutert. Und so folgen auf Africa-Beats Metal-Solis und auf Kindergartenkeyboardsynthies Pophits. So einfach geht Musik. Und auf dem Gipfel dieser Unfassbarkeit legt der ansonsten so gitarrenverliebte Frontsänger diese zur Seite und rappt mit seinem linken Nachbar, dass man spätestens jetzt einsehen muss, dass diese Band zu viele Talente hat. Doch es ist nur konsequent, dass diese junge Islandbande einfach nur Spaß haben will, sich nicht zu ernst nimmt und mit allen einfach eine gute Zeit haben will. Man könnte noch so vieles schreiben: über neu gelernte Tanzschritte, über den Spaß am Spielen, die sie schon nach 30 Sekunden zur Zugabe zwingt, über Erfahrungen ein Konzert völlig neu zu erleben und über eine Band, die nicht weiß wohin mit ihren Ideen und sie dann einfach in geniale Songs verstrickt.

Ab sofort dürfen beim Pop.notPop nur noch Isländer in den Schocken. Man scheint damit niemals falsch zu liegen.