Laetitia Sadier nahm dich am 6ten Juni mit! Wohin? Völlig unwichtig, Hauptsache sie tat es.
Und so weiter, und so weiter…waren die letzten Worte, bevor ihre eigentliche Liveperformance zu Ende war. Natürlich wurde sie noch mit beschwingtem encore, encore zurück auf die Bühne manövriert, doch die Show, so wie sie bei ihr auf der Liste stand, endete eben mit diesen Worten. Wohlgemerkt auf deutsch. Damit sie auch jeder verstehen möge. Denn aus dieser kurzen Zeile lässt sich doch eine Menge ableiten. Was und wohin diese Reise gehen wird, werden wir gleich sehen.
Zunächst müssten noch die kurzen Fakten beseitigt werden. Zuschauer? Nicht gerade sehr viele. Das Schocken wurde nur ungefähr mit 40 Leuten geschmückt, die sich wild im Publikumsraum verteilten. Von Gedränge kann also keine Rede sein, und doch war die Luft von einer permanenten Hitze geprägt, so dass es nicht mehr viel bedurfte und das Schocken hätte als Sauna durchgehen können. Fakt zwei: heiß. Fakt drei war der spärliche Bühnenaufbau, der aber niemanden so recht beeindruckte. Wusste man doch schon vorher, dass Laetitia Sadier nicht viel mehr als ihre Stimme und Gitarre zu bieten hat. Fakt vier: schönes Kleid. Fakt fünf: viele Zwischenansagen. Fakt se… und so weiter, und so weiter.
Ja man könnte, was auch durchaus gängige Praxis ist, das komplette Konzert in Fakten aufteilen, analysieren, wieder zusammensetzen und als Ganzes betrachtet am Ende einen dicken Strich darunter ziehen und schlussfolgern: gut oder schlecht. Ganz so einfach macht es uns Frau Sadier da natürlich nicht.
Schon der Opener, der nicht selten dem Konzert die ganze Richtung weist, gerät zur Farce. Nahezu jeder zweite Akkord ist falsch gesetzt, falsch gespielt oder schlicht und ergreifend zur falschen Zeit eingestreut. Die Mimiken der Beobachter sind zusammengezuckte Gesichter und um welchen Song es sich dabei handelt, weiß schließlich keiner mehr. Doch die Grande Dame lässt sich davon natürlich nicht unterkriegen. Mit dem kurzen Zwischenstatement, dass dies ja auch eigentlich nicht der Opener sei und sie es wohl nicht noch einmal mit ihm am Anfang probieren würde, hat sie die Lacher und die dunklen Mimiken wieder auf ihrer Seite. Dabei geraten diese rettenden Ansagen zwischen den Liedern zum eigentlichen Highlight des Abends. Dies kann man als netten Nebeneffekt gutheißen oder man kann es als mangelnde Durchschlagskraft der Musik deuten. Diese ist dabei durchaus untereinander austauschbar. Was bedeutet, dass jedem Stück eine gewisse Eigendynamik fehlt. Immer mal wieder werden französische Stücke eingehaucht und auch ein wütendes Lied soll dabei gewesen sein. Hätte sie es vorher nicht angedeutet, man hätte kaum erraten, dass dies eine Abrechnung mit den Sarkozys und Berlusconis dieser Welt sein sollte. Das wiederum ist ja gerade die Stärke des Albums The Trip. Die einzelnen Lieder lassen sich eben nur schwer voneinander abgrenzen und geben dadurch dem ganzen Album ein Eigenleben, was mitunter in Zustände gipfeln kann, die man vor dem Hören nicht kannte. Man kann einsinken in The Trip und man kann mitgenommen werden von Laetitia Sadier. Am besten zu vergleichen eben mit einer Reise, die kein Ende zu haben scheint. Dies wiederum macht sie auch gleich als zweites klar. Nachdem sie eben den Opener grandios an die Wand gefahren hat. Doch The Trip gerät live in den Sog der Gleichgültigkeit. So frei, unbeschwert und aus einem Guss die Platte zu überzeugen weiß, so unglaublich schwer ist es nach fünf Liedern mit gleich kärglicher Instrumentierung etwas Neues zu entdecken. Aus Easy Listening wird Heavy Hearing. Nur ein einziges Mal funkelt wie eine Perle am tiefen Grund des Meeres ein Lied und will betrachtet und als einzigartig wahrgenommen werden. Es war nicht einfach, da die Woge der Wellen und die unruhige See es nahezu unmöglich machten es als selbständig wahrzunehmen. Doch gerade die Single One Million Year Trip kann überzeugen.
Ob man mit Laetitia Sadier eine Millionen Jahre unterwegs sein will, soll im Raum stehen bleiben. Doch dazu muss sie einen zuerst einmal packen und mitnehmen. Auf Platte kein Problem, da geht es weiter und weiter. Doch live geriet die Hauptsache zur Nebensache und so kann es nur heißen: und so weiter, und so weiter.