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Foto: Roman Heimhuber
Imaginary Cities

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Imaginary Cities Im zwölfzehn

von Markus Kollmann

Im letzen Tag des Januars wurde im zwölfzehn noch einmal gezeigt, dass sich der Winter mit kanadischer Musik einfach viel besser aushalten lässt.


Dieser Text war als solcher beim Eintritt ins zwölfzehn am 31ten Januar nicht geplant. Es sollte viel mehr ein Weckruf an alle Musikbegeisterten sein, ein Appell an alle die sich am Samstagabend zu Indie-Electro die Beine aus den Hüftgelenken tanzen, dann aber wahre, begeisternde Musik außer Acht lassen und in facebook weitere Verabredungen für das nächste Wochenende planen. Diese ungewohnten Töne kommen nicht von ungefähr, sondern haben sich schon seit dem letzen Montagskonzert von den Crackhuren angestaut und wenn nächsten Montag bei James Yuill wieder nur etwa soviel Besucher kommen, wie drei Leute an zwei Händen abzählen können, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass Stuttgart als Kulturstadt, wie sie sich doch so schön selber tituliert, noch irgendwelche Anregungen für unbekanntere Bands bietet hier ihre Bühnenerfahrungen zu machen. Deswegen ist es Radio Clash Entertainment auch umso mehr anzurechnen, dass sie noch Konzerte anbieten bei denen man Künstler entdecken kann und diese es auch dementsprechend zurückzahlen. Denn was ist bitte langweiliger als sich jeden Dezember von Motörhead die Birne beschallen zu lassen?! Man kann sicher jetzt schon wieder für dieses Jahr Karten bestellen. Nur, die Schleyerhalle wird ausverkauft sein, das zwölfzehn war zu einem Viertel voll.

Aber es wäre den Bands nicht gerecht wenn ich hier weiter Hasstiraden aufs Papier bringe, denn diese waren überwältigend. Selten schreibe ich über die Vorband bei einem Konzert; woran das liegt? Faulheit zum einen und zum anderen sind es auch nicht oft die herausragenden Momente an einem Abend. Doch letzten Montag war ein solcher Moment. Greg Macpherson steht zunächst alleine auf der Bühne und stellt seine Lieder vor. Diese sind auf den ersten Blick keine großartige Songwriterkunst, doch viel mehr als bei anderen Spielarten geht es hier um die (ich versuche das Wort so oft wie möglich zu umgehen, doch hier passt es tatsächlich) Authentizität. Und so entstehen große Momente, wenn er nicht in sein Mikrofon singt, sondern von diesem weggeht und seine Texte zum Publikum schreit. Am besten wäre es ohnehin gewesen, man hätte sich in einen großen Kreis gesetzt, dass hätte auch funktioniert, soviele waren ja nicht da, und Greg hätte mit der Akustischen seine Lieder ohne verstärkende Hilfsmittel raus gebrüllt. Doch auch so können sich die Lieder entfalten und unter großer Freude kommt er auf die Bühne zurück und gibt eine Zugabe bei der er gesteht, dass er oft nicht weiß ob er das Richtige tue, allerdings in diesem Moment genau weiß das es gerade das Richtige ist. Ein verdammt sympathischer Kerl, dem man ansieht wie viel Spaß er auf der Bühne hat.

Diesen haben auch Imaginary Cities. Zu fünft auf der Bühne stehend, ist allerdings klar um wen es sich bei dieser Band eigentlich dreht. So sind die drei Musiker im Hintergrund, jeweils am Bass, Schlagzeug und Keyboard verteilt, nur Bühnenbild für den Multiinstrumentalisten Rusty Matyas an der Gitarre/Trompete und der Sängerin Marti Sarbit. Diese ist mit ihrer Stimme sowieso der eigentliche Trumpf der Musik. Stimmen zu beschreiben stellt sich immer als eine äußerst schwierige Angelegenheit dar, doch ich will es mit einem Wort versuchen: entwaffnend. Wenn man ihr, aus welchem Grund auch immer, etwas Böses anhängen wollte, sie müsste nur ihren Mund aufmachen und anfangen zu singen, schon wäre alles vergessen. Wir waren doch schon immer beste Kumpels Marti, sing doch bitte noch eine Weile weiter. Dabei trifft sie bei weitem nicht immer alle Töne und muss sich in hohen Gefilden auch sehr anstrengen um an diese heranzukommen. Genau dies hört man auch auf der Platte und macht den Reiz einer Stimme aus, die nicht perfekt sein will, sondern, mein Gott schon wieder, authentisch. Doch auch eine außergewöhnliche Stimme braucht immer noch ein Songgerüst um das es sich schlängeln kann. Dieses baut der Mann neben ihr auf. Und diese sind so gekonnt und gegen jedes Erdbeben geschützt, dass man sich einfach darin wohlfühlen muss. Egal ob man sich dem Jazz hergibt als ob Nina Persson um die Ecke schauen würde oder die Trompete rausgeholt wird um neue Nuancen hinzuzufügen, alles passt und ist sofort im Ohr. Eine sogenannte Weiterempfehlungsband. Während man viele Platten für sich lieber alleine hören will, möchte man manche Bands jedem mindestens zehnmal an den Kopf knallen. Das funktioniert allerdings nur, weil man weiß, dass die Musik sofort im Kopf zündet. Einige Beispiele sind bzw. waren die Kings of Leon, The Whitest Boy Alive, Mumford & Sons oder eben Imaginary Cities. Und man merkt hier schon, dass die genannten Bands einen gewissen Bekanntheitsstatus haben. Auf diese Ebene sollten auch Imaginary Cities kommen. In einer gerechten Welt würde das wundervolle Hummingbird in jeder Radiostation fünfmal am Tag gespielt werden. Aber Imaginary Cities spielen eben nicht in der Porschearena und laufen auch nicht auf SWR3. Trotzdem wurde im zwölfzehn sofort jeder zum Fan von den beiden Kanadier, was man nicht nur daran gemerkt hat, dass sie so lange Zugaben spielen mussten, bis sie keine Lieder mehr hatten, sondern nochmals Hummingbird spielten; sie hätten es auch noch fünfmal spielen können. Man hat es auch daran gemerkt, dass der Merchandise-Stand nach dem Konzert nur noch karg bestückt war.

Alle die sich aufgemacht hatten, neue Musik kennen zu lernen wurden dafür belohnt. Darüber sollte man sich Gedanken machen.