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MiniRockFestival2010Horb

von Stefan Haug

Seit jeher Garant für fantastische Bands, familiäre Festivalgefühle, satte Sonne, einfach großes Kino – das Horber Mini-Rock-Festival, in 2010 an neuem Standort und in seiner sechsten Auflage. Wer findet das bitte nicht geil? Besonders wenn man weiß, dass das hier Ehrenamtlich auf die Beine gestellt wird. Wir waren für euch alle drei Tage mit dabei.

Neckarwiesen Ihlingen, schön siehste aus. Ja doch, es ist wirklich nett hier. Die wundervolle Atmosphäre des Mini-Rock Festivals besteht auch an neuem Veranstaltungsort. Ein ideales Stück Natur direkt im Tal am Neckar. Was die Ihlinger schon lange wussten, davon überzeugen sich am Wochenende vom 05.08. – 07.08. insgesamt nochmal 12.000 Menschen mehr. So viele sind dieses Jahr angereist um ausgelassen zu feiern. Sei es auf dem Festivalgelände vor der Bühne zu Bands wie Fettes Brot, The Sounds, Life Of Agony oder Johnossi, im immer größer werdenden Partyzelt oder auf dem Campingplatz. Und das in 2010 schon ganz exzessiv vom Donnerstag an.

Donnerstag

Denn der Audiolith Pferdemarkt ist gekommen und bringt zur Preview-Party am Donnerstagabend mit Saalschutz und Frittenbude zwei Bands auf die Bühne des Mini-Rocker-Partyzeltes. Saalschutz, den ganzen Tag? Nein, so gibt es das leider nicht. Dafür eine gute Stunde lang hämmernde Beats mit melodiösem Gewusel und gewohnt getricksten Texten. Auf der Bühne großes Kino, auf dem Floor pubertäres Kräftemessen. Das ist schade aber muss wohl so sein.

Dies gibt es bei Frittenbude so nicht. Zu eng ist es nun vor der Bühne, Hände gehen in die Höhe, Füße auch. Mit "Hildegard" eröffnet der neue Audiolith Vorzeige-Act sein Set. Die Menge fest im Griff zelebrieren da drei junge Männer aus Bayern mehr als gekonnt ihre Version von Punk, Techno und Hip Hop.

Ruhmlos, zu früh und ohne die großen Songs "Mindestens In 1000 Jahren" und "Electrofikkkke" endet dann aber das Konzert von Frittenbude. Kurz vor Schluss des Sets zum Egotronic-Song "Raven Gegen Deutschland" wollen die drei gesangliche Unterstützung. Nur ein Mädchen lässt sich darauf ein. Dieses will aber gedrängt von "Ausziehen"-Rufen lieber die Hüllen fallen lassen als zu raven. Sexistische scheiße. Frittenbude sind weg. Fiasko. Die Menge polltert weiter, Sänger Johannes Rögner macht den Standpunkt nochmal klar und da kommen neben Leuchtstäben nun auch andere Dinge entgegengeflogen. Ende, Statement gesetzt – vom Plattenteller gibt es noch eine Runde Musik auf die Ohren. Ansonsten bleibt einem die Freude auf die Party auf dem Campingplatz und natürlich – auf Freitag.

Freitag

Der beginnt mit den lokalen Bands Accused Drug, Troelf und The Jerks. Dabei ziehen die Stuttgarter The Jerks am Meisten vor die Bühne. Die hatten zuvor auch den Campingplatz unsicher gemacht um neue Fans anzuwerben, hat funktioniert und so freuen sich Band und Publikum über ein erstes Highlight. Scumbucket sind anschließend zwar spielerisch auf hohem Niveu, doch im Line-Up leider irgendwie fehl am Platz. Das läuft bei The Black Box Revelation schon besser. Das schwedische Duo zelebriert am Abend seinen von Blues getränkten Garagenrock und stellt dabei einen Sound auf die Beine, den manch vierköpfige Band nicht hinbekommt. So gelingt es ihnen, die kleine Menge von anfangs verhaltenem Nicken zu ausgelassenem Tanzen zu bringen. Das geht mit Caliban direkt weiter.

Die sind wohl mit dem Vorhaben angereist, alles zerreißen zu wollen. So zermürbt der riesige Pit vor der Bühne den ein oder anderen. Knochen brechen und auch das Blut fließt. Caliban werden dem Ruf als härteste Band des Wochenendes mehr als gerecht. Das ist Metalcore. Das ist hartes Zeug. Sänger Andreas Dörner brüllt sich durch das Set, klare Parts werden höchstens von Gitarrist Denis Schmidt dazwischen geworfen. Mit der Portion an Härte können Life Of Agony nicht mithalten, die hier einen exklusiven Festival-Gig spielen. Doch das macht nix, das wollen sie auch gar nicht. Keith Caputo und Band sind bestens gelaunt und bringen mit ihrem alternativen Metal aus den Neunzigern auch einige ältere Zuschauer vor die Bühne. Mit "Love To Let You Down" findet sich nur ein Song des Comeback Albums "Broken Valley" aus 2005 im Set. Ansonsten besteht die Setlist vor allem aus Material des Klassikers "River Runs Red". Das freut die Fans - und das wiederum Band und Keith Caputo, der immer wieder versucht mit dem Publikum auf seine eigene spezielle Art und Weise Kontakt aufzunehmen. Da sind Gitarrist Joey Z. und Bassist Alan Robert eine Spur direkter, indem sie die Circle Pits konkret fordern. Mit "Underground" verlassen Life Of Agony nach mehr als einer Stunde die Bühne und machen Platz für den heutigen Headliner.

