21:00Uhr
Galao
Das Galao hatte von sich aus eigentlich schon den Exotenbonus eingesackt. Nicht die beste Lage und dann auch noch ein Musikact der nichts kostet, aber dennoch einiges verspricht. Hannah Curwood machte sich samt Band, was in diesem Fall eine Pianistin war, von dem beschaulichen Neuseeland auf den langen Weg nach Stuttgart um dort Schmusemusik zu machen. Musik zum Schmusen also, oder Musik zum dahinschmelzen oder einfach Frauen-Gitarren-Pop.
Ganz so einfach war es dann doch nicht in eine Schublade zu stecken. Das Galao erwies sich trotz seiner kolonialen Lage als Anziehungspunkt für Musikbegeisterte. Ein Unhold wer denkt, dass es mit dem kostenlosen Eintritt zu tun haben könnte. Selbstverständlich einzig Hannahs Musikverständnis wurde anerkannt und gehuldigt. Im Sitzen. An Tischen und Stühlen mit Kuchen und Wein. Das war das Konzept. Kann man als Sitzender gut finden, wenn man es gemütlich haben will und sonst nichts groß vorhat. Als umtriebiger Pop.notPoper ist das zusammen mit der Lage nicht unbedingt der erste Anlaufpunkt. Umso schöner, dass der Besitzer von draußen Gäste persönlich nach innen geleitet, die schon glaubten keinen Platz mehr zu finden.
Die nächste Kuschelrock 23 wird auch wieder ohne Hannah Curwoods Musik auskommen. Warum? Es liegt allein am Bekanntheitsgrad. Ansonsten könnte man sie wunderbar in die Welt der Schmusepoper reindrücken, wenn man denn Lust dazu hätte. Der erste und eigentlich auch einzige Aufreger ihrer Bühnenpräsenz war die Wahl ihres Instruments. Nicht eine akustische Gitarre, sonder eine elektrische baumelte da um ihren Hals. Was die da macht? Nicht passen! Zu dieser Musik, und so wurde sie auch in den moos-und farnbewachsenen Wäldern im Kiwiland auch sicherlich geschrieben, gehört eine klassische, akustische, nicht zu laut angeschlagene Gitarre. Wunderbar untermalt mit einem Piano, einer Geige, die erst seit dem Soundcheck dazugekommen war, und ihrer hohen, zerbrechlichen Stimme. So kannte man sie auf Platte und die elektrische wurde soweit nach unten gedreht, dass man dies auch annehmen konnte. Rilo Kiley winkte mal kurz aus Kanada zu, wenn es wieder ruhiger und die Frequenz in die Höhe geschossen wurde, Oasis pöbelten bei ihrem zweiten Stück vorbei, als die elektrische Gitarre zum einzigen Mal ihr Dasein rechtfertigte. Und an diesem Stück durfte, dann auch die Geige ran und das Piano auch. Man hatte ja auch so leckeren Kuchen gerade am Tisch, wieso passt dann auch nicht ein gemütlicher Schmusesong. Umtriebig wie wir waren und mit eigentlichen recht eingängigen schönen Gitarrenohrwürmern verließen wir das Galao und machten uns weiter in die Stadt, ins Epizentrum des Pop.notPop, in das Herz des tanzwütigen Volkes, hin zu Retro Stefson, dachten wir zumindest…