Mutual Friends sind auf Tour, die genauso heißt, wie das Album auch. Boy sind unterwegs und ich will unbedingt wissen, was dieser Name soll. Ansonsten werde ich Abstand halten, ich hatte mich ja schon einmal ein wenig verliebt.
Bis ich meinen Platz zum Fotografieren einnehme, hat man mir bereits drei Mal gepredigt, dass der Fotografengraben nach dem dritten Lied zu verlassen ist, dass kein Blitz zu verwenden ist und dass der Graben nur von links zu betreten ist, auch wenn ich jetzt an der rechten Seite stehe und der Weg zur anderen Seite durch eine Million hysterischer Fans führt. Mal ehrlich, schaut man sich das Resultat an, hätte ich mir das wirklich sparen können und mich stattdessen ganz entspannt unters Volk mischen. Nun gut. Von ganz da vorne, im Graben drin, sieht man immerhin alles ganz gut und ganz nah. Zum Beispiel dieses große, weiße Ding, das von der Decke hängt, später wird es für einige Minuten schwach leuchten, eine weitere Bedeutung wird für mich nicht ersichtlich. Die großen Glühbirnen auf Stelzen kommen auch nur ausgewählt zum Einsatz, besonders bei Little Numbers, das Lied mit dem Video aus Barcelona das alle kennen und das mit Schuld ist an all dem Trubel, der Bekanntheit und der Liebe, die den beiden auch heute entgegengebracht wird. Das passiert aber nicht während den ersten drei Stücken, also wird es niemand mitbekommen, der nicht vor Ort war, denn davon gibt es keine Bilder,
harharhar.
Das letzte Stück, dass ich knipsen darf ist Boris und die beiden Foto-Jungs neben mir geben nochmal alles und halten den Auslöser gedrückt, dass es nur so scheppert, fast im Takt der beiden Schlagzeuger, ähnlich nervend. Dazu nudelt ab der Hälfte der Mann mit der E-Gitarre, als wäre er der Chef.
Dann passiert was Komisches. Ich bin aus der Menge raus, nutze den korrekten Ausgang links und verdrücke mich erstmal nach hinten, da kommen mir reihenweise Menschen entgegen, die sich im Vorraum sammeln. Zu eng? Zu heiß? Zucker? Klo? Einige sammeln sich an den Tischen, manch einer geht sogar rauchen.
Valeska Steiner ist fröhlich, lächelt viel und singt wie nebenher all die Stücke des Albums nahe der Perfektion. Nebenan, tatsächlich ziemlich daneben spielt Sonja Glass eine ungleich kleinere Rolle. Ihre Gitarre könnte der Gitarrist dahinter genauso gut übernehmen, ihre Stimme ist kaum zu hören und das fehlt vielen der Balladen.
Dann der lobenswerte Song Army, das Licht geht aus, nur die beiden sind erleuchtet, endlich zwei Stimmen, eine Gitarre, gut ist. Jetzt fasst sich auch einer neben mir ans Auge. So dachte ich, schreibe ich über dieses Konzert. Dann wird es wieder hell und der skrupellose E-Gitarrist klingelt rein. Der Drummer tut's ihm nach, das Keyboard versaut dann die letzte Strophe.
Ich will aufs Parkett, aus anderem Blickwinkel zeigen sich ja oft ganz neue Perspektiven, ungekannte Dimensionen gar. Man jagt mich davon, ich habe keinen Sitzplatz.
Das letzte Stück ist schließlich der Barcelona Song, das freut alle, die Leute tanzen und singen, viel überzeugter als davor, als man sie aufgefordert hat. Die Bühne blinkt und leuchtet ziemlich schön, Musik und Rest steigern sich gemeinsam, es geht richtig ab. Eine gute Entscheidung, damit aufzuhören.
Die Zugabe. Ein neues Lied, auf der Tour geschrieben. Naja, es klingt wie das, mit dem sie begannen, es besteht aus den gleichen Ideen. Wahrscheinlich heißt es Hotel Room, denn das kommt ein dutzend Mal vor, was ja auch nahe liegt wenn man ständig dort übernachtet für die Dauer einer Tour, da kann man schonmal ein Liedchen drüber pfeifen.
Danach gibt es keine Lieder mehr, Valeska bietet Skin an, nochmal, und fragt das Publikum, was zu tun ist. Der Badener vor mir hat seine Freundin im Arm und brüllt lautstark "AKUSTIK". Vielleicht ist er unzufrieden, wie sich der Schall und der Ton im Raum entwickeln, vielleicht richtete er das ja an die Betreiber des Tollhauses. Sie spielen also Skin, da ist er auf jeden Fall wieder schön am Klatschen.
Stellt euch eine Couch auf die Bühne, holt euch zwei Gäste nach oben und setzt die darauf, dazu ein paar Bier. Seit dann wieder ein Duo, singt zusammen, für einander oder wie auch immer ihr das bisher gemacht habt. Oder besser noch: lasst Husky mit machen. Die sind noch gar nicht erwähnt. Husky ist der Besuch, den die beiden Mädchen dabei haben, der aus Australien kommt und zu dritt ist. Sie spielen wirklich schöne Sachen, dienen sogar als Anheizer und gewinnen ganz schnell die Ohren der Leute im Saal und das sind richtig viele. Valeskas Wunderstimme mit dem Frontman von Husky, zwei wunderschöne Indiestylos, ich mag es mir kaum ausmalen.