Der 10. Juni stand im Zeichen des modernen Hardcores! 4 Bands die unterschiedlicher nicht sein konnten! Episch trifft metallisch trifft… prollig. Deez Nuts aus Australien treten im Rahmen ihrer Festivalbesuche auch im Juha West auf. Mit dabei: die US-Urgesteine von Shai Hulud und die jungen Bands Awake The Mutes und allthefury. Ein furioser Abend stand bevor.
Aber furios ist gar kein Ausdruck für allthefury! Markerschütternd, verrückt, wütend aber auch liebevoll präsentierten sie sich um Punkt 20 Uhr im Juha West. Epischer Metalcore der nur vor Moschus strotzte. Packend wie ein Hitchcock-Thriller, berauchend wie Ambrosia. Ja sie brillierten hier und heute die Bühne. Dabei strahlte draußen noch die Sonne, aber drinnen wurde es dunkel und mystisch. Bassist Felix wirkte sehr erotisierend mit seinem Stageacting. Da sprang er auch schon mal von der Bühne in das üppige Publikum um sich dann entspannt auf selbiger hinzulegen. Sexy! Nach guten 30 Minuten war der Spuk zu Ende! Eins stand fest: allthefury schmeckten nach mehr! Schönerweise wir demnächst eine EP aufgenommen. Charts ich hör dich jauchzen.
Awake The Mutes machten mächtig Druck. Mit einem sehr lauten Sound wollte man wohl die Stummen nicht nur aufwecken, sondern gleich in den Moshpit werfen! Die ersten Karate Kids haben sich auch schon mal warm gekickt. Rücksicht auf umstehende Gäste nahmen sie leider nicht, so das sich das Loch zwischen Bühne und Publikum immer mehr vergrößerte. Musik machten die Mainzer natürlich auch. Metalcore der derberen Sorte mit vielen Breakdowns und immer voll auf die Fr.. das Gemüt. Manchmal erhaschte man auch einen Anflug von Melodie, aber das ist eher unwichtig. Wochenende steht vor der Türe, also Partytime.
Party machten auch Shai Hulud. Die Amis freuten sich schon sehr auf Stuttgart da laut eigener Aussage es hier, im Vergleich zu anderen Städten Europas, am meisten krachte. Vielleicht meinte er auch ein gewisses Projekt was mit einer 21 endet. Egal. Ab der ersten Minute machten die Jungs ernst. Stuttgart gefiel dieser Hardcore Punk mit progressiven Spritzern. Das immer noch aktuelle Album Misanthropy Pure war Hauptaugenmerk des Abends. Natürlich gab es noch ein neues Lied auf die Ohren, welches auf der neuen Platte die im Herbst erscheinen soll mit drauf ist. Leider muss ich sagen, dass der Auftritt zwar sehr gut, aber die Musik ein wenig zu 08/15 war. Hier fehlten moderne Einflüsse oder Melodien die hängen blieben. Der Sound machte es, musikalisch gesehen, mir auch nicht unbedingt leichter. Nette Jungs sind sie aber! Und zurrecht dürfen sie auf dem New Noise Festival in Dürmershelm (bei Karlsruhe) ganz oben spielen.
Plötzlich wurde es voll. Über 150 Leute drängten sich nach vorne um einen guten Platz zu bekommen, denn jetzt kommen Deez Nuts, die Band um Tattoo-Junkie JJ Peters. Kaum war das Intro zu Ende, wurde es auch hier furios! Stuttgart flippte regelrecht aus. Vor der Bühne war kein Platz mehr, auch hilfesuchend an den Rand zu kommen klappte nicht so recht, also blieb einen nichts anderes übrig als mitzumachen. Sänger und Frontsau JJ wirkte erst etwas mürrisch, was aber nach ein paar Liedern in ein strahlendes lächeln umwandelte. Klar Deez Nuts sind große Bühnen gewohnt, aber es ist doch erstaunlich wie viele kamen ohne groß Werbung zu machen. Einen ganzen Stapel Hits hatten Deez Nuts auch dabei. DTD wurde frenetisch abgefeiert, bei Stay True und I Hustle Everyday gab es eine überfüllte Bühne. Das ist Hardcore, das ist so! Gerade dieser von vielen verachtete prollige Charme der Australier, wirkte auf mich niemals ernst gemeint, viel mehr nahmen sie sich selbst auf die Schippe. Schwitzende, durchdrehende Jugendliche und eine bestens aufgelegte Band. Was will man mehr?