Nachdem das erste Album furiose Erfolge feierte, ist Gisbert zu Knyphausen jetzt mit dem zweiten Werk "Hurra! Hurra! So nicht." am Start. In Karlsruhe besuchte er das Tollhaus. Darauffolgend sieht der Plan zwei Auftritte in Saarbrücken vor.
Irgendwo zwischen Phillip Poisel, Rainald Grebe und Niels Frevert, da passt Moritz Krämer hin, der Gisbert zu Knyphausen auf der Tour begleitet. Seine Stimme ist nicht das, was man hervorheben muss. Es sind die Texte, die Geschichten erzählen und mit Witz und Charme von der Alltäglichkeit ablenken und ins Surreale treiben. Wenn er von der Mitbewohnerin eines Freundes singt, kann man jedes Wort nachvollziehen, jeden Vergleich gut finden. Das er das alles mit dieser mal schwächelnden, mal erstarkenden Stimme umschreibt und umrahmt, vollendet das kurze Konzert. Fest steht: es wird Zeit, dass es davon mehr (und Neues!) gibt.
Als Gisbert zu Knyphausen und seine Band auf die Bühne treten geht es gleich los, sodass eine Gitarre noch während des ersten Stückes gestimmt wird. Eine ausgedehnte Begrüßung bleibt aus, ein kurzes Hallo muss reichen. Das Konzert beginnt wie auch das Album mit "Hey", mit dem sofort alle Ohren und Augen nach vorne gerichtet sind. Der Mann, der da singt, sieht müde aus und gibt das auch später zu. Einige wären da wohl ganz gern dabei gewesen am Abend davor. Von den Zuhörern lässt sich Gisbert weder beeindrucken noch beeinflussen, auch die aufdringlichen Einladungen zu einem Tanz prallen an ihm ab. Man ist ja hier auch nicht auf einer Party, sondern es geht um bedrückende, tiefschürfende Musik. Und trotzdem, wer mitsingen will kann das tun und so manches Stück fährt durchaus in die Beine. Doch das alles geschieht ohne Anerkennung von der Bühne.
Zu seiner Gitarre, ziemlich verbraucht und verschrammt, scheint Gisbert eine besondere Bindung zu haben. Auf ihr prangt schwarz auf weiß ein großer Aufkleber: Musik ist scheisse. So mies ist das dann gar nicht, was es zu hören gibt. Mit den richtig guten Tracks des ersten Albums gelingt es ohne Mühe, die Menge mitzunehmen auf den Grat zwischen Schwermut und Wohlbehagen.
Die Band mischt die Songs von neuem und altem Album, spielt sie nacheinander, ohne Gerede dazwischen. Die einzigen Pausen entstehen durch das Umstimmen der Gitarren und auch diese Ruhe wirkt überlegt. So lässt man sich tragen, es funktioniert. Die Abmischung der vier Gitarren und die Lichttechnik dagegen wirken uneinig, aber wen stört das, denn dreht man sich vom Bühnenrand um, blickt man in viele verträumte, sehnsüchtig funkelnde Augen, die jede Bewegung des Mannes auf der Bühne aufzusaugen scheinen, die Köpfe die dazu gehören liegen fast schon auf ihren Schultern, die Oberkörper drehen sich mit dem Rhythmus.
Hier und da zitiert Gisbert sich in den neuen Stücken selbst, überhaupt ist die Ähnlichkeit zum Vorgängeralbum groß. Doch der für mich stärkste Track des neuen Werkes "Kräne" geht dabei etwas unter. Schade.
Am Schlagzeug wird derweil Präzisionsarbeit verrichtet. Da wird geklopft, geschnipst, gestrichen und gekratzt. Man hat fast den Eindruck der absoluten Deckungsgleich mit dem, was man zu Hause auf dem Album gehört hat.
In der ersten Zugabe verkündet Gisbert mein persönliches Ergebnis mit "Seltsames Licht": So wie es war, soll es nie wieder sein, so wie es ist, darf es nicht bleiben [...] wir sehen uns wieder ganz bestimmt, irgendwann.