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Foto: Johannes Cremer
Dangers

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

Foto: Johannes Cremer
Death is not glamorous

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

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Death is not glamorous

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

Foto: Johannes Cremer
Good Time Boys

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

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La Dipute

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

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La Dipute

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

Foto: Johannes Cremer
Touché Amoré

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

Foto: Johannes Cremer
Touché Amoré

La Dispute, Touche Amore, Good Time Boys, Death is not glamorous und Dangers im Cassiopeia in Berlin

La Dispute, Touché Amoré, Death Is Not Glamorous, u.v.m. im Cassiopeia Berlin

von Sarah Neuhaus

Am 21. Juli warteten das Cassiopeia und der Veranstalter Soulstorm mit einem hochkarätigen Screamo- und Hardcore Line-Up auf. Neben Touché Amoré und La Dispute boten Dangers, Death is Not Glamourous, Goodtime Boys und Glasses im proppevollen Saal des Cassiopeias eine schweißtreibende Show.

Die Goodtime Boys bildeten einen gelungenen Auftakt des Abends. Im Gepäck hatten sie ihren im Januar erschienenen Erstling Are We Now, Or Have We Ever Been. Die recht junge Band überzeugte auch durch ihre Bühnenpräsenz, denn da gab es fast schon artistische Einlagen, bei denen das Mikrofon lassogleich durch die Luft sauste, der energische Gesang äußerte sich in Spuckwolken, die sich über den ersten Reihen ergossen und Sänger Dave Pecoraro rannte buchstäblich die Wände hoch. In Erinnerung blieb die Textzeile Try to remember, nothing has changed des Titels sleep, die Pecoraro eindringlich starrend ins Publikum brüllte. Die Songs der Goodtime Boys waren emotional, kraftvoll und von Wechseln durchzogen, so dass gerade noch die Kurve gekratzt wurde, um nicht allzu klischeehaft daherzukommen.

Das ist Glasses aus Deutschland leider nicht gelungen. Einzig herausstechendes Merkmal der deutschen Kombo war an diesem Abend die weibliche Frontfrau. Ansonsten waren Glasses wenig inspirierend und konnten mit ihren vorhersehbare Songstrukturen leider nicht dafür sorgten, dass sich mir die Band ins Gedächtnis gebrannt hätte. Zwischendurch gab es zwar gute Basslinien, welche Hoffnung auf mehr aufkeimen ließen, sich dann aber wieder im Sande des Gebrülls und den metalcoreartigen Gitarren verliefen. Dennoch kamen Glasses offenbar bei einem Teil des Publikums gut an und sorgten für einen bewegten Saal.

Die punkige Hardcorefraktion Death is not Glamorous ließ im Anschluss dann so etwas wie Partystimmung aufkommen. Der melodiöse Hardcore der fünf Norweger funktionierte im Rahmen des Abends sehr gut und gestaltete das Line-Up abwechslungsreicher. Dabei hüpfte Sänger Christian Medaas über beide Ohren grinsend von der Bühne ins Publikum und wieder zurück. Livekonzerte bereiten der Band sichtlich Spaß und ihre Spielfreude und gute Laune waren ansteckend. Genug Liveerfahrung sollten die Jungs auch haben, denn seit Jahren touren sie sich munter durch die Länder.

Darauf folgten dann Dangers. Das sind vier wütenden Jungs von der Westküste der USA, die genauso schnell spielen wie sie ihre Mitglieder wechseln. Die Truppe nimmt sich und ihre Musik sehr ernst, so dass auch Aufforderungen zu Circle Pits und ähnlichem nicht zu kurz kommen durften, was von der testosterongeladenen Cassiopeiameute leidenschaftlich umgesetzt wurde. Leider gibt es immer einen Haufen rücksichtsloser Prügelknaben, so dass auf deren Suche nach dem nächsten Adrenalinkick Brillen kaputt gingen, weil nicht alle schnell genug flüchten konnten. Doof.

Von Sänger Al Brown wurden dann im Sinne der Credibility auch noch Ansagen zu den Themen Veganismus, Weltfriede und das berlinprogrammatische „Fuck the Borders“ ins Mikrofon gebetet.

