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Sick Of It All

Sick Of It All (02)

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Blood For Blood

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D.R.I.

D.R.I. (1)

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D.R.I. (4)

D.R.I. (5)

Persistence Tour 2010 in der Filharmonie Filderstadt

Was ein Hammer. Ein Vorschlaghammer. Ein großer, keiner von den Kleinen. Sick Of It All, D.R.I., Blood For Blood, Unearth, Evergreen Terrace, Cruel Hand, Casey Jones. Die Persistence Tour 2010 rollte über Filderstadt.

von Stefan Haug

Schauplatz ist die Filharmonie, Kulturnabel der Filder. Ein ungewöhnlicher Platz für ein derart dreckiges und brutales Konzert mit Bands aus Metal und Hardcore. Man erwartet bei sowas eigentlich viel eher das nächste Kellerloch. Aber bleiben wir loyal. Musikalisch gesehen mag das zwar schon sein und wäre das so auch richtig, vom Bekanntheisgrad her sind die Meisten Bands des Abends den Löchern aber inzwischen entwachsen. Und finden sich so heute in der Filharmonie wieder. Also warum nicht, auf in den Kulturschock. Stehtische mit roten Tischdecken, darauf mit Bier gefüllte Plastikbecher, daneben zerrissene Schuhe und Hosen, schwarze Shirts mit bösen Aufdrucken, Frisuren in allen Formen und Farben. Bis heute wusste man ja gar nicht, wie viele es von letzterem tatsächlich gibt.

Doch zurück zum Thema - und das ist heute Musik. Und zwar keine leicht verdauliche. Casey Jones, Cruel Hand, Evergreen Terrace und Unearth werden allesamt leider verpasst. Die Filharmonie steht aber noch. Kann also so schlimm und brutal nicht gewesen sein. Oder? Evergreen Terrace konnten wohl tatsächlich nicht richtig überzeugen. Dafür hört man von Unearth, dass deren Drummer großartiges vollbrachte und es wohl ein Wunder sei, dass das Drumset die 40 Minuten auf der Bühne überstehen konnte. Verstecken sich also doch irgendwo ein paar Trümmer?

Falls ja, werden die nun gnadenlos und ohne jede Umwege vollends niedergerissen und platt gewalzt. Blood For Blood haben nichts übrig für Menschlichkeit. Hier gibt es sozialkritische Hasstiraden. Wütende Parolen direkt vom Boden. Das ist ziemlich brutal. Das ist unanständig asozial. Das ist aber schon auch geil und für viele der eigentliche Headliner, was schon während des Auftritts klar wird. Was ein Fest! Die Wasted Youth Crew feiert die Band wie keine andere. Darauf haben sie ja aber auch nunmehr sechs Jahre gewartet. So lange ist der letzte Auftritt auf deutschen Bühnen her. Die Band, die sich mit Biohazard Sänger Billy Graziadei an der Gitarre ein Tier zur Aushilfe geholt hat, welches auch auf der Menge spielend überzeugt, präsentiert sich in bester Verfassung. Sänger Eric Buddha Medina sieht zwar aus wie einer, gibt auf der Bühne dazu aber den White Trash-Prediger in seinem brutalstem Ausmaß. Bei Ain't Like You kotzt er sich richtig aus und stellt gutes Benehmen ein weiteres Mal beiseite. Der Pit dreht sich, die Menge feiert frenetisch. Blood For Blood haben heute alte Fans glücklich gemacht, neue gewonnen.

D.R.I., ausgesprochen Dirty Rotten Imbeciles, können zumindest letzteres nicht sicher von sich behaupten. Was Blood For Blood auf der Bühne leisteten, können sie nicht bringen. Erstaunlich wenige geben sich dann auch die auf den Punkt gespielten Hardcore-Kracher der vier alten Herren aus den Achtzigern, denen man anhört, dass sie da auch herkommen. Aber man muss zugeben, Serj Tankian Doppelgänger Kurt Brecht am Mikrofon und Band sind nicht untalentiert, sondern einfach zu unbekannt. Ein Paar treten sich dann aber doch noch gegenseitig vor der Bühne in die Beine und feiern die alten Heroen bis zum Ende - der Rest wartet auf den Headliner, wartet auf Sick Of It All.

Die werden ihrem Status mehr als gerecht und beweisen, dass sich auch nach über 25 Jahren noch einiges drehen kann. Besonders vor der Bühne. Aber auch darauf. Was ist das nur für ein abartig überdrehter Gitarrist da? Pete Koller der Name, selten so etwas gesehen. Sieht gefährlich aus, bewegt sich auch so und hat die Beine kaum stehen. Die Gitarre aber immer mit dabei und ein angriffslustiges Riff nach dem anderen parat. Der würde sich jedenfalls auch gut im Pit machen. Sänger Lou Koller findet sich immerhin immer wieder auf dem Wellenbrecher, nahe am Fan, nahe am Kollaps. Das ist ein Auftritt. Sick Of It All haben als Einzige einen eigenen Banner hinter sich, der in großen Lettern keine Zweifel am Headlinerposten lässt. Und auch endlich sind die gereckten Fäuste in der Luft. In der Menge, auf der Bühne. Die gehören zum Hardcore wie der Seitenscheitel zum Indie. Stagediver fliegen während die vier Hardcore Helden ihrer Wut Luft machen von der Bühne in die Menge, fliegen zu Boden. Am Ende findet sich nach dem geforderten Sturm der Bühne jeder der will oben. Runterspringen ist nicht, die ersten Reihen exisitieren nicht mehr. Sick Of It All wissen wie man ein Konzert beendet. Im Kellerloch hätte es das nicht gegeben.