Groß geworden mit dem New Metal lassen die Emil Bulls aus München das New inzwischen einfach mal unter den Tisch fallen und spezialisieren sich auf die etwas härteren Melodien. Dass sie Live immer noch eine Wucht sind bewiesen Sie am 13.11.2010 dem Tübinger Sudhaus.
Und was für eine Walze da einen überrollt. Here Comes The Fire, im wahrsten Sinne des Titels entfacht dieser das Sudhaus in Feuer und Flamme. Schon von der ersten Sekunde an ist klar, die Emil Bulls haben die Meute vor der Bühne im Griff und die frisst ihnen zu jeder Zeit aus der Hand.
Der Einstand ist hart und mit dem anschließenden The Most Evil Spell wird sogar noch draufgesetzt. Die Single aus dem Album The Black Path, dem dunklen Monster, das 2008 mit Gift und Galle gespuckt hatte, ist eines der vielen Highlights des Abends und reißt die Fläche vor der Bühne endgültig in ein Schlachtfeld, das sich so schnell nicht erholt. Darüber steht Sänger Christoph auf seinem Podest, ragt in die Menge und keift in sein Mikrofon während die anderen vier auf ihre Instrumente prügeln. Klingt alles ziemlich brutal und unangenehm. Letzteres ist es keineswegs, genau darum sind doch alle hier - sich beeindrucken lassen von der puren Gewalt der Musik, bisschen rumdrücken lassen, über die pure Energie staunen. Und brutal ist es doch letzten Endes auch nur im Ansatz - zu viel Spaß steckt hier hinter allem, zu viel verschwitze Lächeln blitzen durch und zu viele liebevolle Ansagen gibt es zwischen den Songs.
Zum Großteil geben da die aus dem neuen Album Phoenix den Ton an, welches nun schon seit einem Jahr fleißig betourt wird. Ist aber auch ein Hammer von Album. Solch einer, der einen von Ecke zu Ecke haut. Ausgeruht wird zwischendurch nur kurz. Zum Beispiel wenn sich Sänger Christoph mehrmals darüber wundert, warum man eigentlich noch nie in Tübingen war. Ja, warum eigentlich nicht? Ist doch ganz schön hier und die Stimmung könnte nicht besser sein. Aufopferungsvoll lassen sich gefühlt alle auf den Händen tragen, manche fallen zwar recht schnell wieder auf den harten Boden, andere wiederum kommen damit bis auf die Bühne. Marcel etwa, der dann auch den Ritt bis auf die Empore mit den wenigen Sitzplätzen schafft und damit ein Shirt gewinnt. Er ist wie Sänger Christoph zufrieden. So zufrieden, dass er das gleich nochmal macht.
Auch beim melodiösen Newborn, bei dem auch heute jeder mit ein stimmt, gibt es etwas Zeit um sich zurückzunehmen und sogar Feuerzeuge entdeckt man bei der Zugabe I Don't Belong Here, welche zeigt, dass die Emil Bulls seit neustem doch nicht nur Songs für die Schlachtbank schreiben.
Denn New Metal war gestern, heute gibt es eine Wall Of Death und einen verherrenden Mosh Pit. Zum Sitzen wird aufgefordert, zum Durchdrehen auch. Alles bekannte Sachen. Oftmals wirken die abgenutzt. Doch heute passt das einfach, das muss so sein. Die Emil Bulls sind eine solche Band, die einfach ihren Weg geht ohne sich beirren zu lassen. Und dieser Weg den sie gehen, das ist kein schlechter. Das beweist auch heute der Auftritt im Sudhaus, der mit When God Was Sleeping und Worlds Apart ein kräftiges Ende findet. Bleibt nur noch zu sagen - bis zum nächsten Mal in Tübingen.