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Apocalyptica im Theaterhaus Stuttgart

von Rene König

Der finnische Exportschlager hat am 28. Februar mit ihrem einzigartigen Cello-Metal das Theaterhaus beehrt. Lasst euch von der 7th Symphony mitreißen!

Konzerte sind wie Kinofilme. Lasst uns den traumhaften Abend mit Apocalyptica wie einen Kinoabend rekonstruieren.

Stellt euch vor Ihr geht in euren Lieblingsfilm. Es beginnt mit dem ungewissen aber freudigem Warten im Vorraum. Man wundert sich über die Preise an der Theke (25 Euro für ein T-Shirt / 6,50 Euro für ein Weinschorle), man plaudert mit seinen Begleitern oder geht vorsichtshalber noch mal auf die Toilette. Doch dann geht alles schneller als erwartet. Einlass! Die Karte wird abgerissen und der Weg in einen schwach erhellten Raum wird frei. Ein schöner Platz mit guter Sicht wird gesucht. Natürlich setzt sich jemand vor euch der größer ist als ihr. Aber damit habt ihr gerechnet. Immer noch plagt einen die Ungewissheit… wird es wirklich so gut wie alle sagen… was ist wenn mir die Handlung nicht gefällt…

Kaum ist man in den ersten angeregten Gesprächen beginnt auch schon die Werbung oder im heutigen Falle die Vorband A Life [Divided]. Gute 40 Minuten lang versuchte man nun mit Synthie/Elektro Rock das Publikum von sich zu überzeugen. Wie auch bei der Werbung wurde mal mit einer cleveren Werbestrategie oder einem neuen Produkt geworben. Ob nun treibendes Schlagzeug oder hübscher Gesang. Leider kehrt auch immer schnell Langeweile ein, schließlich ist man ja wegen dem Hauptfilm äh der Hauptband da. Popcorn holen gestaltet sich als schwer, da es verdammt dunkel ist. Okay braucht man jetzt auch nicht. Doch den vorderen Reihen scheinen A Life [Divided] zu Gefallen und die Meisten werden wohl die Werbung, in das aktuelle Album Passenger reinzuhören, verstanden haben und nachgehen.

Das Licht geht wieder an, doch ausnahmsweise wird nicht nach Eis geschrien sondern alle wollen nur das sehen weshalb sie den Weg in den Kinosaal gesucht haben: Apocalyptica! Pünktlich um 21 Uhr geht es los.Das Licht geht wieder aus und drei Lichtkegel zeigen auf was heute der Fokus genommen wird. Der Film beginnt… Quasimodo führt euch auf sein Dach (On The Rooftop With Quasimodo) um euch zu zeigen was euch erwarten wird: Drei verrückte Finnen am Cello. Ein verrückter Finne am Schlagzeug. Der Stoff aus dem ein 100 Minuten Action-Drama seinen Lauf nehmen wird. Es wird ein Blick auf 2010 geworfen nur um kurz darauf die allumfassende Grazie (Grace) der Meute zuzuwerfen. Was für ein unglaubliches Werk! Noch völlig perplex taucht er auf, ein alter Bekannter, einer DER Akteure der Vergangenheit: Der Meister der Puppen (Master Of Puppets)! Ein lauter Jubel und Gesang dröhnte durch den Saal des Theaterhauses. Natürlich ist man wegen den Metallica Klassikern hier. Die sind auch keine Überraschung. Doch dann… der Auftritt eines Mitbestreiters denn man nicht kennt: Tipe Johnson! Muskelprotz und Allroundsänger.Er intonierte End Of Me (welches eigentlich mit Gavin Rossdale eingesungen wurde) und I´m Not Jesus (Slipknot´s Corey Taylor lieh hier auf dem Album Worlds Collide die Stimme). Nun kommen schon die ersten obligatorischen nervigen Kinogeräusche: leichtes Gemurmel neben euch, Füße werden gegen euren Sitz gepresst. Ihr fragt euch: wieso kann man hier nicht komplett hin und weg sein? Wieso muss man unbedingt quatschen?

Der nächste Doppelschlag kommt in Form einer Rückblende: Metallica´s One und Sepultura´s Refuse/Resist zeigt die Anfänge von Apocalyptica, als man noch zur Akademie ging. Durch diesen Spannungsaufbau wurde es Zeit die Dramatik des Filmes einzuläuten. Mit ruhigen sanften Celloklängen zeigten die Finnen das sie durchaus Talent haben, wunderschöne Melodien zu zaubern. Doch dieser Zauber der während Beautiful / Sacra / Bittersweet entfaltet wird, wird leider durch ein ständiges Gemurmel getrübt. So ist das nun mal im Kino! Manche lassen sich in Trance versetzten, manche sind halt zum Reden da. Das Ende scheint nah, denn die Emotionen schwappten langsam über: Als letzte Hoffnung wurde das Cello fast zersägt (Last Hope), Sänger Tipe brachte sie aber wieder zurück ins Licht (Bring Them To Light). Der ganze Saal tobte zu Seek & Destroy dem Finale auf das alle gewartet haben! Furios und erhaben wurden sie bejubelt! Inquistion Symphony war gleichzusetzen mit jedem guten Abspann.

Im Kino kommt vielleicht noch eine zusätzliche Szene, auf Konzerten dagegen ziemlich sicher eine Zugabe. Das Licht geht wieder aus. Die Reise führt uns diesmal in die tiefen Finnlands zum Tor nach Manala (At The Gates Of Manala). Manala ist das Totenreich welches auch als Hades aus der griechischen Mythologie bekannt ist. Bevor der Gedanke aber weitergesponnen werden konnte, warum so ein finsteres Lied die Zugabe einleitet, wird es wieder Zeit das Popcorn wegzulegen: Ein letztes Mal wurde gemeinsam gesungen (I Don´t Care). Dank des Hall Of The Mountain King wurde es ein letztes Mal magisch. Kaum verklangen die letzten Töne strömten die Massen nach draußen um sich über das gerade erlebte zu unterhalten oder doch noch ein Erinnerungsstück zu ergattern.

Konzerte können wie Kinofilme sein. Lässt man sich darauf ein, ist es wie eine Trance. Nur ein unaufmerksames Publikum kann einen aus dieser Trance reißen. Apocalyptica ein Abend den man nicht mehr vergisst.