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Rainald Grebeund die Kapelleder VersöhnungTollhausKarlsruhe05.06.2010

von Manuel Niedermann

Wenn Rainald Grebe mit der Kapelle der Versöhnung die Bühne betritt, dann sind das drei Herren in blauen Hosen. Markus, der Gitarrist ist durchgehend völlig unbeteiligt. Er lümmelt auf seinem Stuhl, schaukelt den Kopf im Rhythmus und blickt ungläubig zu Rainald, wenn der in seine Richtung spricht. Auch Rainalds Abfrage der Urlaubsbeschäftigungen seiner Kollegen lassen ihn kalt, sodass Rainald die Antworten selbst gibt. Markus hat also eine Geschäftsidee in Berlin verwirklicht und verkauft ausgesuchte Wassersorten in Schnapsglasmengen an die gut situierte Kundschaft. Derweil hat sich Martin, der Schlagzeuger, ein Gehöft zugelegt, das viel Geld verschlingt und auf das man im Laufe des Programms noch das ein oder andere Mal zu sprechen kommt. Martin wird etwas mehr eingebunden und übernimmt auch einen  Song über das Leben eines Steinzeitmenschen, der gar nicht zwingend in der Steinzeit gelebt hat, sondern in der Gegenwart eventuell auch noch seinen Platz hat.
Rainald selbst hingegen hat in seinem Urlaub nichts gemacht. Auf Anraten seines Arztes hat er ausgemachte Termine verstreichen lassen. Auch den mit der Oma, die so toll die sorbischen Eier bemalen kann, lässt er sausen.
Noch vor den Urlaubsgeschichten legt die Truppe einen furiosen Beginn des Abends im ausverkauften Karlsruher Tollhaus hin: Der Gitarrist setzt sich vorne auf zwei Bierkästen, Rainald stellt sich vor ihn und versucht erst seinen Kollegen, dann das Publikum mit einem Medley aus allerlei Fan-, Volks- und Evergreen-Melodien anzuheizen. Er wuchtelt und gestikuliert, hat sichtlich Spaß und kaum ist er bei "Was ist grün und stinkt nach Fisch" angelangt, sind die Karlsruher Besucher dabei. Und auch der Fotograf am Bühnenrand nimmt die Frage um welches "Käsblatt" es sich da handelt gerne hin, wenn die Antwort übers Mikrofon kritisch betont und mit großen Augen wiederholt wird.

Im Anschluss bietet Rainald an, dass gespielt würde, was verlangt wird, worauf die durch youtube.com bekannten Hits Thüringen, Ich bin der Präsident und Dörte gefordert werden. Er macht das dann auch, wieder mit weit aufgerissenen Augen, geht darauf ein, spielt die Stücke aber nicht zu Ende, sondern bricht an beliebiger Stelle ab, um entweder woanders weiter zu machen, oder eine komplett andere Absurdität einzubauen. Ein wenig zeigt sich der Fluch der Videos aus dem Netz, denn wer es schon kennt kann einfach nicht mehr so herzlich lachen.
Als Rainald mit Kinderstimme das Keyboard wechselt werden die Lacher aus dem Publikum trotzdem lauter und so mancher kämpft mit seinem Zwerchfell. So fordert er Herrn Schumacher, der sich auch um den Ton kümmert, auf, ein Schwimmbassin auf die Bühne zu bringen, das dann auch noch aufgepumpt werden soll, aber doch am besten mit dem Mund. Für elf Euro die Stunde, die Schumi dafür bekommt, kann er das schon verlangen.

Für die Besucher ist ein extra Rauchertisch vorhanden, damit sich die Herren auf der Bühne beim Rauchen nicht allzu alleine fühlen. Es finden sich dort während des Konzerts dann auch immer wieder Leute ein und genießen den besten Blick auf die Bühne bei einer Zigarette.

Nach der Pause wird es etwas zäh. Die Komik tritt hinter der Musik zurück. Die Ausflüge zu jazzigen Melodien zu echtem Blues-Sound hatte man vielleicht nicht erwartet. Es folgen jetzt auch ernstere Stücke über das ständige Unterwegssein und Reisen auf Deutschlands-Autobahnen. Kleine eingebaute Fitzeleien und fiese Anspielungen nehmen diesem Teil den ganz großen Ernst. Ein Stück über chinesische Besucher in der Wohnung endet abrupt mit dem Hinweis, die Menschenrechte ansprechen zu wollen.

Es ist schon spät geworden als die drei in der Zugabe in Badehose im Planschbecken Platz nehmen. Rainald Grebes kommendes Programm sollte man auf jeden Fall live erleben, dann aber ohne vorher im Netz die Hälfte schon gesehen zu haben.