Wenigstens habe ich jetzt einmal die neue Stadtbibliothek am Mailänder Platz von innen gesehen. Sie ist schlicht, wie der Blumenschmuck am Lesepult im Max-Bense-Forum. Hier hätte man auch die Beerdigung für einen dieser amerikanischen Filme drehen können.
Deshalb bin ich aber nicht hier. Ich warte auf die Lesung von drei jungen Stuttgartern. Alexander Tuschinski, einer von ihnen, führt die Anwesenden durchs Programm. Leider mehr schlecht als recht. Hätte er es für diesen Abend doch einfach dabei belassen, aus seinem Buch vorzulesen. Alles wäre nur halb so dramatisch geworden. Aber nein, um für ein wenig Abwechslung zu sorgen, setzt er sich an den schwarzen Flügel, der neben der Bühne blitzt.
Nun ist man das als Baden-Württemberger ja eigentlich gewohnt: Menschen die vor großem Publikum englisch reden, es aber nicht können. Der Unterschied: Die machen das meistens unfreiwillig. Wer zusätzlich nicht singen und Klavier spielen kann, der sollte nicht versuchen, eben diese drei Dinge zu vereinen und auf einer Bühne zur Schau zu stellen. Bis jetzt bin ich mir nicht sicher, ob er das mit dem Englisch ernst gemeint hat.
Erleichterung empfinde ich, als Ingeborg Wenger, 16-jährige Schülerin beginnt, ihre Gedichte vorzutragen. Sie wirkt bescheiden, was sie symphatisch macht. Als es zu Beginn um Aufstehen und Schule geht, stelle ich mich auf Kindergedichte ein. Dieser Eindruck rückt schon nach dem ersten Gedicht in den Hintergrund und verschwindet endgültig, als sie ihr Gedicht zum Thema "Krieg und Frieden" vorträgt.
Vielversprechend ist auch der erste Eindruck von Marc Bensch. Seine ruhige Stimme erleichtert das Zuhören ungemein und schön ist er, der Anfang seines Buches. Als er mit seinen Texten dann ins Schlüpfrige abrutscht, wäre das vielleicht nicht mal so schlimm gewesen, hätte nicht auch schon Alexander Tuschinski das Thema und sich selbst vollkommen lächerlich gemacht.
Der Abend war also gelaufen. Wirklich schade.