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Blackmail 1

Blackmail 2

Blackmail 3

Emil Bulls 1

Emil Bulls 2

GOTJ 1

Johnossi 1

Johnossi 2

Madsen 1

Mini-Rock-Festival2008

von Stefan Haug

Am 22. und 23. August war es wieder so weit, die rund 20 Organisatoren des Mini-Rock-Festivals in Horb schrien zur großen Sause und rund 7.000 Zuschauer über das ganze Wochenende hinweg folgten diesem Ruf.

Über der Bühne hinweg steigt gewaltiger Dampf auf. Schier unvorstellbar, dass dieser mächtige Qualm nur durch Escapado und ein paar wenig wild, jedoch klar zum Sound passend, tanzende Festivalbesucher stammt. Das Mini-Rock-Festival scheint während der Kieler Hardcore-Band, die harte Klangwände mit deutschen, immer wieder laut gebrüllten, Texten vermischt, ziemlich leer - vor der Bühne. Um den Festivalplatz herum und auf dem Campinggelände sind die vielen Besucher, die dem Festival am Freitagabend eine Besucherzahl von 3.000 Menschen beschert.

 

Bevor Escapado die Bühne betraten gaben sich bereits von Mittag bis Abend Heap Of Ruins, Hesslers, Claus Grabke, The Audience und Abuela Coca das Mikrofon in die Hand, wobei bei der Uruguayer Ska-Band Abuela Coca die meisten Festivalbesucher zum tanzen aus Ihren Zelten gekrochen kamen. Unterstütz vielleicht von der während des Auftritts leicht aufhellenden Sonne, die dem Festival den restlichen Tag über leider verwehrt blieb. Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch, gefeiert wurde nämlich auch ohne Sonne, das ganze Wochenende, wenn auch nicht immer direkt vor der Bühne.

Mit "Party With My Pain" startet das Set von Johnossi, welche nach Escapado als Co-Headliner die Bühne entern. Hits vom aktuellen Album "All They Ever Wanted", wie "18 Karat Gold" oder "Send More Money", und vom ersten Geniestreich "Johnossi", darunter "Execution Song", "Man Must Dance" und "Santa Monica Bay", folgen. Mit "Breed" gibt es auch eine Nirvana-Verneigung, welche den Zuschauern zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal begegnen soll. Während all den Songs schlägt Drummer Ossi auf sein Drumset ein, als gäbe es kein Morgen mehr. Sänger John stellt mit seiner Akustikgitarre währenddessen einen Sound auf die Beine, der überwältigend ist. Unvorstellbar, das eine Zwei-Mann-Band live einen solchen Sound produziert. "Zeppelin" beendet das Set und John und Ossi steigen zu einem eingespielten Herzschlag-Outro von der Bühne. Ein bleibender Herzschlag, der andeutet, das die Beiden noch einmal kommen werden und so gibt es dann auch noch drei Zugaben, von der ersten Band, die heute über 1.000 Zuschauer vor die Bühne zieht.

 

Volbeat, die Rockabilly-Truppe aus Dänemark, werden zum Abschluss des ersten Festivaltags Ihrem Headlinerstatus würdig und bieten eine solide Show mit der gewohnt lässigen, impulsiven Performance - nicht mehr, nicht weniger.

Der Samstag startet, wie der Freitag - nass. Das Wetter meint es nicht gut, doch die wenigen Besucher feiern auch im Regen die ersten Bands des Tages wie Begbie, die durch den gewonnenen Dooload-Contest am Festival teilnehmen, und die frischen Louis Lament. Zu den sympathischen Ghost Of Tom Joad verschwinden die dunklen Wolken. Die Band aus Münster überzeugt auf ganzer Linie und auch trotz des inmitten des Sets einsetzenden Regens bleibt die Menge vor der Bühne hängen. Hypnose? Eine Möglichkeit. Faszination? Eine Tatsache. Ein Set voller Hits, "Renegades Of Love", "Köln-Brüssel-Paris", "Learning By Dying" oder "Survivre n'est Past Vivre", alle Songs werden vom Publikum freudig entgegengenommen - die Band dankt dies wiederum mit netten Ansagen. Nach Ghost Of Tom Joad folgen Die Kleinen Götter, die eine kleine Menge Besucher bei starkem Regen vor die Bühne ziehen kann, im Kampf um Beachtung gegen den Regen aber verliert.

