Balkanspezialitäten mal anders: Nicht von Platte oder CD über die Anlage mit viel utz-utz-utz in die tanzende Menge gepumpt, sondern mit einer Heerschar von Instrumenten live gespielt – ja, voll traditionell und so, denn DeVotchKa luden zum Lauschen und Schwofen ein.
So richtig prall gefüllt sollte das Schocken an diesem Abend nicht werden, obwohl da immerhin fünf Oscar- und Grammy-Nominierte Musiker inmitten unzähliger Instrumente auf der Bühne stehen. Hat ja aber nebenbei erwähnt auch nichts zu sagen, so eine Nominierung – dieses Jahr nominierten beim Grammy beispielsweise Arcade Fire und Lady Gaga, sowie Mumford & Sons und Justin Bieber um die Wette. Anschließend konnte man dann halb Amerika „What the fuck is the Arcade Fries???“ twittern sehen. Nun ja, zurück zu wichtigerem: DeVotchKa im Schocken.
Das Akkordeon ertönt, Schlagzeug und Percussions setzen ein, Jeanie Schroder zupft den sie größentechnisch überragenden Kontrabass und schon klingt sie durch den Raum, die fröhlich-treibende Balkanmelodie. Schließlich gesellt sich auch noch Nick Uratas Gitarre und vor allem sein Gesang dazu, welcher DeVotchKas Sound so prägt. Sein lautes, wehmütig schallendes Organ bietet den Instrumenten Paroli und wirkt nur selten zu mächtig.
Der Beginn ist direkt flott und macht Laune, selbst die Temperatur im sich gemütlich erhitzenden Schocken stimmt. Das Publikum hingegen scheint von den letzten Sonnentagen noch etwas träge zu sein. Dabei hätte bei dieser heimeligen Balkanatmosphäre Großartiges entstehen können. Der Band ist dabei aber kein Vorwurf zu machen, wunderbar vielseitig präsentieren sich DeVotchKa. Ihre gesammelte musikalische Begabung wird gekonnt zu einem osteuropäischen Klangteppich gestrickt, auf welchem die meisten Lieder aufbauen, um sich danach an der Musik unzähliger Kulturen zu bedienen – so muss Weltmusik klingen. Ihre amerikanische Herkunft kauft ihnen doch sowieso niemand ab.
Und auch wenn diese Phrase etwas abgedroschen ist: Man sieht ihnen den Spaß bei der Sache an. Sei es eine grinsende Jeanie Schroder, wenn die lichterkettenbehangene Tuba ein weiteres Mal an die Decke des Schocken stößt oder die von Tom Hagerman geschüttelte Percussions-Banane, kombiniert mit einem fröhlichen Pfeifen, nachdem er Sekundenbruchteile zuvor noch seine Geige gefiedelt hat. Zwischenzeitlich stellt sich mir dann auch die Frage, ob der Schlagzeuger von seinen Bandkollegen wohl kumpelhaft beleidigt und ausgelacht wird, weil er neben seinem Schlagzeug, nur noch Trompete spielt. Auch der für die hohen Begleitvokale auf die Bühne geholte Bekannte der Band, wird für seinen Kurzauftritt bewundernd und belustigt beklatscht.
Gesprochen wird hingegen eher wenig. Wenn die Pause zwischen den Stücken einen Moment länger dauert, dann nur, weil der George Clooney-Verschnitt am Mikrofon noch einen kräftigen Schluck aus der Rotweinflasche benötigt. Die Musik steht nun mal im Vordergrund. Und die reicht vom beinahe balladesken How It Ends, über das rockige The Man From San Sebastian bis hin zu der flotten Balkannummer Contrabanda. Fast das gesamte neue Album 100 Lovers wird gespielt. Den grandiosen Abschluss bildet das in einer stampfenden, kreisenden, tanzwütigen Gypsy-Melodie gipfelnde Such A Lovely Thing.
Nach ausgiebigem Applaus werden noch zwei Zugaben gespielt, bevor das Publikum innerlich und äußerlich erwärmt in die regnerische Nacht entlassen wird.