Zweimal Elektro-Indie-Rock gab es am Donnerstag im zwölfzehn und das für keinmal Eintritt. Bestes höhrbares Anti-Karneval-Programm.
Bad Bad Cat und Jolly Japlin heissen die Formationen, die es wagen an einem Tag, den manche Schmutziger Donnerstag nennen, etwas anzubieten, das nicht weiter entfernt sein könnte von "Die Karawane zieht weiter" und "Mer losse de Dom en Kölle". Und siehe da, viele finden sich ein um da mit zu machen.
Die Jungs von Bad Bad Cat sehen ganz normal aus. Ihre Musik ist es nicht so. Wo sonst das gewohnt überlaute Ballern des Schlagzeugs kommt, haben sie eine grandiose Lösung, da sitzt ein Mann an einem kleinen Gerät, das aller Schlaghärte zum Trotz keinen großen Lärm zu erzeugen vermag. Auch bei des Frontmanns Stimme bin ich überrascht, sie klingt wirklich gekonnt, geprobt, gelernt. Alles andere steht zwar dahinter zurück, vereint sich dennoch zu einem äußerst stimmigen Gesamtwerk, dass mich live weit mehr überzeugt, als zu Hause die Songs auf MySpace.
Es folgt ein langer Bühnenumbau.
So viele Gerätschaften, die alle ihren Platz haben müssen. So viele, dass man gar nicht immer sicher sagen kann, aus welchem Kasten, von welchem Bandmitglied oder von welchem physisch vorhandenen Instrument all die Töne und Geräusche stammen. Aber es ist auch total egal, das Zeug passt zusammen. Und bei wenigstens einer Sache kennt man dann doch die genaue Herkunft: der Bass. In schöner Regelmäßigkeit kommen da die Abfolgen und zeigen die Bedeutsamkeit der Tiefen. Ein bisschen fällt dem Verursacher die Konzentration dabei aus dem Gesicht, obwohl ich wette, dass er während des Konzerts einen Lottoschein ausfüllen könnte und trotzdem keine Saite daneben läge.
Für die Höhen sorgt die Stimme, gemischt aus schizophrener Durchgeknalltheit und selbstkritischer Stimmbandkrümung. Das macht einen großen Teil aus von dieser Sache, die diese Band unterscheidet von anderen. Wer am nächsten Tag den Freunden vom Konzert berichtet, wird damit die Erzählung beginnen.
Dann erahnt man immer mal wieder bekannte Tonfolgen, grübelt, woher man sie kennt, kommt nicht darauf und ... es ist total egal.
Am Ende stelle ich mir vor, wie lange man ein solches Set einstudieren muss. Jeder Tastendruck hat seine Sekunde, jede Wiederholung ihre Rate, jedes Wort seinen Einsatz. Die Vier sind wohl fast die Einzigen, die einen Fehler bemerken, eine Kleinigkeit die die Perfektion stört, auf der das ganze Werk beruht. Das Publikum dagegen ahnt Abweichungen nur durch die Reaktionen der Band.
So kommt es, dass sie sich einmal vertun, es schlimmer finden als alle anderen und beim Bier danach sicher auch nicht von ihrem gelungensten Auftritt sprechen werden. Wieder total egal, denn wenn es beim nächsten Mal noch besser wird, dann ist das die Chance für all jene, die das am Donnerstag verpasst haben, weil sie sich, gehüllt in seltsame Verkleidungen, auf Parties voller Nerds rumtrieben, die dank der Maskierung nur niemand erkannt hat.
Erwähnte Perfektion, so sei am Schluß noch erwähnt, findet sich auch bei der zugehörigen Platte, auf Vinyl gepresst, wieder. Schon äußerlich, haptisch, macht die Spaß und was für die Ohren dabei ist, weiss man ja jetzt.
Mal sehen, ob man jetzt auch die künftigen Donnerstage im zwölfzehn im Auge behalten muss, zumindest wenn es so weiter geht.