Am 28. März waren die Beatsteaks in Ludwigsburg und haben in einem zweistündigen Set eine super Show hingelegt!
Das Staunen ist groß, als ich in Ludwigsburg ankomme und die Massen von der S-Bahn Richtung Arena stürmen. Das Staunen wird noch größer, als sich eine extrem lange Menschenschlange vor mir eröffnet, die alle gesittet auf das „Mini-Festival“-Gelände vor der Arena streben. Kaum drin, kann man in wenigen Schritten die Eingangshalle durchqueren und landet in einer schon nicht kleinen Basektballhalle, in der die Bühne steht. Menschenträubchen haben sich bereits vor die Bühne gedrängt um sich die besten Plätze zu sichern. Ich begebe mich vorerst an den rechten Bühnenrand und behalte die VIP Tribüne neben mir im Auge, diese wird sich im Laufe des Abends noch mehrfach als Anzugspunkt meiner Aufmerksamkeit erweisen.
Aber kommen wir zur Musik. Vorerst zu Kraftklub. Die fünf Jungs aus Sachsen eröffnen den Abend und stoßen auf ein partywütiges Publikum, das unverzüglich jeden Klatsch- und Winkaufruf nacheifert. Die Liebe und die Liebe zum Heimatort Karl-Marx-Stadt werden besungen. Als Provokation darf man sicher das Lied Ich will nicht nach Berlin verstehen, wo unsere lieben Beatsteaks doch so ausdrücklich auf unsere Hauptstadt stehen.
Kraftklub hingegen stehen auf rote Hosenträger, Baseball-Jacken und auf große „mano cornuta“ die auf Pappe gemalt das Bühnenbild ausmachen. Womit wir auch gleich zur ersten Attraktion auf der naheliegenden Tribüne kommen. Meine Augen werden von einem Lichtpunkt angezogen, der sich als Notebook entpuppen sollte, auf dem per Skype jemand zugeschaltet ist. Kaum hat man sich versehen, landet der Laptop auf der Bühne und der ominöse Fremde wird als Phillip, der Künstler des Bühnenbildes vorgestellt.
Gitarrenwechselpausen wurden mit Witzen wie: „ Was sagt die Schnecke, die auf der Schildkröte sitzt?“ – „Hui“ überbrück. Hm. Und natürlich fehlte auch die Wahlanspielung mit extrem viel grünem Licht und der Aussage „Baden Württemberg – ihr habt es richtig gemacht“ nicht.
Mein Fazit zu Kraftklub – ganz nett aber noch nicht reif für die große Bühne!
Die nächste halbe Stunde war maßgeblich von herumrennenden Männern in Unterhemden und Jogginghosen geprägt, die die Bühne für die Beatsteaks vorbereiten.
Ich habe mich natürlich gerne ablenken lassen und meine Aufmerksamkeit wurde erneut in die nahegelegene Tribüne gezogen. Nicht weit von mir saß ein älteres Ehepaar mit VIP Ausweisen, Schlagzeuger Thomas Götz ein Tübinger Junge - der einzige nicht Berliner - hatte nach Angaben des Schwarzhaarigen neben mir, seine Großeltern mitgebracht. Wenn das mal keine Ehrengäste sind!
Und dann: Endlich geht es los. Euphorisch stürmen die Beatsteaks mit Atomic Love auf die Bühne und die Menge tobt. Schon mit dem dritten Lied Milk & Honey wird die neue Single, die seit Ende 2010 veröffentlicht ist, zum Besten gegeben. Vor der Bühne wird gefeiert und drum rum bekomme ich eigentlich gar nicht viel mit. Der Frontmann Arnim flirtet mit dem Publikum und wird zum Magnet der Menge und stellte wie ich fest, dass Sitzplätze eher uncool sind.
Im Allgemeinen wird eher auf Ansagen verzichtet und die Songs werden einem nach dem anderen vom Publikum gefeiert.
Bald übernimmt der Gitarrist Peter Baumann die Aufmerksamkeit und bleibt allein für seinen Song Hey Du! auf der Bühne. Mit seinem Berliner Dialekt und dem weiß-grauen Ringelshirt steht er Arnim in Sachen Sympathie nichts nach. Auch der Ärger über die verstimmte Gitarre tut dem keinen Abbruch, eher im Gegenteil.
Als Kontrast zum ruhigen Hey Du! folg Hello Joe, das mit einem Spendenaufruf für Japan und dem Fall des ersten Bühnenbildes, ein Abbild der Schallplatte zum neuen Album Boombox, beendet wird. Ähnliches hatten die Beatsteaks schon bei der Vergabe der Pressekarten gemacht, hier wurde um eine Spende für Japan gebeten. Dieses Loch in meinem Geldbeutel sorgte dafür, dass ich auf die Gutmütigkeit des Ludwigsburger Publikum angewiesen war, um mir selbst ein Bier zu leisten – 12 Euro für zwei Bier mit Pfand.
Zu Let me in geht die komplette Halle in die Hocke und springt zum Refrain in die Höhe. Natürlich wird die Stimmung durch Automatic vom neuen Album weiter aufgeheizt. Hierauf folgte Boombox, hier hatten sich die Jungs was ganz tolles einfallen lassen. Jeder der wollte hatte beim Refrain eine Papiertüte platzen lassen dürfen.
Hand in Hand. Während diesem Lied kommt es zum dritten Mal dazu, dass meine auf der Tribüne etwas los war. Arnim springt von der Bühne und rennt in die Arme einer Gruppe der sagenumwobenen Abteilung Sitzplatz. Freunde? Verwandte? Hardcore Fans? Man weiß es nicht, aber gefreut haben sich alle.
Im Anschluss wurde es wieder ganz heimelich, Arnim sang What’s coming over you a cappella. Hiermit war dann auch bewiesen, dass Arnim wirklich singen kann. Die Beatsteaks verschwinden kurz hinter der Bühne uns lassen sich mit einem großen Applaus zurückholen, Armins Statement: „Der Abend fängt doch gerade erst an!“
Mit einem neuen Bühnenbild aus Verstärkern und Schlagzeug werden wir Zeugen, wie Jane und die Menge verrückt werden, Arnim spielte mit dem Publikum den „Trick“ Wall Of Death. Melancholisch wird es für einige Langzeit-Fans, als die Beatsteaks Shiny Shoes spielen, dieser Song ist von ihrer zweiten Platte Launched aus den Jahr 2000 und leitet langsam aber sicher das Ende es Konzertes ein.
Mittlerweile ist die Stimmung in der Halle fast schon überschwänglich, die Leute tanzen ausgelassen und die vorderen Reihen prallen ihre Körper kräftig gegeneinander. Auch die Beatsteaks scheinen bei ihrem Auftritt richtig Spaß zu haben, es kommt zu einer lustigen Madley-Phase, in dem Peter und Arnim sich an The White Stripes, One more time von Draft Punk und an den Beatles versuchen. Die breit gefächerte Musikeinlage endet schließlich in Cut off the top. Viele Male lassen die Beatsteaks sich bejubeln und mit lautklatschendem Getöse zurück auf die Bühne bitten. Das letzte Lied und einen wirklich passenden Abschluss bildet I don’t care as long as you sing.
Mein Fazit des Abends: Die Beatsteaks sind einfach gute Unterhaltung.