Wir werden nun einmal um Island reisen. Ob mit Auto oder auf dem Rücken eines Pferdes ist dabei nicht von Bedeutung. Wichtig ist nur, dass man es einmal auf der Ringstraße rundherum schafft. Wir werden in Reykjavik starten und über Höfn und Akureyri wieder in den Heimathafen einschippern. Was wir dort so erleben und was FM Belfast damit zu tun haben? Nun ja…
Wir schreiben den 22ten November 2011 und es herrschen einmal mehr kalte und stürmische Wetterverhältnisse in einer Stadt, die sich durch ihre rauchenden Erdressourcen und ihrer vitalen Musikszene einen Namen gemacht hat. Es hängen tiefe Wolken beinahe bis zum Boden und durch Umrisse hindurch, können wir dick eingepackte Gestalten des Weges ziehen sehen. Musik dringt durch die Luft und wir wanken dem ersten Lied entgegen. Im Club und können wir froh sein, dass uns die 5 Isländer von FM Belfast auf der Bühne in ausgelassener, ja schon beinahe überschwänglicher, Stimmung begrüßen. Die Töne der Frontmänner sind höher als die der Frau, wobei sie kann ja auch nicht singen, und die beiden Rhythmussektionen am Laptop und an den Guggenmusik-Kuhglocken können ja ohnehin nichts falsch machen. Und so dringt als Erstling Frequency durch den Raum und man ahnt schon wieder: Das hier heute Abend könnte heiß werden. Allerdings geht die Reise nun weiter immer der Hauptstraße 1 entlang, vorbei an dampfenden Rohren und kargen Höhen, von der Hauptstadt nach Selfoss, wo man sich auf einmal nicht mehr so gut auskennt. Und so geraten die Lieder, die man nun nicht mehr in dem Club hört sondern in der Luft umherschwirren, auf nicht mehr so regen Anklang. Das neue Album scheint diesen unsichtbaren Lauf nicht zu haben. Auf ihrem Debut lief ein Lied in das andere über und die Bässe rissen einen förmlich auf die Tanzfläche. Allerdings ist in Selfoss der Boden nicht zum Tanzen geeignet und die neusten Stücke wollen nicht so recht zünden. Dies bemerken FM Belfast und katapultieren uns ohne Umwege auf den Eyjafjallajökull und Par Avion explodiert in der Menge. Alle schreien lauthals mit, werfen sich auf den Boden, nur um wieder brüllend und hüpfend aufzuspringen und bewegen sich in einer dichten zähen Masse vor der Bühne umher. Knallkörper schallen durch den Raum, dichter Konfettiqualm verdunkelt die Sicht und tiefe, grollende Tieftöner lassen den Boden wie bei einem Erdbeben vibrieren. Nass von der Hitze und schon sichtlich angeschlagen macht man sich im Süden an Gletschern vorbei, in die Ostfjorde. Dort wird man schon wütend mit dem ausgestrecktem Mittelfinger empfangen. Fuck you/ I won‘t do what you tell me. Und man will möglichst schnell wieder verschwinden von dem kargen Ort und der unfreundlichen Begrüßung. Auch sonst sind hier eher wenige Gesichter zu sehen, doch dringt man tiefer ein, in die sich einschneidende Küste und die hohen Berge, merkt man plötzlich: hier passiert besonderes. Und so wissen FM Belfast mit Tanzeinlagen, einem rappendem schwergewichtigem Schlagzeuger und jeder Menge Party-mit-Klatsch-Aktionen zu überzeugen. Gar nicht so hässlich hier und doch müssen wir weiter der Straße folgen. Wir haben schon so viel Zeit verloren, dass wir die Nacht durchmachen müssen: I don’t want to go to sleep either macht den Myvatn oben im Norden zu einer Partyhochburg und funktioniert um einiges besser als das ebenfalls neue Vertigo. Man hat den Anschein als rauscht der Großteil der neuen Lieder wie ein Wasserfall an einem vorbei und man befindet sich schon wieder im Anflug an den Startpunkt.
Reykjavik. Runtur. Underwear. Drei Wörter, die einen wissen lassen, FM Belfast werden noch mal alles auffahren und jeden im Saal klein kriegen. Was sich bei der Zugabe Underwear auf der Bühne alles abspielt, kann als Kurzprogramm der gesamten Show durchgehen. Singende Männer in Unterhosen, eine schwitzende Meute vor der Bühne, durcheinander gewürfelte Kinder- und Euro-Pop-Lieder, die plötzlich im eigentlichen Song auftauchen, wilde isländische Ekstase in einem Partyhaufen.
Diesen Schlussakkord hatte man sich lange aufgespart und nicht immer war die Stimmung so angenehm ausgelassen wie am Ende. Doch so funktionieren Reisen, manchmal befindet man sich oben, manchmal ganz unten mit den Gefühlen. Doch immer ist einem klar, man hat etwas Einzigartiges und Besonderes erlebt. Eben wie ein FM Belfast Konzert.