Schweden, oh Schweden! Die Hardcore Veteranen Raised Fist gaben sich am 11. Mai im Münchner Hansa 39 ein Stelldichein! Unter dem Motto "The Kids Will Unite And Bring You Fucking Down" wurde ein Hardcore Abend der Extraklasse zelebriert.
Time is passing by / This goes out to the Raised Fist survivors / And our friends who went to sleep
Es gibt Konzerte, die sind so krass, dass man sie nicht einfach am nächsten Morgen beurteilen kann. Ja nicht einmal in Worte fassen! Aber nun, nachdem ein paar Tage ins Land gezogen sind, kann man die Eindrücke zusammenfassen.
Das Hansa 39, welches neben der Kranhalle zum Gelände des Feierwerks gehört, liegt nicht so ganz im Herzen Münchens. Da muss man schon mal ein ordentliches Stück laufen. Aber das schreckten wohl die wenigsten ab, denn für ein Mittwoch-Konzert war einiges los im Club!
Die großartigen Hundredth aus South Carolina machten den Anfang. Auf den Promofotos wirkte Sänger Chadwick ein wenig wie ein Milchbubi, doch auf der Bühne war er der Mittelpunkt des Geschehens. Äußerst frontal ging er auf die wenigen Wagemutigen vor der Bühne zu. Da schnappt er sich auch schon mal den ein oder andren textsicheren Freund und sang mit ihm. Musikalisch gab es melodisch, emotionsgeladenen Hardcore der guten Sorte! Aggression und Melodie wechselten sich wie Tag und Nacht so das die 20 Minuten wie im Sturm vorüber gingen. Als Highlight gab es noch ein Lied vom bald kommenden Album Let Go. Ach ja, der Sound war natürlich Spitzenklasse! Und das aktuelle Album When Will We Surrender ist eine Kaufempfehlung!
Langsam wurde es im hinteren Teil des Hansas ziemlich voll, also blieb erst mal nur der Weg nach vorne. Zu Confession „verirrten“ sich 10 Leute im Moshpit, der Rest nickte im Hintergrund energisch mit. Musikalisch gab es hier brutalen Hardcore direkt auf die Ömme! Ein Beatdown reihte sich dem nächsten. Der Sound dröhnte saumäßig laut aus den Boxen und Frontmann Michael gab alles auf der Bühne. Ganze 30 Minuten dauerte das musikalische Massaker, bis die Australier Platz machten für Raised Fist.
Im Vorfeld stellte sich die Frage: Wer kennt denn eigentlich Raised Fist? Die alten Herren aus Schweden hatten es in letzter Zeit nicht leicht. Persönliche Verluste, Mitgliederwechsel und ein Asche speiender Vulkan machten es in den letzten Jahren nicht leicht Fuß zu fassen auf europäischen Boden. Doch ein rappelvolles Haus zeigt: Raised Fist möchte sich keiner entgehen lassen! Selbst aus Österreich und dem Norden reisten Fans und Freunde an um eins zu tun: Den größten und brutalsten Moshpit den ich je sehen durfte. Vorweg: Raised Fist ist eine Macht auf der Bühne! Ob sie nun Hardcore-Groove-Bomben wie Ignore Them All spielten oder es auch mal ruhiger und emotionaler zur Sache ging (Wounds): das Münchner Publikum war heiß auf die Schweden und zeigte das ihnen auch. Der ganze Pit schien außer Kontrolle zu geraten: Menschen flogen durch die Luft, andere drehten sich wie ein Wirbelwind und leider knallten einige auf den Boden. Den Abschuss bildeten allerdings die Stagediver, die es sich zur Aufgabe machten immer wieder in Unbeteiligte hineinzuspringen! Da landete auch schon einer mal direkt auf den Boden! Achtung: Bild Nr.18 zeigt die Gattung des Stagedivers in Aktion! Yeah!
Kommen wir zu Raised Fist zurück: Es gab ein Querschnitt der letzten beiden Alben wobei auch je zwei Lieder von Fuel und Ignoring The Guidelines den Weg auf die Setliste fanden! Der Sound war glasklar, was im Hardcore Sektor nicht immer selbstverständlich ist. Lichtshow wurde auch viel geboten! Seien es nun Stroboskoplichter, die das Publikum verwirrten, oder atmosphärische Lämpchen. Schön so was.
Nach knapp 50 Minuten wurde das wohl intensivste Konzert des Jahres mit Breaking Me Up beendet. Im Anschluss wurde noch der Merchandise Stand regelrecht geplündert oder Arm in Arm nach Hause gewankt.