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Nils Koppruch, das trojanische Pferd Röhre Stuttgart

von Manuel Niedermann

Nils Koppruchs neues Album gibt es seit August und es ist ein wirklich schönes. Caruso nennt es sich und hat nicht viel gemeinsam mit seinem Vorgänger. Denn diesmal liegt darin irgendwo ein bisschen Swing begraben, darüber etwas Pop, grundiert mit einer Art amerikanischem Blues-Stil.

Bevor es für den Hamburger zusammen mit Gisbert zu Knyphausen wieder auf Tour geht, bringt er seine Band nach Stuttgart ins zwölfzehn.

Dazu stoßen dann noch ein paar Österreicher, die ihre Formation das Trojanische Pferd nennen. Extravagante Musik auf die ich gespannt bin.

Das nächste Lied ist auch ein schönes

Eine Band namens das trojanische Pferd eröffnet den Abend. Der österreichische Dialekt muss nicht versteckt werden und auch nicht die Verkündung der guten und schlechten Erfahrungen der Jungs bei Stuttgarter Auftritten. Als es losgeht, sitzt der Cellist Hans Wagner so beengt, dass er mit der rechten Schulter fast ein hinter ihm stehendes Instrument umstößt und mit dem Ende seiner Gitarre einem neben ihm aufgestellten Lautsprecher gefährlich nahe kommt. Genau wie sein Spiel hat er das aber viel mehr im Griff als es den Anschein hat. Mit flinken Fingern huscht er  über das Cello, streichelt mal, hämmert dann so arg, dass kleine Fasern des Stabs reißen und an den Enden baumeln, die er zwischen zwei Stücken dann vollends entfernt. Auch für den Gesang ist er im Hintergrund sehr wichtig, wenn man bei Sänger Hubert Weinheimer mal wieder den Eindruck hat, er hätte eigentlich gar keine wirklich schöne Stimme.
Wien brennt mit ellenlang gerolltem R soll die Stuttgarter an ihren Protest erinnern, auch wenn sich der Sänger von seinen studentischen Protestzeiten längst verabschiedet hat.

Einen Übergang zwischen zwei Auftritten zu finden, fällt selten so leicht wie hier. Denn vielleicht hat sich nach diesem grandiosen Cello-Spiel manch einer an Stücke aus dem Caruso-Album erinnert gefühlt. Zu Recht, denn auch dort ist es Hans Wagner, der für die Cello-Begleitung verantwortlich zeichnet. Ich musste kurz weinen, dass der Gute nicht einfach sitzen blieb um bei Nils Koppruch noch eine Runde mitzumachen. Trotzdem spannt sich der inhaltliche und atmosphärische Bogen.
Neben den Songs des aktuellen Albums Caruso spielt Nils Koppruch mit Band auch Stücke aus den Fink-Zeiten. Hier und da auch Songs, die ich weder dem einen noch dem anderen zuordnen kann.
Einer seiner Begleiter, Oliver Stangl, bespielt die E-Gitarre und die "romantischste Gitarre auf vier Beinen", eine Pedal Steel Gitarre. Das ist wirklich wunderbar. Eine Haptik zum Verlieben, eine Hingabe wie Andre Rieu und liebevolle Bewegungen am ganzen Köper die zeigen, dass er sich gerade mit nichts anderem beschäftigt als dem Gefühl dieser Musik. Manchmal kommt er gar nicht hinterher mit Kabel umstecken, Gitarre stimmen oder wechseln und doch verpasst er keinen Einsatz und wenn doch, bekomme ich es nicht mit. Mütter dieser Erde, bringt euren Kindern dieses Instrument bei, legt es unter den Weihnachtsbaum oder tut sonst etwas. Sie werden es euch zu danken wissen.
Ganz nebenher kann dieser Mann auch leichtfüßig, blinzelnd und schwankend die zweite Stimme in Aussicht sein, die auf dem Album von Gisbert zu Knyphausen gesungen wird. In einem zweiten Song gefällt mir dieses Zusammenspiel noch viel besser und ich komme aus dem Staunen und süchtigen Aufsaugen nicht mehr heraus.
Der eindeutigen Aufforderungen Komm' Küssen haben die anwesenden Verbundenen nichts entgegenzusetzen. Verrückte Liebe ist mir etwas zu schnell, da gefällt mir die Albumversion besser.
Oft bilden sich die Texte aus sprachlichen Verwirrtheiten oder zumindest verworrenen Konstrukten à la "Ich weiß dass sie weiß dass ich weiß wie schnell der Sommer verstreicht" (Dass sie weiß) und "bis ich wieder weg bin, bin ich noch da und solang ich noch da bin nehm' ich jeden Tag" (Jeder Tag). Manchmal konzentrierte Poesie, manchmal banale Kundgebung.

Nils spielt eine lange Zugabe, deren erster Teil die tollste Zugabe bildet, die ich lange erleben durfte. Mit dem letzten Ton ist es Mitternacht geworden und ein schönes Konzert geht zu Ende.
Jetzt noch etwas Ärger loswerden, dann ist alles gesagt: ihr Stuttgarter, warum kommt ihr nicht in größerer Zahl wenn sich so ein Abend abzeichnet?