Pop, Idol-Pop, Holländischer Pop. So liest man es auf der myspace-Seite von Herrenmagazin. Ich verstehe das jetzt nicht, wollte es mir erklären lassen. Auf einem Konzert der vier im Stuttgarter Schocken.
Wo Musik gleich Leben ist, kommt sie oft aus Hamburg, so auch hier. Ich erwartete keinen durchorganisierten Auftritt, kein perfekt geschultes timing oder gar styling. Viel mehr hoffte ich auf eine überzeugende, willensstarke Darbietung. Und vielleicht trinken die Jungs anschließend noch ein Bier mit mir. Was daraus so wurde, kann man hier lesen.
Ihr müsst uns entschuldigen, normalerweise trinken wir Bier, aber heute ist alles umsonst
In vielen Konzertberichten liest man von Bands die Spaß haben. Bei Herrenmagazin ist es anders und geht darüber hinaus. Die sehnen sich danach ihre Musik zu spielen und ich beneide Frontman Deniz um die Möglichkeit mit schöner Regelmäßigkeit voll brüsker Inbrunst und ohne Rücksicht aus allen Rohren ins Mikrofron zu brüllen. Da bleibt kein Stückchen Aggression oder Unmut übrig, da lässt er alles von sich ab. Und sein Organ gibt das her und jeder Ton hält, auch wenn es nie nach einer ausgebildeten, trainierten Sache klingt. Beim Deutschland-Sucht-den-Superstar-Wahn würde das nicht weit kommen, aber wen interessiert das schon.
Es ist also nicht nur Spaß, sondern Therapie. Vielleicht auch mal für den ein oder anderen Hörer. Ziemlich absurd dabei auf die Idee zu kommen, sich ein Plätzchen am Rand zu suchen, zu beobachten. Viel sinniger ist es, wenn man einfach mitmacht. Wer sich dabei richtig (oder anders herum gar keine) Mühe gibt, heimst sogar ein Schnäpschen ein. Schön auch, dass es hier kaum um Liebes- und Beziehungskram geht. Vielmehr beschäftigt man sich mit Träumen, Ideen, Abgründen und Visionen. Und manchmal auch mit gar nichts, zumindest nichts wichtigem. Passend dazu werden die Gitarren mal heftig gedrillt, mal ruhig gestreichelt. Es kann richtig abgehen oder locker dahingleiten. Vor lauter guter Laune fällt es dann auch schwer bei der Ernsthaftigkeit der traurigen Stücke zu bleiben. Auch der Schlagzeuger freut sich so sehr, dass er seine eigene Arbeit schlecht redet und sich nett amüsiert gibt, als Fahne in dem Moment angekündigt wird, in dem die nächste Ladung Gin Tonic die Runde macht.
Am Ende will ich gar kein Bier, lieber die Platte und freue mich über kleine Bildchen, die man mir auf das Vinyl-Cover malt.