Das sind The Sounds. Mutig, ihnen einen Headliner-Slot zu geben, denn was ihnen noch fehlt haben Fettes Brot einen Abend später genüge. Hits. Doch, zum ersten Mal heute ist der Platz vor der Bühne schon vor Beginn hart umkämpft. Dichtes Drängen, jeder möchte sich aus nächster Nähe von den Live-Qualitäten der fünf Schweden überzeugen. Da hat sich wohl dann doch etwas rumgesprochen. The Sounds lassen sich dann auch nicht mehr lange bitten und heizen recht früh gleich mal mit "Queen Of Apology" ein. Maja Ivarsson gibt wie immer die Rampensau. Zum ersten Mal in der Geschichte des Mini-Rock-Festivals beherrscht zum Abend hin eine Dame die Besucher. Und das kann sie. Provokant stiefelt sie lasziv in zu engen Hot-Pants über die Bühne und singt mit Keyboarder Jesper Anderberg um die Wette. Mit "Seven Days A Week", "Tony The Beat", "Painted By Numbers" und dem einen jedem bekannten "Living In America" gibt es dann doch noch genügend Songs, die jeden zum Feiern einladen. The Sounds machen ihre Sache gut und bekommen dementsprechend mächtig Beifall als sie von der Bühne gehen. Der prall mit Bands gefüllte Freitag endet so mit zufriedenen und derbst zerrockten Besuchern. Für viele andere aber auch erst nach einer letzten Runde im Partyzelt.

Samstag

Der letzte Festivaltag beginnt mit der bösen Nachricht, das die schwedischen Hellsongs aufgund von Krankheit abgesagt haben. Nicht gut. Viele hatten sich darauf am Meisten gefreut. So wird es keine traumhaften Neuinterpretationen von Metal-Klassikern geben. Stattdessen beginnen die mit Talent und Aggression gesegneten The Haverbrook Disaster, die gefühlvollen Indierocker Kleinstadthelden, die mit Trompeten feiernden Dauergäste Yakuzi, die beeindruckenden The Blackout Argument wie auch die Stompin' Souls ihre jeweiligen Sets einen Slot später.

"What a nice landscape" – Sänger Thomas Carlsson von den Stompin' Souls kommt während des Auftritts seiner Band desöfteren ins Schwärmen. Im Gespräch erfahren wir, dass er, wäre sein Herz nicht im Heimatland Schweden verankert, nach Deutschland ziehen würde. Soll heißen, die würden wieder kommen. Und die würde man auch gerne wieder sehen. Mit einer ungemeinen Spielfreude reißen sie ähnlich wie The Black Box Revelation einen Tag zuvor die Menge im Laufe des Sets auf ihre Seite und liefern mit Songs wie "Two Birds" oder "Waiting For The Van" den perfekten Soundtrack zum Sonnenschein. Der hält heute in seiner ganzen Pracht zum ersten Mal konstant Einzug auf dem Festival. Und dafür gleich richtig.

Karamelo Santo passen da im Anschluss sowieso perfekt zum Wetter. Auf einem Festival lässt sich zu Ska-Musik in der Sonne sowieso am Besten tanzen. Der Spaß trieft hier nur so. Das kann man so laufen lassen.

Technische Probleme plagen Johnossi. Die Gitarre ist vom Ausfall nicht nur einmal betroffen. Umgeschlagene Mikrofonständer und ein am Ende zerschlagenes Schlagzeug sind das Ergebnis. Drei Alben zählen die beiden Schweden (ja, wieder Schweden!) John und Ossi, die Hits daraus füllen locker eine ganze Stunde verschwitzten Rock'n'Roll der auch vor ruhigen Momenten wie "18 Karat Gold" oder "Man Must Dance" nicht zurückschreckt. Und in den beiden Songs steckt wohl immernoch genug Dreck um nicht als Ballade durchzurasseln. Nachdem sie schon 2008 zu den großen gezählt hatten ist auch der Auftritt 2010 einer der Besten des Wochenendes.

Dann kommt das, worauf sich das gesamte Mini-Rock-Festival-Team schon seit März 2010 freut. Die fetten Brote aus Hamburg sind angereist und geben mit viel Show, hohem Unterhaltungswert und unzählig aneinandergereihten Hits einen würdigen Headliner. Doktor Renz, König Boris und Björn Beton wissen genau wie sie mit der Menge umzugehen haben. Routiniert wirkt das. Einstudiert. Ist es auch, zum Teil mit Sicherheit - doch das gehört wohl zu einem solch großen Act wie Fettes Brot dazu und stören tut es auch niemanden. Zum Wohle der Show, die mit "Emanuela" beginnt und in den Zugaben "Schwule Mädchen" sowie "Nordisch By Nature" ein Ende findet. Dazwischen gibt es all die anderen Songs wie "Lauterbach", "Erdbeben", "Jein", "Da Draussen", "Bettina, Zieh Dir Bitte Etwas An" und und und. Alles verpackt in ein neues Live-Gewand, was beim ein oder anderen Song dann aber doch schmerzt. Mit einer Verbeugung gehen die drei Brote samt Band um kurz nach Mitternacht von der Bühne und hinterlassen ein überwiegend beeindrucktes Publikum.

Das sechste Mini-Rock-Festival ist somit gelaufen. Jetzt geht es ans abrechnen. Nicht nur finanziell. Auch wie sich der neue Platz profitiert hat. Welche Meinungen gibt es - von Zuschauern, Helfern, Mitgliedern, Organisation. Dann geht es auch schon an die Planungen für 2011. Davor, liebes Mini-Rock-Team, aber noch eine Runde feiern, ab ins Partyzelt!