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Comeback Kid mit The Ghost Inside und Kvelertak im Universum Stuttgart

von Stefan Haug

Shouts, Shouts, Shouts. Hardcore, Punk und ein bisschen Metal. Comeback Kid mischten zusammen mit The Ghost Inside, Kvelertak und Social Suicide bei der Through The Noise-Tour ein gut gefülltes Stuttgarter Universum auf.

Ohne Grave Maker. Die kanadische Hardcore Formation, die neben Social Suicide als zweiter Opener angekündigt war, ist heute nicht mit in Stuttgart dabei. Nach Auseinandersetzungen mit Zuschauern in Saarbrücken sind sie polizeilich verhindert. Das ist vor allem Punk, auf eine gewisse Art und Weise auch Hardcore. Vor allem aber schade. Auch weil der unbesetzte Slot zur Folge hat, dass Kvelertak als eigentlich erst dritte Band des Abends bereits um 20.00 Uhr mit dem halben Set durch sind. Blöd für die, die erst jetzt ins Universum pilgern. Denn Sänger Erlend Hjelvik ist längst schweißgebadet und präsentiert seine glänzende Wampe. Seine Haare hängen verschwitzt über die Stirn. Der Bart versteckt den Rest des Gesichts. Die Band dahinter drückt einen schnellen, von Punk und Black Metal inspirierten, Rock'n'Roll über die norwegischen Texte. Kvelertak sind die Exoten in diesem vom Hardcore dominierten Line Up. Fallen aber nicht nur deshalb auf. Viel mehr durch die unglaubliche Bühnenpräsenz und einen Sound, der einen genauso gerne tanzen lassen möchte, wie jagen. Erlend Hjelvik verschwindet irgendwann in der Menge, nachher lässt er sich von ihr durch das Universum tragen. Immernoch schweißgebadet. Als die sechsköpfige Band die Bühne räumt, lassen Kvelertak-Sprechchöre erahnen, dass der beste und eindringlichste Auftritt des Abends gerade eben zu Ende gegangen ist.

Die Umbaupause danach ist fix. Vor The Ghost Inside die Anspannung groß. Die Band aus Kalifornien mit drei Alben in fünf Jahren wird sehnlichst erwartet. Und ehe man sich versieht, ehe die Band auf der Bühne steht, stappeln sich die Menschen aufeinander. Stagediver fallen reihenweise ins Publikum. Manchmal hat man sogar Angst um die Gesundheit eines jeden einzelnen. Doch bevor man zu viele Gedanken greift und den Nächsten zu Boden gehen sieht, holt einen der brutale L.A. Hardcore wieder zurück auf die Bühne. Securities gibt es davor keine. Wenn doch, wurden sie bereits weggetreten. So wie alles andere. The Ghost Inside lassen nichts stehen und sorgen mit ihrem melodischen Metalcore für äußerst raue 45 Minuten. Dafür gibt es ordentlich Beifall. Sänger Jonathan Vigil freut das. Brüllt er keine sozialkritischen Hasstiraden oder Texte, die nach Kampfansage klingen, lächelt er diebisch und bedankt sich tausend mal. Immer wieder hängt er sich dabei über die Menge und drückt ihr das Mikrofon über die Münder. Er fodert das Publikum. Lässt das Universum schwitzen. Der letzte Song lässt das Universum fast ineinander fallen. The Ghost Inside gehen dabei kreuz und quer. Nach oben und nach unten. Genauso wie die Fäuste des Publikums.

Fragt man sich, wie Comeback Kid da anknüpfen wollen? Fragt man sich aber nur so lange, bis sie auf der Bühne stehen und mit mehr Punk im Hardcore durch vier Alben galoppieren. Sänger Andrew Neufeld ist sichtlich bemüht, die Menge anzuheizen und hat damit aber auch überhaupt gar keine Probleme. Nicht wenige stürmen die Bühne und lassen sich kopfüber in die Menge. Wo bei The Ghost Inside aufgrund des ausartenden Tanzens jede Menge Platz war, ist nun ein enger und drängender Pulk hinter den ersten Reihen, die im Sekundentakt auf die Bühne gedrückt werden. Klingt brutal. Vielleicht schon. Aber klingt eben auch nach Hardcore. Es ist Hardcore. Vor allem die Songs des aktuellen Albums Symptoms + Cures und dem inzwischen sechs Jahre alten Wake The Dead werden von den aüßerst textsicheren Fans abgefeiert. Comeback Kid prügeln sich keine Stunde durch ihr Set. Mehr hätten die Zuschauer wohl auch nicht vertragen, denn die prügeln kontinuierlich mit. Dann ist Schluss. Die Through The Noise-Tour nach 25 Konzerten in ganz Europa durch. Und Stuttgart um ein lebendiges Konzertereignis reicher.