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Foto: Sebastian Warmbrunn
Back2Flavour Festival im Higuita

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Back2Flavour Festival im Higuita

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Back2Flavour Festival im Higuita

Back 2 Flavour Festival Rene Higuita

von Lukas Steimle

Und es gibt es ihn doch noch: den guten deutschen Hip-Hop. Am 2. Juni fand das Back 2 Flavour-Festival getreu dem Motto „zurück zu den wahren Werten und Wurzeln des HipHop“ statt. Und um diese kleine Zeitreise gebührend zu feiern, wurden neben Huss&Hodn auch gleich noch die guten, alten Stieber Twins ins Boot geholt.

Zurück zu den Wurzeln. So könnte man auch den Weg zum Rene Higuita beschreiben. Denn das Festival findet, gut ausgeschildert, aber doch sehr versteckt zwischen alten Containern und wild wuchernden Pflanzen in einem stillgelegten Fabrikhallenkomplex am Nordbahnhof statt. Das Areal inklusive Rene Higuita Bar/Club/Künstlertreff/Was-auch-immer besteht zumindest mal so lange, bis die Bagger anfangen zu schaufeln. Dem Erscheinen der versammelten Hip-Hop-Anhängerschaft nach zu urteilen, hat die kurzfristige Verlegung vom Club Zapata an den Nordbahnhof, auf Grund von städtischen Verordnungen, nicht weiter gestört.

Gegen 20 Uhr geht's auf der Bühne mit den ersten kleinen Lokalacts los. Ihnen wird – mit stellenweise zugegebenermaßen zweifelhaftem Erfolg – die Chance gegeben, ihr Können unter Beweis zu stellen. Nichtsdestotrotz gehört auch das zu solch einem Event. Schließlich fängt jeder mal klein und ohne ausgiebige Bühnenerfahrung an. So konnte man aber immerhin getrost die Zeit nutzen, um über das Gelände zu schlendern und die nachmittags gesprühten und sehenswerten Graffiti-Ergebnisse begutachten. Oder sich einen ofenfrischen Flammkuchen gönnen. Zurück in der Halle steigt das Niveau von Künstler zu Künstler. Neben den spaßig-aggressiv, lautstark rappenden Stuttgartern Smoke & The Walker (die allerdings mit matschigem Sound zu kämpfen haben), können vor allem MKPB (Melanus Kwest & Phong Bak) und UMSE mit „klassischem“ Hip-Hop  erste Ausrufezeichen setzen, bevor mit Huss&Hodn der erste große Name an Mikrofon und Plattenteller darf.

Nach kurzen Ton-Problemen jagt Hulk Hodn den aggressiv-stressigen Beat von Majuskel ins Publikum, während der Retrogott mit verbalen Auswüchsen wie „Elektroschlag, Elektrotritt, hauptsache Gewalt, elektronisch, kunstvoll, architektonisch – was Esperanto? Ich battle dich auf klingonisch!“ klar macht, worüber man sich nach der nächsten Stunde den Kopf zerbrechen wird: Wie nahe liegen Genie und Wahnsinn wirklich beieinander?

Hier wird ganz gepflegt auf andere Meinungen, Ansichten oder eigene Imagepflege geschissen. Es geht nur um das Vergnügen und den Rap – um kongeniale Sinnlosigkeiten ("Wäre ich ein Schaf, wollte ich aus ethischen Gründen kein Klon sein") vermischt mit humorgeballten Beleidigungen ("Du schreibst Punchlines, ich mache Notizen - im Battle musst du mich siezen - Sie Hurensohn [..]"), die sich mit lässigen, alten Jazz-, Soul-, Funk-  und Hip-Hop-Samples bestückten Beats paaren. Und so kommt auch Hulk Hodn oft nicht um ein süffisantes Grinsen, wenn sein Kumpel am Mikrofon einen Song für ein paar Liegestützen, Freestyle-Parts, Luftballons tottrampeln oder absurd-sarkastische Publikumsaufforderungen („Gebt mir ein Herrschaft! Gebt mir ein Diktatur!“) unterbricht.

Auf die Ohren gibt es die komplette Wortwitz-Schaffensphase: von ganz alt bis ganz neu, vom 4trackboy über Beleidiger und spanischen Battlerap, bis hin zu ein paar ausgewählten Publikumslieblingen, wie Yo Kurt, Rap scheißt auf dich oder Der Stoff aus dem die Regenschirme sind. Pornofilmkäse muss dann aus zeit- und unterhaltungstechnischen Gründen in doppelter Geschwindigkeit gerappt werden. Und nachdem sich der Retrogott seine Zugaben am Boden liegend selbst zugebrüllt hat und alles vorbei ist, merkt man erst, wie angespannt die Gesichts- und Nackenmuskulatur vom ständigen Grinsen, Lachen und Nicken ist. So muss das sein.

Als nach einer kurzen Verschnaufpause schließlich die Stieber Twins auf die Bühne springen, entsteht tatsächlich ein gewisses Nostalgiegefühl und Erinnerungen an die alten Kopfnicker-Zeiten werden wach. Immerhin fast 80 Jahre bringen die Zwillinge inzwischen gemeinsam auf die Bühne, was man den beiden aber höchstens an Gewicht und Gesicht, nicht aber beim Rappen anmerkt. Egal ob Malaria, Schlangen sind giftig oder schließlich die Tracks mit Aphroe – verlernt haben sie ihr Handwerk sicherlich nicht. Dennoch ist das Gehirn nach einem langen Festivaltag und dem vollen Waschgang von Huss&Hodn irgendwann etwas zu verknotet und sehnt sich nach ein bisschen Erholung von Beats, Samples und Rap.

Alles in allem hat der Back 2 Flavour-Gedanke wunderbar funktioniert. Immer wieder stößt man bei Künstlern oder im Publikum auf Anspielungen oder Anekdoten, die an den Gedanken von Hip-Hop oder die alten Lieblings-MCs erinnern. Ein schöner Tag, vollgepackt mit dem, wofür die Hip-Hop Kultur steht - Back 2 Flavour Part 2 darf kommen.