von Kathrin Müller
Pegelpremiere für Bosse, Batschkapp und Frankfurt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kulturpegels haben wir uns auf den Weg in die berüchtigte Stadt gemacht, in der am Donnerstagabend der Großstadtpoet Bosse vom Leben, dem Zufall, der Liebe und dem kleinen Glück auf der Straße gesungen hat.
Einen kleinen, gemütlichen, vielleicht auch ein wenig heimeligen Club habe ich erwartet, in dem die unbefangene Stimmung einer Wohnzimmeratmosphäre, die Bosse mit seinen Liedern schafft, auch live aufkommt. Umso größer ist das Erstaunen, als wir eigentlich schon in der Eingangstür stehen bleiben müssen, da sich an die 500 Menschen in der ausverkauften Batschkapp drängen, so dass jeder Gang zur Bar zu einer Prüfung des eigenen Durchsetzungsvermögens wird.
Diese Tatsache scheint aber der angenehm entspannten Stimmung nicht zu schaden.
Ebenso freudig überrascht von den vielen Menschen ist Bosse, als er loslegt mit Metropole von seinem neuen Album Wartesaal, welches mit sanfter Melancholie von der Suche nach dem Glück erzählt und etwas hat, dass man in der Casting-verseuchten Popwelt nur noch sehr selten findet: Aufrichtigkeit, Gefühl und Persönlichkeit.
Und genauso gibt sich Bosse in der Batschkapp. Während die Kommunikation mit dem Publikum bei vielen anderen Bands entweder gar nicht stattfindet oder einstudiert und ausgedacht wirkt, ist Bosse spontan, ungezwungen und einfach er selbst. Dass er zum Unterhalten auch keine Verstärker oder Band braucht, beweist er, als am Ende von Sommer lang nur er und das Publikum singen, unterstützt von seiner Akustikgitarre.
Irgendwie gelingt es Bosse, das ganze Publikum, das aus den unterschiedlichsten Generationen besteht, zu involvieren, so dass es den Leuten von vorne bis hinten Spaß macht, ihm zuzuschauen.
Er ist eben ganz nah dran am Leben, beobachtet genau, gibt das Ganze auf eben diese Weise wieder und schafft ganz nebenbei noch den Spagat, sich melancholischer Themen anzunehmen ohne dabei kitschig oder klischeehaft zu wirken. Ganz im Gegenteil, man erkennt sich wieder in seinen Geschichten aus dem Alltag und den Philosophien über die Liebe und das Glück. Bosse spricht einem aus der Seele und seine Lieder wirken auf gewisse Weise real und irgendwie wahr.
Selten war ich auf einem Konzert, auf dem Publikum und Band sich gegenseitig so sehr gefeiert haben. Bosse wird einfach nicht müde zu beteuern, wieviel Spaß er hat und man sieht ihm an, dass er zur Zeit durch die Welt federt. Im Gegenzug lässt sich auch das Publikum nie zweimal bitten, wenn es um Backgroundgesänge, wie in Weit Weg, geht. Ich bin so weit weg um wieder nah zu sein singt Bosse und in der ganzen Batschkapp hallt es weit weit weit weit weg weg weg weg.
Abwechslungsreich bleibt die Stimmung das ganze Konzert über: Mal Neues, mal Altes, bei Roboterbeine wird getanzt, bei Nächster Sommer geträumt, bei 3 Millionen mitgesungen. Und das ist letztendlich auch der Aspekt, der dieses Konzert zu einem ganz Besonderen und konstant Schönen macht: Die unglaublich gute Mischung aus Gänsehaut, Schwitzen, Feuerzeug, Tanzen und Träumen.
