Manche nennen es cover, andere nennen es eine Neu-Erfindung von Bestehendem.
Die größten Größen des Heavy-Metals haben sie alle dabei, nur wird man sie nicht immer sofort erkennen. Und wenn eine Deutschland-Tour schon den Namen Axis of Acoustics trägt, ist ein näheres Hinhören schon drin.
Schön, dass es in Deutschland Menschen mit Ahnung von Musik gibt. So erklärt sich, wie die schwedische Band Hellsongs ihren Weg zu einem deutschen label fand: Tapete Records. Dazu passend führt die Deutschlandtournee der Truppe nach Stuttgart ins Universum.
Lounge-Metal - eine riesige Nische und trotzdem kaum besetzt. Die Hellsongs erfinden zwar keine neuen Texte, liefern aber umso mehr musikalische und melodische Glanzleistungen. Es ist gar nicht allzu lange her, dass Hellsongs in Stuttgart ein Gastspiel gaben und obwohl das neue Album noch nicht erschienen ist, wollten viele Besucher das bestehende Repertoire live erleben.
Nach den ersten beiden Songs "Breaking the Law" und "Seek and Destroy" ist klar, dass Sängerin Siri Bergnéhr anders klingt als die Stimme auf dem Album, zu dessen Zeiten sie noch nicht Frontfrau der Hellsongs war. Nicht ganz so glasklar ertönen die Tracks aus "Hymns in the key of 666". Dennoch sind sie in dieser Besetzung längst eingespielt und der Spaß den die Vier haben schwappt direkt über auf den Bühnenrand. Auch die Verstärkung durch die zweite Gitarre macht Sinn und sollte nie mehr fehlen, ich freue mich auf mehr davon in der kommenden EP. Siris großartige Bühnenpräsenz und ihr unbeschreiblicher Tanzstil machen sie einzigartig. Sie trägt meine Schuhe und dazu Madonnas Outfit aus deren jungen, wilden Jahren. Sie lässt sich ein Lächeln ins Gesicht zaubern, als das Publikum sie direkt zum Intro von "Thunderstruck" gemeinschaftlich mit lautstarkem Summen fast übertönt. Spätestens jetzt stand für Gitarrist Kalle Karlsson fest, dass die Stuttgarter sich vorab heimlich zur Pre-Party trafen, um die Songs einzustudieren. Tatsächlich erlebt man es wohl nicht allzu oft, dass die Stuttgarter Hörer sich derart mitreißen lassen. Live überzeugt das Keyboard noch weitaus mehr als auf dem Album, auf dem es eine untergeordnete Rolle spielt.
So wird der Iron Maiden Track "Run to the Hills" zu einer derartigen Hymne, dass die Zuhörer andächtig und chorgleich mitsingen. Ich sage, dass sollte in jedem Martin Luther King - Film zum Soundtrack werden.
Wenn es das jetzt gewesen wäre, worüber zu berichten lohnt, würde man es ein gutes Konzert bezeichnen. Aber die Hellsongs bringen auf Teilen ihrer Deutschland-Tournee noch Sarah Noni Metzner mit, so auch für den Abend im Universum.
Nachdem man nach den ersten Sekunden noch denken könnte, was jetzt kommt sei nicht gut genug, dass es für die Sängerin für Schuhe und ein Instrument reicht. Ein dummer Gedanke. Eine Gitarre soll zwar später noch zum Einsatz kommen, doch die braucht es gar nicht für das, was Sarah mit ihrer Stimme und den eingesungenen Loops anzustellen weiß. Großartige Poesie liegt in ihren Texten, vorgetragen mit gefühlsechter Passion. Dann schaltet sie die Loops aus und führt den Song über in eine Art poetry-slam. Jedes Wort nimmt man ihr ab, in jeder Bewegung steckt das Mitgefühl.
Ende Mai wird diese Frau wieder in Stuttgart sein und beim Silent Friday an den Start gehen. Wer das ein zweites Mal verpasst, kann glatt nach Hause gehen.