 

Nicht so bei Emil Bulls, die Band aus München steht bereits zum dritten Mal (nach 2005 und 2006) auf der Bühne des Mini-Rock-Festivals und sorgt zum ersten Mal an diesem Tag für ein volles Festivalgelände - und das zu Recht. Gestartet wird nach einem kurzen Intro mit "The Most Evil Spell" - erste Single des neuen Albums "The Black Path" und ein gewaltiges, hasserfülltes Monster, dass den Pit vor der Bühne rund laufen lässt. Mit "To End All Wars" wird ein zweiter Song des aktuellen Albums der Menge vor die Beine gekotzt. Neben weiteren neuen Songs befinden sich in der Setlist unter anderem natürlich auch "Newborn", das Live noch einmal einen Gang härter rüber kommt und der Publikumsliebling "Smells Like Rock'n'Roll", sowie eine Nirvana-Verneigung. Wie schon bei Jonhnossi am Vorbabend geben dabei auch Emil Bulls "Breed" zum Besten. Mit lautem Knall und jeder Menge Applaus räumen die Emil Bulls die Bühne und machen Platz für die Finnen um Disco Ensemble. Diese zelebrieren nach einer kurzen Umbaupause Ihren von Indie, Punk und Hardcore mit stark tanzbarem Flair, kommend von dem Keyboard das sich auf der Bühne befindet, angehauchten Sound.

 

Ebenso tanzbar, doch von den Zuschauern noch stärker gefeiert werden mit rund 20-minütiger Verspätung Blackmail. Der heimliche Headliner des Festivals spielt heute auf der Co-Headliner-Position. Doch die Mannen um Sänger Aydo Abay kümmert das recht wenig - das Publikum gehört von der ersten Sekunde an ihnen und schwelgt, tanzt, brennt mit zu all den Hits die sich seit der Bandgründung 1994 angesammelt haben im blauen Licht, das das ganze Festivalgelände von der Bühne aus in ein blaues Meer taucht. Vielleicht ist es dieses blaue Menschenmeer, das Sänger Aydo Abay inmitten des Sets dazu verleitet, sich auf der Menge tragen zu lassen, während er einen Song performt oder aus den willigen Zuschauern eine Wall Of Death zu bauen. Sicher ist jedenfalls, das Songs wie "Same Sane", "Moonpigs" oder "Shshshame" jedem ins Ohr gehen und noch einige Wochen auch an denen nagen dürfte, die Blackmail heute das erste Mal gehört haben.

 

Weniger schmeichelhaft, sondern eine Spur direkter beginnen Madsen Ihr Set - "Vielleicht" tönt aus den Boxen des Mini-Rock-Festivals und die Zuschauer, deren Zahl inzwischen auf 4.000 angewachsen ist, sind sofort dabei. Eine gereifte Band ist aus den Newcomern des Jahres 2005 geworden. Eine der großen deutschsprachigen Rockmusik-Hoffnungen. Mit Songs wie "Die Perfektion", "Du Schreibst Geschichte", "Nitro" oder "Verschwende Dich Nicht", bei dem zum wilden Pogo aufgefordert wird, rechtfertigen sie sowohl diesen Status als auch Ihren Headlinerposten. Nicht einmal ein "Madsen Sind Schwul"-Plakat in der Menge bringt Sänger Sebastian Madsen aus dem Konzept, sondern führt eher zu einer leicht schmunzelnden Unterhaltung, deren Verlierer klar der Plakatträger ist, da dieser wiederum sich nicht traut, auf die Bühne zu gehen. Madsen macht Spaß, sowohl zwischen als auch während der Songs - denn kein Song bleibt unangekündigt. Und als bei "Panik" der Countdown fällt, die Konfettikanone zündet, die letzten Hüllen im Publikum fallen und der Wellenbrecher kurz vor seinem Abbruch steht, scheint alles zu Ende zu sein. Doch Madsen kommen noch einmal zurück um mit Zugaben und dem letzten Song "Nachtbaden" die Menge ein letztes Mal zu fordern.

 

Danach ist Schluss, vor der Bühne - im Partyzelt geht's weiter, bis in die frühen Morgenstunden, dem Mini-Rock zu ehren und für viele steht spätestens dann fest, 2009 gerne wieder.