Nicht nur aufgrund ihres Anfangsbuchstabens waren Best Coast in diesem Jahr ziemlich weit vorn im Hipster-Alphabet nachzuschlagen. Der entspannte Lo-Fi Sommersound des Trios aus Los Angeles bewohnt einen Strandkorb in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wavves und den Dum Dum Girls, neben welchen sie wohl auch in den nun langsam erscheinenden Jahresbestenlisten des einschlägigen Geschmacksdiktats auftauchen werden. Da wunderte es nicht, dass der Berliner Magnetclub am vergangenen Dienstag ausnehmend gut gefüllt war, als Best Coast sich zum zweiten Mal dort die Ehre gaben.
Ein Grund dafür, warum auf die freudige Erregung über die Nachricht des anstehenden Gigs einer geliebten Band oftmals in der nächsten Sekunde ein ernüchtertes „Och nöö... Wieso denn im Magnet...“ folgt, ist – neben der unerträglichen musikalischen Beschallung nach den Konzerten – der zuverlässig grottige Livesound einer jeden Band, die die zweifelhafte Ehre hat, für diesen Laden gebucht zu werden. Zwar habe ich auch sehr schöne Abende im Magnet verlebt, doch hat sich das Soundproblem leider unverändert durch die Jahre gezogen und war bisher auch Mitbewohner der neuen Örtlichkeiten des Clubs am Schlesischen Tor. Betrachten wir es also als verfrühtes Weihnachtswunder, wenn der Klang an diesem Abend erstaunlich differenziert und klar aus den Boxen drang. Setzte man sich gezwungenermaßen dort sonst der fahrlässigen Körperverletzung aus, war es sogar unmittelbar vor der Bühne gut auszuhalten. Auch wenn bei Best Coast nur Drums und zwei Gitarren gemaßregelt werden mussten: Bitte weiter so, Magnet!
Den Support lieferte die britische Indie-Erscheinung Sky Larkin, deren Auftritt ich nur am Rande wahrnehmen konnte. Hängen geblieben ist dabei nur der Eindruck gewohnter, semidramatischer Indierockkost mit einer talentierten Sängerin, die tapfer dagegen ansang, aber ihre emotionalen Anliegen dabei für meinen Geschmack etwas zu vordergründig zur Schau stellte.
Nach kurzer Umbauphase betraten dann Best Coast die Bühne und eröffneten ihr knapp einstündiges Set mit Bratty B, einem Song von ihrer Debüt-LP Crazy For You. Das seltsame, aber sehr liebenswürdige Trio lieferte einen ziemlich kurzweiligen Auftritt ab. Bestehend aus der reizenden Frontfrau Bethany Cosentino, einer herrlich desinteressiert aufspielenden Schlagzeugerin und als zweitem Gitarrero Bobb Bruno, ein Asiate des Typs Anime-Otaku(mit süßem Babybauch), brachte die Band ihre Mischung aus Bubblegum Pop und ungeschliffenem Surfrock leichtfüßig und routiniert auf die Bühne. Stimmungsmäßig ist das ein Nebeneinander von unbeschwerter Tanzbarkeit mit dem steten Unterton schwüler Sentimentalität heißer und sorgloser Sommertage, der auch an einem trüben Winterabend unvermittelt ins Gemüt dringt. Spätestens wenn Bethanys leicht angeheiserte Stimme zum sehnsüchtigen uuuuuuhhhhuuuuuuu-Gesäusel ansetzt, verzeiht man ihr entzückt lyrische Eskapaden der Sorte: „you drive me crazy but I love you / you make me lazy but I love you / want to hate you but then I kiss you / want to hate you but then I kiss you“. Aber was sind schon Worte. Dem Publikum schien es ähnlich zu ergehen, konnte man doch um sich herum in viele lächelnde Gesichter entrückt tanzender Menschen blicken, deren Bewegungsdrang nach dem Wiedererkennen von Stücken wie When I'm With You und I Want To zumindest die vorderen Reihen mitreißen konnte. So ging dann nach kurzer Pinkelpause Bethanys ein entspannter Konzertabend nach immerhin drei Zugaben leider viel zu früh zu Ende. Aber naja, viel mehr Songs als die vorgetragenen haben Best Coast auch noch nicht im Repertoire. Nächstes mal also bitte mit neuem Material! Gerne auch im Magnet.