Da wurde der große Soundteppich ausgerollt. Karnivool aus Perth begeisterten am 11.12. mit hochwertigem, progressivem und alternativem. Down-Under im Universum Stuttgart.
Dazu gibt es dann zwar nicht The Intersphere, die ihren Auftritt leider streichen müssen, dafür aber immerhin doch Dioramic als Vorband. Die machen ja auch Krach für mindestens zwei. Hauen Gitarrenriffs aufeinander und tischen einem Genres auf, die nicht nur für zwei, sondern eigentlich sogar für fünf Bands genügen würden. Derart vielfältig kommen diese jungen Burschen aus Kaiserslautern um die Ecke. Da nimmt man das schon gut hin, dass es hier heute nur eine Band vor Karnivool gibt.
Schade nur, dass dadurch so mancher zum frühen Auftritt von den Australiern etwas zu spät kommt. Aber das ist weniger tragisch. Denn schon von der ersten Sekunde an, egal ob nun von Sekunde eins oder für die Zu-Spät-Gekommenden Sekunde neunhundertvierundfünfzig, taucht man ab in eine tiefe Klangwelt. Kopfkino an. Die neuen Songs aus Sound Awake bilden den Grundriss zum Soundtrack, ältere wie vom Debüt Themata werden aber nicht vergessen.
Anspruchsvoll und qualitativ hochwertig brechen Karnivool mit ihrem von Prog genährtem alternative Rock los und lassen so die Köpfe an-, die Herzen aufgehen. Was die da auf die Beine stellen erinnert oftmals an Tool, ist aber selbstständig genug, nicht als Kopie durchzufallen. Und Karnivool brauchen keine riesigen Leinwände um einen auf Reise zu schicken. Das hier lebt nur von der kraftvollen Musik von fünf ungemein talentierten Männern, die sich unter spärlichem Licht präsentieren. Kein Song sitzt hier im Set, der sich weniger als vier Minuten nimmt. Die Devise heißt vier plus, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Das hat an sich allein schon etwas sprituelles, wenn Sänger Ian Kenny dazu aber dann noch Mienen verzieht, die Arme schweifen lässt und mit dem Rhythmus schwimmt, dann ist nicht nur er eins mit der Musik. Dann sind das alle die dem Aufmerksamkeit schenken.
Immer wieder verschwindet seine klare Stimme im Effektgerät und tritt verzerrt nach draußen. Der Sound dazu ist laut, er ist klar - eine nicht derart oft vorkommende Kombination. In der Menge gibt es einen meditativen Allgemeinzustand. Kollektives Kopfnicken welches sich zum Bangen aufschwingt. Karnivool sind dankbar für all das hier, das betonen sie nicht nur einmal. Und man kauft es ihnen ab, so zwischendurch. In der Werbung. Bevor das nächste Stück wie New Day einen überall hinträgt. Über acht Minuten und keinen Moment langweilig. Sowas muss man erstmal komponieren können.
Beim abschließenden Change drängt sich die Band zum Drumset nach hinten, dass zu Ian Kenny noch wenige Töne rausdrückt. Er steht nur noch alleine vorne, mit einer akustischen Gitarre. Keine Miene. Er schwimmt nicht. Der Raum ist trotzdem gefüllt. Bis zum letzten Ton. Dann verlassen Karnivool unter lautem Beifall die Bühne. Man taucht wieder auf. Kopfkino aus.