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Sparowes

Red Sparowes im Berghain-Club Berlin

von Joscha Kollascheck

Noch immer ist es so, dass in der Hauptstadt hin und wieder eine Reliquie aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt wird. So auch am Abend des 30. Septembers, an dem am Ostkreuz mal wieder ein Blindgänger beseitigt werden musste. Konsequenz: Verkehrschaos in der Innenstadt, (unbekannte) Vorband Head of Wantastiquet verpasst. Aber halb so wild, man war ja der roten Spatzen wegen da. Und das sollte sich auch gelohnt haben.
Der Ort des Geschehens hätte passender nicht sein können. Das Berghain am Ostbahnhof, ein ehemaliges Heizkraftwerk aus den Fünfzigern, heute ein berüchtigter Technotempel in dem neuerdings auch Konzerte stattfinden, bot mit seiner kalten, industriellen Athmosphäre das angemessene Ambiente für die düsteren Post-Rock Epen der Red Sparowes.
Diese Seite könnte problemlos durch die bloße Auflistung der Setlist gefüllt werden. Dazu aber nur so viel: Zum Auftakt wurde The Sixth Extinction Crept up Slowly, Like Sunlight Through the Shutters, as We Looked Back in Regret von der 2005er Debutplatte At The Soundless Dawn ins Feld geführt. Die Sparowes bewegen sich musikalisch in ihrer eigenen Nische irgendwo zwischen Isis und Explosions In The Sky. Instrumentale Rockmusik nach dem üblichen Leise-Laut-Schema, athmosphärische Passagen werden brav von gemäßigter Brachialität abgelöst, Feedbacks und Delays im Überfluss. Aber sie sind einfach verdammt gut darin. Die Dramaturgien gehen auf und die Melodien sind zu mitreißend, als dass die Stücke in belanglosem Geplänkel versanden würden. Faszinierend auch, die Band bei ihrer Arbeit zu beobachten. Drei Gitarren, Bass und Schlagzeug in perfekter, wortloser Harmonie und ohne Geltungsdrang. Hätte der Drummer nicht zwischendurch den Takt vorgegeben, wäre ich wohl in dem Eindruck verblieben, einem Marionettentheater beizuwohnen.

Flankiert wurde das Konzert von pompösen Videoprojektionen. Bedeutungsschwangere Bilder wurden dort aneinandergereiht – Supernoven, Zellteilungen, wilde Natur und das trostlos Urbane, historische Ereignisse. Metaphern für alles und nichts, die dem Werk der Spatzen an Tiefgang verleihen sollte, die man in Verbindung zur Musik setzen konnte, wenn man denn wollte. Mit etwas Abstand betrachtet ist das natürlich reinster Post-Rock-Kitsch. Haters gonna hate. Dennoch hatte das alles irgendwie was und in Anbetracht der Konsequenz, mit der die Band diese Schiene nun mal bedient, gehört Pathos einfach dazu und bleibt auch nicht ganz ohne Wirkung. Die Kamera musste aufgrund der strikten Berghainpolitik leider am Eingang verbleiben, daher fehlt an dieser Stelle ein Zeugnis des angesprochenen optischen Spektakels.
Wie auch immer. Es wurden alle drei Alben der Sparowes gleichwertig bedient. Als Höhepunkte entpuppten sich dabei das flirrende Giving Birth To Imagined Saviors von der neuen Platte The Fear Was Excruciating, But The Answer Lies Within sowie der erste Song des Debuts, einer Blaupause vertonter Aufbruchstimmung. Fehlende Innovation und Prätentiösität hin oder her. Meinetwegen können die Red Sparowes genau so weitermachen. Ich werde sie wohl immer geil finden.