Wenn man allerdings über die Hardcore-Plattitüden hinweg sehen konnte, dann war das, was die Jungs am Donnerstagabend präsentierten, einwandfrei. Die schnellen Kompositionen rissen schnell mit und das Spiel voller Wut überzeugte durch die Aufrichtigkeit und Eindringlichkeit.

Pünktlich um 22 Uhr betraten dann die von der Musikpresse viel beachteten Touché Amoré die Bühne. Und legten sofort los mit ihrem schnellen, aufwühlenden Set, welches das ohnehin bereits verschwitzte Publikum mitriss. Ähnlich wie auf ihren Platten gleichen Touché Amoré live einer Naturgewalt, die aus dem Nichts anbraust, einen in die Tiefe reißt, in Höhen katapultiert und dann wieder abrauscht, um einen verwirrten Hörer zurückzulassen. Die neue Platte Parting the Sea Between Brightness and Me, sowie der Vorgänger  ...To the Beat of a Dead Horse wurden nahezu komplett gespielt, wobei das gesamte Cassiopeia verzweifelt mitbrüllte und das Mikro in den ersten Reihen umherging. Band und Publikum verschmolzen und teilweise standen so viele Leute auf der Bühne, dass die Band nicht mehr auszumachen war. Persönliches Highlight war daher auch And now it´s happening in mine, bei welchem der gesamte Saal folgende Zeilen herausschrie: I'll go to Morrissey to answer my questions, 'cause Ian Curtis has left me hanging!

Einziger Wermutstropfen war der etwas dünne Gesang, der zum einen soundtechnisch bedingt war aber auch an dem Jetlag der Kombo gelegen haben dürfte, für die sich Sänger Jeremy Bolm im Vorfeld entschuldigte. Überhaupt wirkten Touché Amoré sehr sympathisch und schienen überwältigt ob der Wellen an Begeisterung, die ihnen entgegenschlugen. Schön waren auch die Szenen am Merchandise im Anschluss des Abends, bei denen sich die Band und euphorisierte Besucher im Wechsel beieinander bedankten und eifrig Hände geschüttelt und Umarmungen ausgetauscht wurden.

Das Finale eines Abends der professionellen Schreihälse bildeten La Dispute. Neben dem 2008 erschienen Longplayer Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair  können La Dispute mittlerweile auf sieben EPs zurückschauen, unter anderem auch auf eine Split-EP mit Touché Amoré. Es handelte sich also um einen Abend unter Freunden, was von allen Bands auch immer wieder betont wurde, indem um Applaus für die übrigen Kapellen gebeten wurde.

Der Beginn des Sets von La Dispute begann etwas schwach, steigerte sich jedoch gegen Ende. Dies war aber auch durch die Running Order bedingt, die tornadogleichen Touché Amoré hätten wahrscheinlich besser als Abschluss des Abends funktioniert. Was aber nicht heißen soll, dass die Truppe aus Michigan nicht überzeugend gewesen wäre, denn genau das Gegenteil war der Fall. Die verzweifelte, melodramatische Stimme von Jordan Dreyer ging tief unter die Haut und klang als bräche Jordan auf der Bühne in Tränen aus. Die übrigen Instrumente betonten, ja rahmten seine Stimme geradezu. Die Vocalsverliebtheit der Band äußert sich bereits auf Here, Hear I bis III, auf denen eifrig mit Spokenword-Elementen experimentiert und Songstrukturen á la Strophe-Refrain-Strophe aufgebrochen wurden. Die einzelnen Titel haben mitunter Kurzgeschichtencharakter und sind gespickt mit Querverweisen und Zitaten von Albert Camus, Tom Robbins und Charles Bukowski. Großartig.

Auch die anfängliche Skepsis La Dispute als einer zu melodramatischer Liveband gegenüber wurde im Cassiopeia widerlegt. Die Intensität des Spiels und die behandelten Abgründe, die sich in ihren Songs auftaten, erzielen eine fast schon kathartische Wirkung. Eine Kur für gebrochene Herzen.

Und weil uns Kulturpeglern die Entwicklung von Touché Amoré, La Dispute und Death is not Glamorous brennend interessiert, werdet ihr in Kürze einen weiteren Konzertbericht auf diesen Seiten lesen können. Unser Redakteur Rene König wird am 29. Juli in Stuttgart zugegen sein, so dass wir dann einen einzigartigen Stuttgart-Berlin-Konzertvergleich starten können. Yay!