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von Manuel Niedermann

Selten war so viel Wahres an Gemunkeltem. Die neuen, unveröffentlichten Stücke wurden geboten. Auch der Überraschungsgast kam pünktlich. Soviel zu den unberechenbaren Dingen, der Rest bot weniger Überraschungen.

Lingua Loca in der Schräglage Stuttgart

Das Konzert beginnt mit den neun Musikanten im bekannten Sportlerdress. Über den darf man streiten, über die kombinierten Schuhwerksvarianten ebenso, aber da muss man nicht übertreiben. Für den direkt startenden Swinging Hip-Hop bin ich ein leichtes Opfer. Schönes Intro!
Und dann kommen die zwei für die Bühnenfront. Jetzt sind auch die Erinnerungen an meinen letzten Besuch vor zwei Jahren wieder da. Die beiden haben sich gleich gar nicht verändert, obschon zumindest derer Hälfte hätte am Sprechgesang feilen können. Oft bekomme ich von ganzen Strophen gar nichts mit. Den Refrain kann ich dann trotzdem immer feiern.
Ich weiß gar nicht, ob ich die textbefrachteten balladenartigen Stücke loben soll, weil da wirklich Ausgefeiltes dabei ist, fernab schnöder Liebeshudeleien. Oder das Lob lieber für die schnellen Spaßnummern, die für mich gerade wegen der neun Mann im Hintergrund funktionieren, die mit einer Leichtigkeit aufs Tempo drücken und die Stimmung aufdrehen, als sei`s der Lautstärkeregler.

Nach den ersten beiden neuen Stücken bin ich ziemlich überzeugt, dass es eine gute Platte werden wird. Es läuft das dritte neue - das ich dann etwas mühselig finde - als ich mich kurz für private Geschäfte zurückziehe. Einsam beim Händewaschen, ändert der laufende Song sein Bild in meinen Ohren. Weil in der schrägen Lage die Akustik des Keyboards plötzlich viel deutlicher ankommt, der Rest wie verschluckt auf der Strecke bleibt, finde ich auch daran gefallen.
Jetzt noch die beiden für den Rhythmus erwähnen, die ganz hinten, ohne Licht und ohne Sicht schlagend und trommelnd einen grandiosen Eindruck machen.
Schon hören sie pünktlich auf, Lingua Loca verabschiedet sich und begrüßt Kool Savages DJ, wie auch immer der Typ heißt. Was der dann auflegt, halte ich leider nicht lange aus und verlasse den Club, in den ich vor zwei Stunden unbedingt reinwollte.

Voll war`s ja nun nicht so richtig, da in der Schräglage. Stuttgart sollte trotzdem nicht darauf setzen, dass es die Jungs nochmal quasi nebenher, vor einem labbrigen DJ für nen Fünfer zu sehen bekommt. Deren Sprache wird sich verbreiten, die Tour wird es zeigen.