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Hundreds Club Voltaire Tübingen

Von Kathrin Müller

Wie aus dem Nichts ertönt ein Beat aus Stimm-Loops, der nach ein paar Sekunden immer lauter, greifbarer und intensiver wird. Auf der Bühne meint man, von Nebelschwaden umhüllt, die Silhouette einer Frau erkennen zu können. Dann scheinen die Loops  sich wieder im Ungewissen aufzulösen. Ein vorbeifahrender Zug, der aus der Dunkelheit auftaucht und gleich darauf wieder verschwindet. Walking On Rails.
So eröffnen Hundreds ihren Abend.

Melancholischen Synthiepop und gefühlvollen Electro präsentieren Eva und Philipp Milner aus Hamburg seit April diesen Jahres auf den Bühnen in Deutschland. Einzigartig auf jeden Fall, die Art Musik zu machen: Ohne Schlagzeug, Gitarre oder Bass, nur Evas Stimme, Philipps sanfte Klaviertöne und verschiedene Synthesizer. Es wird erzählt, dieser Sound verzaubert, zieht einen in seinen Bann und sorgt für Liebe auf den ersten Ton. Mal sehen.

Das Konzert des Geschwisterpaars aus dem Norden ist ein Geheimtipp, der wohl schnell die Runde gemacht hat. So zieht es an diesem Donnerstagabend doch weit mehr als fünfzig Menschen in den Club Voltaire in Tübingen, der auf jeden Fall der richtige Ort für einen solchen Abend ist. Klein, gemütlich und familiär, aber auch ein bisschen verwinkelt und versteckt in der Altstadt Tübingens, sorgt er für die richtige Atmosphäre.

Die stellt sich auch schnell ein. Schon während dem zweiten Song Wait For My Raccoon merkt man: Hier stehen zwei Menschen auf der Bühne, die ihr Werk und ihre Musik lieben und leben. Alles ist aufeinander abgestimmt, Evas konsequent ausdrucksstarke Stimme, ihr Tanz zu den Beats, die Lichteffekte und Visuals,

die den Sound wunderbar unterstützen, ganz ohne davon abzulenken. We live in happy little boxes singt Eva, während hinter ihr an der Wand kleine Lichtboxen in unterschiedlichen Farben aufblinken.

Wenn man Philipps Klavierspiel lauscht und Eva dazu tanzen sieht, spürt  man förmlich die Geschwisterliebe und die Verbundenheit, die hinter der Musik und dem Erfolg von Hundreds stehen.
Man erkennt außerdem die Ehrlichkeit, die in den Texten des Geschwisterpaars steckt. Auf der Suche nach Geborgenheit und einem Zufluchtshafen sind Songs wie I Love My Harbour und Song For A Sailor entstanden.

Das Programm von Hundreds  ist eine gute Mischung aus spannungsgeladener Melancholie und tanzbaren Beats. Letztendlich überwiegen aber die ruhigen, textlich sehr anspruchsvoll und erstaunlich ausgeklügelten Songs, zu denen Evas Stimme so hervorragend passt. So gelingt es ihr mit den letzten beiden Liedern Let´s Write The Streets und Little Heart  den ganzen Club Voltaire durch ihrer Stimme auszufüllen und somit dafür zu sorgen, dass die Tübinger sich noch leicht benommen, aber auf jeden Fall überzeugt von der Besonderheit und der Harmonie dieser Musik auf den Nachhauseweg machen.